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Donald Trump und Wladimir Putin Zwei, die sich verstehen

1. UpdateDer US-Präsident und Russlands Staatschef finden in Helsinki zueinander. Putin sagt, Russland habe sich „nie“ in US-Wahlen eingemischt.

Donald Trump und Wladimir Putin
Händeschütteln bei der gemeinsamen Pressekonferenz: Donald Trump und Wladimir Putin. Foto: rtr

Moskaus erster Erfolg in Helsinki gehörte der vaterländischen Autoindustrie. Wladimir Putin fuhr nicht wie bisher in einem Pullman-Mercedes sondern in einer neuen Aurus-Limousine russischer Produktion vor, „ein Symbol des neuen russischen Stolzes“, wie ein Staats-TV-Reporter verkündete.

Andere Erfolge gab es beim ersten Gipfeltreffen zwischen Wladimir Putin und Donald Trump kaum zu feiern. „Erfolgreich und produktiv“, nannte Putin die Gespräche hinterher. Aber er und sein Gegenüber Donald Trump bezeichneten ihr Treffen auch als „offen und sachlich“, eine diplomatische Wendung dafür, dass es Streit gegeben hatte.

Und offenbar kam man sich bei den meisten Streitfragen nicht entscheidend näher. Putin stellte hinterher fest, er habe sich erneut zur angeblichen Einmischung russischer Geheimdienstler in die US-Wahlen äußern müssen. „Wir haben uns nicht eingemischt. Und wir haben nicht vor, uns einzumischen.“ Damit bewegte sich der russische Präsident auch in dieser Frage  keinen Millimeter. „Man kann niemanden glauben“, fügte Putin offenherzig hinzu. „Woher wissen sie, dass Präsident Trump mir glaubt, und dass ich ihm vollständig vertraue?“

Trump seinerseits erklärte Russland genauso offenherzig einen Gasexportkrieg: US-Flüssiggas werde künftig dem russischen Erdgas auf dem europäischen Markt ernsthafte Konkurrenz machen. Putin wiederum dozierte trocken, sein Kollege Trump halte den Anschluss der Krim für rechtswidrig, er aber nicht. „Für uns ist das Thema Krim geschlossen.“

Aber das Lächeln beider Präsidenten wirkte auf der Abschlusskonferenz nach den dreieinhalbstündigen Verhandlungen wesentlich gelöster als beim Ritual für die Presse zu Beginn des Treffens.

„Im Vorfeld haben Expertengruppen gearbeitet, es war also klar, dass man keine konkreten Ergebnisse plante“, sagte Aschdar Kurtow, Chefredakteur der Zeitschrift „Problemy Nationalnoi Strategii“ (Probleme der nationalen Strategie) der FR. Immerhin habe Präsident Putin zur umstrittenen Präsenz iranischer Streikkräfte in Südsyrien auf die UN-Resolutionen zu den Golan-Höhen verwiesen. „Und in diesen Resolutionen ist dort kein Platz für iranischen Streitkräfte.“ So habe der russische Präsident signalisiert, er sei mit den amerikanisch-israelischen Forderungen nach einer Sicherheitszone ohne iranische Kämpfer einverstanden.

Außerdem einigte man sich auf eine gemeinsame Kommission zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Während russische Vorschläge, Expertenkommissionen auch zur Abrüstung, zum Kulturaustausch und zu den bilateralen politischen Beziehungen zu bilden, offenbar ohne Antwort blieben. 

Die russische Öffentlichkeit aber ist diplomatische Siege gewöhnt. Schon zu Beginn des Treffens titelte der nationalistische Fernsehsender Zargrad: „Putin hat Trump geschlagen.“ Begründung: Man treffe sich in Helsinki, also fast in Russland, in einer Zeitzone mit Moskau. „Die USA haben die neue Realität anerkannt und demonstrieren ihre Bereitschaft mit Russland zu reden, dass sich von den Knien erhoben hat.“

Auch andere russische Beobachter bemühten sich um eine positive Einschätzung: „Der Kalte Krieg ist zu Ende“, verkündete der Politologe Alexei Muchin. „Barack Obama hat ihn angefangen, sein Nachfolger hat ihn beendet.“ 

Und Muchins Kollege Kurtow sieht trotz fehlender Ergebnisse wichtige atmosphärische Fortschritte: Auch wenn beide Staatschef ihre Widersprüche immer wieder offen formulierten, hätten sie auf scharfe Antworten verzichtet. „Positiv ist auf jeden Fall, dass sie dreieinhalb Stunden miteinander geredet und die gegenseitigen Positionen in vielen wichtigen Fragen geklärt haben.“ Die nächsten Monaten würden zeigen, ob es wirklich eine Entwicklung zum besseren gibt. „Aber ich hoffe, mit diesem Gipfel sind die amerikanisch-russischen Beziehungen über den toten Punkt hinweggekommen.“ 

„Im Ganzen bin ich mit unserem ersten Treffen zufrieden“, sagte Putin. „Donald Trump und ich haben gut geredet.“ Ein diplomatischer Durchbruch klingt anders. Aber es war auch kein Reinfall. Putin schenkte zum Schluss Trump einen WM-Fußball, mit den Worten: „Jetzt ist der Ball in Ihrer Hälfte.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Russland

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