Lade Inhalte...

Donald Trump Trumps Verbindungen zur Mafia

Der Biograf des Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner zeigt dessen Kooperationen mit Kriminellen auf. Der New Yorker Journalist bezeichnet den Trump-Tower als „Monument für die Mafia“.

26.07.2016 10:52
Sebastian Moll
Donald Trump mag pompöse Inszenierungen. Foto: reuters

Donald Trump liebt es pompös, das weiß jeder, der einmal einen seiner überkitschten Prunkbauten In Atlantic City oder New York betreten hat. Und so war es auch keine Überraschung, als Trump im vergangenen Sommer die Bekanntgabe seiner Präsidentschafts-Kandidatur inszenierte wie einen Revue-Auftritt in Las Vegas.

Trump kam vor der versammelten Presse und einer handverlesenen Prominenz die vergoldete Rolltreppe im Atrium seines Lieblings-Prestigeobjekts, des Trump Tower an der Fifth Avenue, herunter geschwebt. Im Hintergrund gurgelten die künstlichen Wasserfälle, die vier Stockwerke tief den dunklen sizilianischen Marmor der Halle hinunterstürzen. Die Kulisse war nicht nur ein Beleg Donald Trumps‘ fragwürdigen Geschmacks. Der Trump Tower an der Fifth Avenue, bis heute Hauptquartier von Trumps Kampagne sowie Lieblingswohnsitz des Milliardärs ist ebenso ein Sinnbild für den vollkommenen Mangel an Seriosität des Kandidaten, für seine Halbseidenheit und für seinen Hang zur Korruption.

Der New Yorker Journalist Wayne Barrett schreibt in seiner Donald Trump Biografie „Trump: The Greatest Show on Earth“, dass der Trump Tower ein „Monument für die Mafia“ ist. Ohne Trumps enge Kooperation mit der organisierten Kriminalität, wäre der vergoldete Wolkenkratzer an New Yorks feinster Adresse niemals gebaut worden. Zudem sind prominente Halbweltfiguren einige der prominentesten und ältesten Bewohnern des Turms, der dem gediegeneren New Yorker Establishment von Anfang an ein Dorn im Auge war.

Dass der glitzernde Turm zwischen der St.Patricks Kathedrale und den altehrwürdigen Zikkuratbauten der Fifth Avenue aus dem frühen 20. Jahrhundert als Monument des organisierten Verbrechens gilt, ist alleine schon an seinem Baumaterial abzulesen. Donald Trump entschied sich dafür, den Luxus Wohn- und Einkaufstempel aus Beton bauen zu lassen, obwohl Stahl leichter und billiger gewesen wäre. Die Wahl von Beton hatte für Trump trotz der Kosten deutliche Vorteile. Die Betonbranche in New York, sowohl auf der Gewerkschaftsebene als auch auf der Ebene der Baubetriebe, war seinerzeit fest in der Hand der Mafia. Mithilfe guter Verbindungen zur Mafia konnte Trump auf diese Art eine reibungslose und rasche Fertigstellung des Baus sichern.

Laut Barretts Recherchen fiel die Entscheidung für den Beton nicht zuletzt aufgrund Trumps besonderer Verbindungen zu Gewerkschaftsboss John Cody. Cody wanderte 1983 für mehrere Jahre wegen seiner Mafia-Verbindungen ins Gefängnis. Während der Untersuchungen gegen ihn wurde auch Donald Trump zum Verhör vorgeladen. Ihm wurde vorgeworfen, er habe Cody im Gegenzug für einen streikfreien Bauverlauf eine Wohnung im Trump Turm für eine Mätresse zugesichert.

Man konnte Trump die Absprache niemals nachweisen, er verweigerte die Aussage. Barrett fand jedoch heraus, dass Trump für die Gesellschaftsdame Verina Hixon ein Apartment in seinem neuen Palast baute. Cody investierte 500 000 Dollar in das Apartment, als die Restfinanzierung ausging, räumte Trump ihr eine Vorzugshypothek ein. Bekannte und Freunde berichten, Cody sei im Trump Tower, wo Trump und Hixon Penthouse-Nachbarn waren, ein und ausgegangen, die Beziehungen zwischen Trump und Cody seien freundschaftlich gewesen.

Die Verhandlungen zwischen Cody und Trump liefen jedoch über Trumps Anwalt, Roy Cohn, ein Mann mit bekannten Halbwelt-Verbindungen. So vertrat Cohn während der 70er und 80er Jahre berüchtigte Mafia-Figuren wie Nick Auletta und Tony Salerno. Cohn handelte auch die Verträge zwischen den Beton-verarbeitenden Firmen und Trump aus. Einer von ihnen war Dic Underhill, der die Trump-Verträge an Carmine Persico weiter verkaufte – den Bruder des Chefs des berüchtigten Mafia-Klans Colombo. Im großen New Yorker Mafia Prozess von 1987, der den Genovese Klan zu Fall brachte, trat Underhill als Kronzeuge auf.

Barrett kommt in seinem Buch zudem Schluss, dass Trump sich in seinen Machenschaften mit dem Beton-Kartell wohl streng juristisch gesehen, nichts hat zu schulden kommen lassen. Andere New Yorker Bauherren, hätten sich jedoch offen gegen die Beton-Mafia gestemmt, während Trump damals mehr als willig mit ihnen ins Bett gesprungen sei.

Doch die dubiosen Vorgänge um den Trump Tower waren mit den Beton-Verträgen noch lange nicht zu Ende. Trumps halbseidene Praktiken begannen bereits mit der Art und Weise, wie er die Stadt dazu brachte, für sein Projekt die Baubestimmungen zu beugen. So stimmte im zuständigen Baugremium der Politiker Daniel Manes für Trump, dessen Schwager Bill Warren daraufhin den Zuschlag für die Beleuchtung des Wolkenkratzers bekam. Wenige Jahre später beging Manes Selbstmord, weil er unter Korruptions-Anklage stand.

Bevor die Bauten überhaupt nur begannen wurde indes eine Untersuchung gegen Trump eingeleitet, weil er für die Aufräum-Arbeiten des Grundstücks illegale polnische Wanderarbeiter beschäftigte. Der Importeur der Arbeiter-Truppen wurde von der Staatsanwaltschaft zu mehreren Monaten Gefängnis und einer 10 000 Dollar Geldstrafe verurteilt.

Als der Trump Palast dann 1981 fertig gestellt war, standen die Kriminellen und Halb-Kriminellen bereits Schlange, um in den Kitsch-Tempel einzuziehen, der sicher auch ihrer Vorstellung vom schöneren Wohnen entsprach. So hatte der Haitianische Diktator Baby Doc Duvalier hier eine Wohnung. Chuck Blazer, der Fifa-Vorstand im Zentrum des globalen Fußballskandals hatte ebenfalls ein pied-à-terre hier. Ihr Nachbar war Felix Sater, Sohn eines russischen Mafioso, der wegen der Teilnahme an einem 40 Millionen Dollar schweren Börsenbetrugs verurteilt wurde.

In einem traditionellen politischen und medialen Zusammenhang würden diese Vorgänge und Verbindungen einen Kandidaten für ein hohes politisches Amt disqualifizieren. Doch an diesem Kandidaten und diesem Wahlkampf ist nichts traditionell und konventionell. Und so werden auch diese Enthüllungen bei Trumps Anhängerschaft ungehört verhallen. Oder wie so vieles andere mit Gleichgültigkeit aufgenommen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen