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Donald Trump Alles außer Kontrolle

Erst wirft Donald Trump seinem Vorgänger vor, die Hinterbliebenen gefallener Soldaten nicht persönlich anzurufen. Dann greift er selbst zum Hörer - das Ergebnis: ein Fiasko.

US-Präsident
Donald Trump tritt die Flucht nach vorne an. Foto: BRENDAN SMIALOWSKI (AFP)

Der Präsident hätte sich einfach für die verspätete Beileidsbekundung entschuldigen können. Dann wäre ihm sehr viel Ärger erspart geblieben. Doch Donald Trump gesteht ungern Fehler ein.

Stattdessen hat er innerhalb weniger Tage Ex-Präsident Barack Obama diffamiert, seinen Stabschef John Kelly in Schwierigkeiten gebracht, eine Soldatenwitwe beleidigt und eine ziellose Debatte über die Ehrung gefallener Armeeangehöriger losgetreten, die in den USA als Helden gelten. Trumps Ausflüchte werden immer aberwitziger, und die heftige Auseinandersetzung droht außer Kontrolle zu geraten. 

Doch der Reihe nach: Als US-Medien vor ein paar Tagen kritisierten, dass sich Trump fast zwei Wochen lang nicht zum Tod von vier Soldaten bei einem Anti-Terror-Einsatz in Niger äußerte, trat der Präsident die Flucht nach vorn an. Er kündigte an, die Hinterbliebenen persönlich anzurufen und kritisierte, das hätten sein Vorgänger Barack Obama und auch andere Präsidenten oft versäumt. 

Trump: mitleidlos am Telefon

Sofort kam Widerspruch aus dem Obama-Lager. Dessen damaliger Justizminister Eric Holder warf Trump „verdammte Lügen“ vor. Das provozierte den Präsidenten, das erste Tabu zu brechen: Man solle seinen Stabschef einmal nach dessen persönlichen Erfahrungen fragen, unkte er vor Journalisten und schlachtete damit den Tod von Kellys Sohn 2010 in Afghanistan aus. Der als integer geltende Ex-General hat sich immer geweigert, über die familiäre Tragödie zu reden und schweigt auch dieses Mal. 

Als Nächstes rief Trump bei der schwangeren Witwe von Sergeant La David T. Johnson an, der in Niger ums Leben gekommen war. Eine demokratische Kongressabgeordnete, die das Gespräch über die Freisprechanlage verfolgte, war entsetzt. Sie berichtete, Trump habe nicht einmal den Namen des 25-jährigen Toten gekannt und ohne Anteilnahme erklärt: „Ihr Mann wusste, worauf er sich einließ, als er sich verpflichtete. Aber ich vermute, es tut trotzdem weh.“ 

Daraufhin sei die Witwe in Tränen ausgebrochen. Diese Darstellung stützt den Eindruck vieler Beobachter, die den narzisstischen Präsidenten für empathieunfähig halten, und befeuert die Debatte über dessen charakterliche Eignung für das Amt. 

Trump widersprach sofort: „Das habe ich nicht gesagt.“ Er habe vielmehr „eine sehr nette Unterhaltung mit der Frau gehabt“. Was er geäußert haben will, sagte er nicht. Trump-Sprecherin Sarah Sanders warf der Kongressabgeordneten vor, die Darstellung erfunden zu haben und das „heilige Ritual“ der Beileidsbekundung des Oberkommandierenden zu missbrauchen. Zugleich nahm sie abermals Stabschef Kelly in Anspruch und behauptete, dieser sei von dem Vorgang angeekelt. 

Doch dann meldete sich die Adoptivmutter des toten Soldaten zu Wort. „Ja, er hat diesen Kommentar gemacht“, bestätigte sie die Version der Kongressabgeordneten: „Präsident Trump hat respektlos über meinen Sohn gesprochen.“ 

Nun ruderte das Weiße Haus zurück. Man habe das Gespräch nicht aufgezeichnet, erklärte Sprecherin Sanders entgegen einer früheren Behauptung von Trump. Doch niemand könne bezweifeln, dass der Präsident „die größte Hochachtung für Männer und Frauen in Uniform hat“. Trump selbst hatte sich als junger Mann allerdings vom Militärdienst in Vietnam befreien lassen. 
Die Auseinandersetzung schlägt in den USA gewaltige Wellen. In der Zwischenzeit hat sich nun der Vater eines anderen gefallenen Soldaten mit einer befremdlichen Episode gemeldet.

Nachdem er sich frustriert über die Hinterbliebenenversorgung des Militärs geäußert hatte, habe ihn Trump im Sommer angerufen und ihm einen Scheck über 25 000 Dollar aus der eigenen Tasche versprochen. Das Geld blieb jedoch aus. Es wurde erst angewiesen, nachdem die „Washington Post“ am Mittwoch über den Vorfall berichtete. 

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier USA

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