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Donald Trump Das Kabinett als Karussell

Der Exodus im Weißen Haus geht weiter. Kaum hat Donald Trump den Posten seines Stabschefs kommissarisch besetzt, muss der Innenminister seinen Hut nehmen.

Donald Trump
„Das ist ein großartiger Ort. Jeder möchte im Weißen Haus arbeiten“, behauptet Donald Trump regelmäßig. Foto: afp

Eigentlich müssten sich draußen Schlangen bilden. „Das ist ein großartiger Ort. Jeder möchte im Weißen Haus arbeiten“, behauptet Donald Trump regelmäßig. Doch tatsächlich drängt das Personal gerade massiv in die andere Richtung – aus der US-Regierung heraus. Kaum hat der Präsident nach verzweifelter Suche den Posten seines Stabschefs kommissarisch besetzt, da muss der Innenminister seinen Hut nehmen. Zwar sind die Hintergründe der Personalien unterschiedlich, doch die schwindelerregende Fluktuation verstärkt den Eindruck einer Verwaltung im Chaos.

Mehr als 35 Kabinettsmitglieder und Topberater haben seit dem Amtsantritt von Trump ihren Posten bereits freiwillig oder unfreiwillig geräumt. Vor einer Woche hatte Stabschef John Kelly seinen Abschied erklärt. Der ehemalige Marinegeneral hatte vergeblich versucht, Ordnung ins Weiße Haus zu bringen und seinen Chef intern als „Idioten“ bezeichnet. Der für die Verwaltung des bundeseigenen Landes und der Naturschutzgebiete zuständige Innenminister Ryan Zinke muss nun unter dem Druck zahlreicher Untersuchungen möglicher Amtsverstöße gehen. Der 57-Jährige ist unter anderem für einen anrüchigen Grundstücksdeal mit einer Ölfirma in seinem Heimatstaat Montana verantwortlich und soll Dienstfahrten für seine Ehefrau arrangiert haben. 

Mit Zinke gehe „eines der schlimmsten Mitglieder des Sumpfkabinetts“ von Trump, urteilte Chuck Schumer, der oberste Demokrat im Senat. Tatsächlich war Zinke auch das Gesicht des umweltpolitischen Rollbacks der Trump-Regierung. Er lockerte viele Auflagen aus der Zeit von Ex-Präsident Barack Obama und erlaubte Öl- und Gasbohrungen auf öffentlichem Grund. Sein Fall erinnert an den ehemaligen Chef der Umweltbehörde EPA, Scott Pruitt, der über einen Korruptionsskandal stolperte. US-Medien rechnen aber nicht mit einem umweltpolitischen Kurswechsel: Der Stellvertreter von Zinke ist ein ehemaliger Öllobbyist. 

Während die Nachfolge des Innenministers offen ist, wurde Trump beim wichtigen Posten des Stabschefs vorläufig fündig: Den Job soll kommissarisch sein derzeitiger Budgetchef Mick Mulvaney machen, ein ultrakonservativer Ex-Kongressabgeordneter aus South Carolina. Wie Trump spielt der 51-Jährige gut Golf. Bei der Sanierung des Haushalts war er weniger erfolgreich: Das Defizit kletterte zuletzt auf 779 Milliarden Dollar und damit den höchsten Stand seit 2012. 

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