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Donald Trump Ein Rassist in Rage

Trumps „Drecksloch“-Beleidigung empört die Welt – und begeistert seine ultrarechte Basis. Nebenbei könnte sein Wüten zu einer Zahlungskrise der Regierung führen.

New York City
Einwandererinitiativen in New York protestieren gegen Trump. Foto: afp

Don Lemon redete nicht lange um den heißen Brei herum. „Willkommen bei CNN“, eröffnete der prominente afroamerikanische Moderator am späten Donnerstagabend seine tägliche Polit-Talkshow: „Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist ein Rassist.“ Nach einer kurzen Pause setzte er zu einer so ruhigen wie gnadenlosen Abrechnung mit der „widerlichen Bemerkung“ von Donald Trump an: „So ist er. So denkt er. Ich würde gerne andere Wörter benutzen, aber wir sind im Fernsehen.“

Nicht im Fernsehen, sondern hinter verschlossenen Türen im Weißen Haus hatte Donald Trump am Mittag seine Zunge deutlich weniger im Griff gehabt. Bei einem Treffen mit einer Gruppe republikanischer und demokratischer Senatoren und Kongressabgeordneter geriet der Präsident nach Teilnehmerangaben in Rage: „Warum lassen wir all diese Menschen aus Dreckslöchern herkommen?“ Konkret meinte Trump Haiti, El Salvador und afrikanische Nationen. Die USA sollten stattdessen mehr Menschen aus Ländern wie Norwegen aufnehmen: „Warum brauchen wir mehr Haitianer? Werft sie raus!“

Kein einmaliger Ausrutscher von Trump

So unglaublich die Entgleisung für den Präsidenten einer Einwanderernation klingt – es war kein einmaliger Ausrutscher. Kurz vor Weihnachten hatte die „New York Times“ berichtet, dass Trump bei einem Kabinettstreffen im Juni erklärt habe, alle Haitianer hätten Aids und die Einwanderer aus Nigeria würden „nie mehr in ihre Hütten zurückgehen“. Damals hatte das Weiße Haus hart dementiert. Doch jetzt gibt es wohl zu viele Zeugen. Erst ging Trumps Pressestelle stundenlang auf Tauchstation. Dann twitterte der Präsident: „Ich habe nie etwas Abfälliges über Haitianer gesagt, außer dass Haiti offensichtlich ein armes und notleidendes Land ist.“

Die USA jedenfalls sind ein radikal gespaltenes Land, in dem das zivilisatorische Band mit jedem Tag dünner wird. Während die UN, die Demokraten und auch einige Republikaner Trumps Äußerungen empört verurteilten, erhielt der Präsident von seiner rechten Basis offene Unterstützung. Wer am Donnerstagabend vom Nachrichtenkanal CNN auf den rechten Sender Fox umschaltete, konnte verfolgen, wie sich die Talkmasterin Laura Ingraham wild über die Demokraten ereiferte, die angeblich Drogenhändler und Mörder ins Land locken. Ihr Studiogast war die Ultrarechte Ann Coulter. Offenbar versuche Trump, sie als Unterstützerin zurückzugewinnen, frohlockte sie: „Aber er hätte nicht von Drecksloch-Ländern sprechen sollen. Ein bisschen Respekt sollte schon sein. Es sind Drecksloch-Nationen.“

Auch im Weißen Haus gaben Public-Relations-Leute hinter vorgehaltener Hand zu, über die beleidigende Wortwahl gar nicht so traurig zu sein, weil sie die rechte Basis elektrisiere. Tatsächlich hatte Trump im Wahlkampf massiv Stimmung gegen Einwanderer gemacht.

Die amerikanische Zivilgesellschaft drängt darauf, den von Trumps Vorgänger Barack Obama geschaffenen Schutzstatus für die 700.000 Kinder illegaler Einwanderer zu verlängern, der von März an ausläuft. Mehr als 100 Vorstandschefs von US-Firmen hatten am Donnerstag in einer ganzseitigen Anzeige in der „New York Times“ ein Bleiberecht für die 700.000 gefordert.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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