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Donald Trump Der pöbelnde Oberbefehlshaber

US-Präsident Donald Trump macht sich beim Militär unbeliebt – mit Sprüchen im TV und seinen Befehlen.

USA
Sitzen fest: US-Soldaten an der Grenze zu Mexiko. Foto: afp

Der Präsident fand allerlei Ausreden, warum er es während der ersten beiden Amtsjahre nicht ein einziges Mal schaffte, amerikanische Soldaten in Einsatzgebieten zu besuchen. Er wolle nicht mit Missionen in Verbindung gebracht werden, die er für gescheitert halte, lautet eine Erklärung. Darüber hinaus klagte er über „die langen Flüge“ nach Irak oder Afghanistan. Der ausschlaggebende Grund scheint laut „Washington Post“ aber ein anderer zu sein: Donald Trump hat Angst um sein eigenes Leben.

Das Blatt berichtet unter Berufung auf einen ehemaligen hohen Mitarbeiter des Weißen Hauses, Trump sei „nicht interessiert, dorthin zu reisen“. Er habe in Gesprächen seine Bedenken geäußert, Gebiete mit Kampfhandlungen zu besuchen. „Er fürchtet sich vor diesen Situationen. Er hat Angst, dass Leute ihn töten werden.“ Damit unterscheidet sich der Liebhaber von Militärparaden und „Commander-in-Chief“, der sich selber einmal als „die militaristischste Person aller Zeiten“ bezeichnet hatte, von allen seinen Vorgängern.

Dwight D. Eisenhower besuchte Truppen in Korea. Lyndon D. Johnson wagte sich nach Vietnam. Bill Clinton reiste nach Bosnien und Kosovo. George W. Bush überraschte Soldaten in Irak am Thanksgivings-Tag und Barack Obama zeigte mehrfach seine Solidarität mit den Truppen in Irak und Afghanistan, obwohl auch er ein Gegner beider Kriege war.

„Es geht um die Soldaten, Sir“, erinnerte Fox-Moderator Chris Wallace den Präsidenten in einem Interview am Sonntag an seine Verantwortung. Trump setzte stattdessen seine Angriffe auf Admiral William McRaven fort; ein Veteran, der die erfolgreiche Kommandoaktion gegen Osama Bin Laden befehligte. „Wäre es nicht schön gewesen, wenn wir Osama Bin Laden eher gefangen hätten?“, ätzte er gegen den nach 37 Jahren im Dienst pensionierten Admiral, der es gewagt hatte, Trumps Angriffe auf Journalisten als „Volksfeinde“ und die freien Medien insgesamt als „größte Bedrohung für unsere Demokratie“ zu kritisieren.

McRaven sei ein „Hillary-Clinton-Fan“ und „Barack-Obama-Unterstützer“ gewesen, ventilierte Trump. Tatsächlich hielt sich der Admiral im Wahlkampf zurück. Seine Leistungen sind über Parteigrenzen hinweg anerkannt. „Es gibt nur wenige Amerikaner, die mehr geopfert und riskiert haben“, sprang der republikanische Senator Marco Rubio, dem Mann zur Seite, der über Jahre an der Spitze der legendären „Navy Seals“ stand und auch eine entscheide Rolle bei der Festnahme des irakischen Diktators Saddam Hussein spielte.

Die Attacken Trumps erinnern an die gegen den verstorbenen Senator John McCain, der fünf Jahre lang Folter in Gefangenschaft der Vietcong überlebte. Oder die böswilligen Angriffen auf die Eltern eines im Irak getöteten Soldaten im Wahlkampf 2016. Nicht wenige im Militär verübeln dem Präsidenten zudem, die Gedenkfeierlichkeiten zum Ende des Ersten Weltkriegs auf dem Friedhof von Aisne-Marne vor Paris wegen schlechten Wetters geschwänzt zu haben. Nach Rückkehr in Washington lies er sich dann auch bei dem traditionellen Gedenken zum Veteranen-Tag auf dem Militärfriedhof Arlington nicht blicken.

Umso enthusiastischer spannte er das Militär in den zurückliegenden Wahlkampf ein. Er schickte Tausende Soldaten an die Grenze zu Mexiko, um die USA gegen eine erfundene „Invasion“ durch Einwanderer zu schützten. Seit dem Wahltag ist davon nicht mehr die Rede. Viele Soldaten ärgert es, an Thanksgiving an diesem Donnerstag von ihren Familien getrennt zu sein. Trump selbst verbringt den Feiertag übrigens beim Golfen in seinem Strandressort von Mar-a-Lago in Florida.

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