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Anschlag in Ankara Türkische Regierung beschuldigt PKK

Nach dem Anschlag in der türkischen Hauptstadt verdächtigt die Regierung die verbotene Kurdische Arbeiterpartei. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan schwört erneut, den Terrorismus „in die Knie zu zwingen“.

Eine trauernde Mutter beim Begräbnis ihres Sohnes. Foto: AFP

Nach dem erneuten verheerenden Autobomben-Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara richtet sich der Verdacht der Regierung auf die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK. Die Ermittlungen sollen sich auf eine Kurdin aus der ostanatolischen Stadt Kars und einen Mann konzentrieren, die beide Verbindungen zur PKK hätten. Das sagten Vertreter türkischer Sicherheitsbehörden der Nachrichtenagentur Reuters. Auch Ministerpräsident Ahmet Davutoglu erklärte, es gebe „konkrete Informationen über die Terrororganisation, die diesen feigen Angriff ausgeführt hat“. Erst nach Abschluss der Ermittlungen werde aber ein Ergebnis mitgeteilt. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan schwor erneut, den Terrorismus „in die Knie zu zwingen“. Der Anschlag wurde international verurteilt.

Wegen einer direkt nach dem Anschlag verhängten Nachrichtensperre fließen Informationen nur spärlich. Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoglu sagte am Montag, unter den insgesamt 37 Toten sei mindestens ein Selbstmordattentäter. 71 der mehr als 120 Verletzten würden weiter in Krankenhäusern behandelt, 15 davon auf der Intensivstation. Nach Berichten türkischer Zeitungen fuhren die Selbstmordattentäter am Sonntagabend einen mit TNT beladenen weißen BMW zwischen zwei voll besetzte Linienbusse am Kizilay-Platz im Zentrum von Ankara und sprengten sich in die Luft. Es ging ihnen offenbar darum, möglichst viele Menschen zu töten, denn der Platz ist um diese Zeit voller Familien mit Kindern, die den angrenzenden Park und die zahlreichen Geschäfte der Umgebung besuchen. Die US-Botschaft hatte ihre Staatsbürger erst am Freitag vor einem drohenden Anschlag in der Gegend gewarnt. Am Montag teilte die Botschaft mit, dass ihre Informationen von den türkischen Behörden stammten.

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurden am Montag bei Anti-Terror-Einsätzen gegen die PKK in Istanbul und weiteren Städten 79 Verdächtige festgenommen, darunter vier Personen in der südtürkischen Stadt Sanliurfa, wo der BMW gekauft worden war. Unterdessen flog die Luftwaffe Angriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak. In der kurdisch geprägten Südosttürkei verhängte die Regierung erneut Ausgangssperren über drei Städte, um dort gegen die Jugendorganisation der PKK vorzugehen. In den Städten Nusaybin und Yüksekova wurden zahlreiche Panzer und Zehntausende Sicherheitskräfte eingesetzt und nach Armeeangaben am Montag insgesamt 19 PKK-Kämpfer getötet. Während der massiven Militäroperationen in Städten an der Grenze zu Syrien sind in den vergangenen Monaten Hunderte Menschen ums Leben gekommen, nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen auch zahlreiche Zivilisten. Zehntausende Menschen sind vor der Gewalt geflohen.

Der Terrorangriff vom Sonntag ist der dritte ähnliche Anschlag in Ankara in den letzten fünf Monaten. Erst vor knapp einem Monat hatte in Ankara ein Selbstmordattentäter ebenfalls eine Autobombe gezündet und 29 Menschen mit in den Tod gerissen. Zu dieser Tat bekannte sich die PKK-Abspaltung Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) als Rache für die Militäreinsätze gegen Kurden. Die TAK hatte damals weitere Anschläge angekündigt, die sich vor allem gegen touristische Einrichtungen richten sollten. Schnelle Schuldzuweisungen seitens der Regierung müssen jedoch mit Vorsicht aufgenommen werden. Bei den vorhergehenden Anschlägen in Ankara hatten die Behörden zunächst falsche oder irreführende Angaben gemacht, die sie später korrigieren mussten. (mit rtr/dpa)

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