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Dresden Pegida-Attentäter ist geständig

Niko K. gibt vor Gericht zu, 2016 eine Sprengvorrichtung vor Dresdens Fatih-Camii-Moschee abgestellt zu haben. Angeblich war er schockiert, als er erfuhr, dass er Menschen in dem islamischen Gotteshaus gefährdet hatte.

Dresden
Anderthalb Jahre nach dem Anschlag erstrahlt die Dresdner Fatih-Camii-Moschee in frischem Türkis. Vergessen ist noch nichts. Foto: dpa

Im Prozess um die Sprengstoffanschläge auf eine Moschee und ein Kongresszentrum in Dresden hat der Angeklagte am Montag ein Geständnis abgelegt. Der 31-Jährige Nino K. gab schon am zweiten Verhandlungstag zu, am 26. September 2016 vor der Fatih-Camii-Moschee selbstgebaute Rohrbomben in einem Eimer mit brennbaren Stoffen abgestellt und mit Hilfe einer Zeitschaltuhr gezündet zu haben.

Bei der Explosion wurde das Gebäude beschädigt, aber niemand verletzt oder getötet. Der Imam und seine Familie kamen mit dem Schrecken davon. Ein Mordversuch, den ihm die Dresdner Staatsanwaltschaft vorwirft, sei das aber nicht gewesen, wandte der Angeklagte im Dresdner Landgericht ein. „Ich wollte nur ein Zeichen setzen“, las er aus einem zuvor verfassten Text vor. Nachfragen dazu seitens des Gerichts wollte er nicht beantworten.

„Ich hatte nie vor, Menschen zu verletzen oder gar in die Gefahr des Todes zu bringen“, behauptete K. Nach seiner Darstellung sollte es nur einen weithin sichtbaren Feuerball und dazu einen lauten Knall geben. Er habe kein Licht von innen gesehen und sei damals davon ausgegangen, dass sich keine Menschen in dem Moscheegebäude im Dresdner Stadtteil Cotta befanden. Er sei sogar schockiert gewesen, als er später mitbekommen habe, dass die Familie des Imams da gewesen sei, als er die Bombe zündete. „Ich möchte deutlich sagen, dass ich die Tat bereue.“ Im Gefängnis habe er nun genug Zeit gehabt, darüber nachzudenken. Er werde so etwas nicht noch einmal tun, beteuerte K.

Ein Bengalo von 4,6 Kilo

Der Angeklagte, der zuvor als Redner auf fremdenfeindlichen Pegida-Kundgebungen aufgefallen war, gestand auch den versuchten Anschlag auf das Dresdner Kongresszentrum am Elbufer nur eine Stunde nach der Explosion an der Moschee, ohne aber auf Details oder sein spezielles Motiv für dieses Verbrechen näher einzugehen.

Ein 4,6 Kilo schweren Spreng- und Brandsatz, den die Kriminalpolizei zweieinhalb Monate später nach der Verhaftung des Angeklagten in K.s Wohnung fand, war nach dessen Angaben aber kein Sprengsatz, sondern sollte an Sylvester 2016 als bengalisches Feuer abgebrannt werden. Er habe sich alle Zutaten legal im Internet besorgt. Es sollte „eine Art Feuerwerk“ werden, so der Angeklagte. „Mir war nicht klar, dass das verboten ist.“

Laut Staatsanwaltschaft hat sich der Mann die Moschee bewusst als Anschlagsort ausgesucht. Sie lag nur wenige hundert Meter von seiner Wohnung entfernt. Die Zeitung „Neues Deutschland“ wies darauf hin, dass der 26. September der Jahrestag des rechten Anschlags auf das Oktoberfest 1980 war. Damals war die Bombe, die 13 Menschen das Leben kostete und mehr als 200 verletzte, fast zur gleichen Uhrzeit detoniert

Der 31-Jährige ist laut Staatsanwaltschaft ein „bekennender Anhänger“ der Pegida-Bewegung, in der er sich auch radikalisiert habe. Er hatte zuvor gestanden, noch zwei weitere Sprengsätze gebaut zu haben, die er aber –laut Staatsanwaltschaft – aus Angst vor Entdeckung nicht eingesetzt habe. Sie wurden später in der Elbe und der Weißeritz gefunden. Nino K. wurde durch Hinweise und DNA-Spuren überführt und im Dezember 2016 auf einer Baustelle in Hessen festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Das Urteil soll Anfang April fallen.

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