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Drohnen Das fliegende Auge

Mit Drohnen lassen sich Menschen in einem bisher nicht gekannten Maß überwachen. Der Markt für die fliegenden Beobachter boomt. Auch deutsche Firmen machen Milliarden-Geschäfte mit Drohnen, die unter anderem bei Demonstrationen eingesetzt werden können.

Die Quadrokopter-Drohne der Firma Microdrones bietet nach Unternehmensangaben dort Einblick, „wo Menschen normalerweise an ihre Grenzen stoßen“. Foto: dpa

Mit Drohnen lassen sich Menschen in einem bisher nicht gekannten Maß überwachen. Der Markt für die fliegenden Beobachter boomt. Auch deutsche Firmen machen Milliarden-Geschäfte mit Drohnen, die unter anderem bei Demonstrationen eingesetzt werden können.

Chinas paramilitärische „Bewaffnete Volkspolizei“ ist berüchtigt: Zu den Hauptaufgaben der Eliteeinheit gehört die brutale Niederschlagung von Protesten gegen das Regime. Um ihre Operationen möglichst effektiv auszuführen, setzt sie immer häufiger Drohnen ein – geliefert von der Firma Microdrones aus dem nordrhein-westfälischen Siegen. Aus Begeisterung über die deutschen Quadrokopter-Drohnen reisten vor kurzem gar zwölf hochrangige chinesische Polizeibeamte nach Siegen. Sie verliehen dem Technischen Leiter der Firma, Udo Juerss, feierlich das goldene Ehrenzeichen der Einheit. Eigentlich ist diese Auszeichnung Diplomaten vorbehalten.

Die Drohnen, die sich so schön zur Überwachung einsetzen lassen, sind nach Unternehmensangaben ausgerüstet mit „hochwertigen Kameras, die schnell und unkompliziert dort Einblick bieten, wo Menschen normalerweise an ihre Grenzen stoßen“. In einem Microdrones-Video sieht man, wie die chinesischen Einsatzkräfte die Drohne aufsteigen lassen, um mit dem fliegenden Auge durch das Fenster in eine Wohnung zu filmen. Nun sollen die deutschen Drohnen zur Standardausrüstung für die Bewaffnete Polizei werden. Microdrones gibt an, bereits tausend Drohnen weltweit ausgeliefert zu haben – zu den Kunden zählt auch die Landespolizei Sachsens und Niedersachsens. Letztere setzte eine Mikrodrohne etwa bei den Protesten gegen einen Castor-Transport ein.

Weltweit 30.000 Geräte

Angesichts der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten rechnen Experten mit einer rasanten Weiterentwicklung der Technik. Die Ausgaben für Drohnen werden sich in den nächsten zehn Jahren auf jährlich mehr als 11 Milliarden US-Dollar verdoppeln, prognostiziert der US-amerikanische Marktanalyst Teal-Group. Allein über den USA sollen nach einer Prognose der US-Luftfahrtsbehörde schon in fünf Jahren 10.000 Drohnen kreisen, weltweit sollen es Industrieangaben zufolge 2018 bereits 30.000 Geräte sein.

Die neue Technologie ermöglicht ein bislang nicht gekanntes Maß an Überwachung. Extrem hochauflösende Kameras, die mit Datenbanken verknüpft sind, könnten etwa Gesichter in Echtzeit identifizieren und die erfassten Personen verfolgen, ohne dass diese am Boden die Drohne überhaupt bemerken. Bei Dunkelheit helfen Nachtsichtgeräte, und Wärmekameras können selbst durch Wände sehen.

Die Europäische Union erforscht derzeit, wie die Überwachung effektiver genutzt werden könnte. Indect heißt das millionenschwere Forschungsprojekt, das untersucht, wie Verbrechen durch den Einsatz von Drohnen verhindert werden können. Dabei werden die Kameras der Drohnen mit den zahlreichen Videoüberwachungskameras, die in Städten und U-Bahn-Systemen ohnehin installiert sind, kombiniert. All diese Videodaten sollen dann auf „abnormales Verhalten“ untersucht werden – etwa, wenn eine Person auf einem Parkplatz ungewöhnlich lange an einem Fahrzeugschloss hantiert. Das System soll dann vollautomatisch die Gefahrensituation erkennen und Alarm auslösen.

Milliarden-Geschäfte

Das, was ein solches System als verdächtiges Verhalten erkennt, lässt sich leicht verändern. Alarm geben könnte es auch dann, wenn sich Menschen zu einer Demonstration formieren. Auch die deutschen Firmen Innotec Data und PSI Transcom sind an dem heiklen Forschungsprojekt beteiligt. Das Bundeskriminalamt lehnt eine Teilnahme nach eigenen Angaben aufgrund des „umfassenden Überwachungsgedankens“ ab.

Einiges deutet darauf hin, dass die EU bei dem Indect-Programm vor allem den Export der Technologie in andere Staaten im Blick hat, in denen die Einbindung von Drohnen in Überwachungssysteme keiner Zustimmung im Parlament bedarf. Die Forschungsergebnisse, erklärte die EU-Kommission auf Anfrage, könnte die internationale Wettbewerbsfähigkeit der EU-Sicherheitsindustrie steigern – ein Markt, der laut Marco Malacarne, dem Leiter der Abteilung Sicherheitsforschung bei der EU-Kommission, ein „Multimilliarden-Geschäft“ verspricht.

Das hat auch die Bundesregierung erkannt. In einer Analyse heißt es, dass bei der Nachfrage nach Drohnen im Sicherheitsbereich eine „hohes quantitatives Wachstum“ zu erwarten sei. Ein Einsatzfeld könnten etwa Demonstrationen sein. Auf Basis der Analyse entwickelte die Bundesregierung eine Konzeption für den „Zukunftsmarkt zivile Sicherheitstechnik“. Dort ist vermerkt, dass gerade in den „für die als Zielmärkte interessanten Schwellenländer“ eine „umfassende politische Flankierung“ notwendig sei. Als besonders erfolgversprechende Zielmärkte werden unter anderem die Golfstaaten und Nordafrika genannt – Regionen, in denen Menschenrechtsverletzungen keine Ausnahmen sind.

Mit seinen chinesischen Referenzen könnte Microdrones dort sicher begeistern.

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