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Drohnen-Angriff Noch ein Schlag gegen Al-Kaida

Angeblich hat eine US-Drohne den pakistanischen Topterroristen Ilyas Kashmiri getötet. Er galt als der wohl gefährlichste Kommandant Al-Kaidas in Pakistan.

Islamisten protestierten gegen die Drohnen-Attacke. Foto: A. Hussain / rtr

Die neun Männer tranken gerade Tee in einem Apfelhain in Süd-Wasiristan, als die US-Drohnen ihren tödlichen Angriff flogen. Unter den neun Toten soll Ilyas Kashmiri sein – damit hätten die Amerikaner nur einen Monat nach Osama bin Laden einen weiteren Top-Terroristen getötet.

Kashmiri galt als der wohl gefährlichste Kommandant Al-Kaidas in Pakistan. Er führte die Brigade 313, den operativen Arm des Terrornetzes, und war das wichtigste Bindeglied zwischen Al-Kaida und den Taliban. Sein Tod wäre wohl sogar noch mehr als der von Bin Laden ein schwerer Schlag für die Extremisten.

Brigade 313 bestätigt Tod

Die USA hatten ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar auf den Mann ausgesetzt, der als einer der möglichen Nachfolger Bin Ladens gehandelt wurde. Zunächst war jedoch noch nicht sicher, ob der 47-jährige tatsächlich unter den Toten vom Freitag war, wie pakistanische Medien berichteten. Die Brigade 313, die auch unter dem Namen Harakat ul Dschihad Islami läuft, bestätigte zwar seinen Tod und drohte umgehend mit Rache. Die Echtheit des entsprechenden Faxes wurde aber noch geprüft.

Es sei zu 98 Prozent sicher, dass Kashmiri tot sei, sagte auch Pakistans Innenminister Rehman Malik. Aus Geheimdienstkreisen hieß es, auf jeden Fall seien zwei seiner engen Vertrauten, Amir Hamza und Mohammad Usman, bei dem Angriff gestorben. Dagegen äußerten sich die USA zunächst skeptisch.

Erst Osama bin Laden, und jetzt wahrscheinlich Ilyas Kashmiri: Über Jahre konnten Topterroristen offenbar in Pakistan untertauchen, doch nun geht es bei der Terroristenjagd auf einmal Schlag auf Schlag. Erst vor einer Woche hatte US-Außenministerin Hillary Clinton Islamabad eine Liste mit Namen der meistgesuchten Terroristen übergeben, auf der auch Kashmiri stand. Pakistan dürfte den USA unter der Hand Informationen darüber geliefert haben, wo Kashmiri zu finden war. Der Terrorist, dessen Markenzeichen sein schwarzer Wallebart und die Sonnenbrille waren, soll auch hinter der Ermordung der früheren Regierungschefin Benazir Bhutto stecken. Er gilt zudem als Drahtzieher der dreitägigen Terrorattacke in Mumbai im November 2008 mit 166 Toten, die Indien und Pakistan fast an den Rand eines Krieges brachte.

Auch Pakistan hat wohl ein Interesse daran, Kashmiri auszuschalten. Der vergangene Woche ermordete Journalist Saleem Shahzad hatte berichtet, dass Kashmiri und seine Leute hinter dem spektakulären Terrorangriff auf den Marine-Fliegerhorst in Karachi am 22. Mai steckten. Dabei hätten sie Hilfe von Insidern gehabt. Zwei Tage nach Erscheinen dieses Artikel wurde Shahzad zu Tode gefoltert.

Während einige den Geheimdienst ISI hinter dem Mord an Shahzad vermuten, glauben andere, dass Al-Kaida-Terroristen und ihre Sympathisanten aus dem ISI ihn töteten. Wenn letzteres stimmt, würde das auf einen brandgefährlichen Machtkampf im Sicherheitsapparat hinweisen.

Der Tod von Bin Laden und weiterer Terrorführer könnte Pakistans Militär polarisieren. Shahzad hatte berichtet, dass Al-Kaida versucht, die Streitkräfte zu unterwandern.

Wo ist Mullah Omar?

Die USA und Pakistan wollen weitere Terrorführer ins Visier nehmen. Afghanistan hatte gestreut, dass sich der einäugige Taliban-Chef Mullah Omar bereits in Händen des ISI befinde. Einige glauben, dass die USA ihn als Verhandlungspartner für Friedensgespräche in Afghanistan brauchen und er unbeschadet bleiben wird.

Andere vermuten, dass er – tot oder lebendig – auf Eis gelegt wird, bis man ihn als Trophäe dem westlichen Publikum präsentiert. Die Rolle als Verhandlungspartner für die USA würde dann ein anderer Talibanchef übernehmen, womöglich einer, der Pakistan genehm ist.

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