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Dissidenten-Sohn Der Weg aus dem Pfarrhaus

Arne Lietz ist der Sohn eines DDR-Dissidenten. Sein Vater Heiko Lietz, ein evangelischer Pfarrer, machte im Frühjahr diesen Jahres auf sich aufmerksam. Er provozierte eine Debatte über einen anderen Pastor aus der DDR-Zeit - den heutigen Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Gertrudenkapelle in Güstrow, der Heimatstadt von Arne Lietz. Foto: dpa

Arne Lietz ist der Sohn eines DDR-Dissidenten. Sein Vater Heiko Lietz, ein evangelischer Pfarrer, machte im Frühjahr diesen Jahres auf sich aufmerksam. Er provozierte eine Debatte über einen anderen Pastor aus der DDR-Zeit - den heutigen Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Ein Schlüsselerlebnis, sagt Arne Lietz, sei das Jahr 1981 gewesen. Damals besuchte SPD-Kanzler Helmut Schmidt seine Heimatstadt Güstrow. Und weil Arne Lietz aus einem bürgerbewegten Elternhaus kam, erhielt Vater Heiko Lietz Hausarrest. Die Kinder erspähten die Schmidt-Limousine durch das Schneegestöber jenes Winters. Mehr Kontakt war nicht. Umso stärker ist nun die Erinnerung.

Heiko Lietz machte in diesem Frühjahr von sich reden. Der evangelische Pfarrer wies darauf hin, dass ein anderer Pastor namens Joachim Gauck keineswegs so offen gegen das DDR-Regime gestanden habe, wie mancher das vom Bundespräsidenten so gern glauben mag. Damit provozierte er eine breite Debatte.

Arne Lietz, Jahrgang 1976, ist freilich längst aus dem Schatten des Vaters herausgetreten. Er kandidiert 2013 für den Bundestag – für die SPD, wie einst Schmidt. Nebenher ist Lietz Teil der Bewegung „Dritte Generation Ost“. Sein Lebenslauf ist für sie typisch.

Die Schulzeit verbrachte er zu größeren Teilen in der DDR. Lietz war 13, als die Mauer fiel. Daheim erlebte er, wie allerlei aufmüpfige Intellektuelle das Haus bevölkerten, Politik wurde selbstverständlicher Teil des Lebens. Selbstverständlicher Teil des Denkens wurde die Überzeugung, dass Ideen die Welt zum Schwingen bringen können. Dabei grenzt sich Lietz von Helmut Schmidt ganz bewusst ab. Dieser hatte bekanntlich gesagt, wer Visionen habe, der solle zum Arzt gehen. Nein, erwidert der 36-Jährige, wer Visionen habe, der sei ein „wichtiger Impulsgeber“.

Sich selbst betrachtet Lietz längst als einen solchen. Getrieben von Verantwortungsethik und Aufstiegswillen, ging er nach dem Abitur zunächst in die USA, um bei Aktion Sühnezeichen Friedensdienste den Zivildienst zu machen. Später studierte Lietz Politik, Pädagogik und Zeitgeschichte unter anderem in Südafrika. Nach einer Zeit als Referent eines SPD-Bundestagsabgeordneten wurde er zur rechten Hand des Wittenberger Oberbürgermeisters Eckhard Naumann (SPD), Weggefährte des Star-Dissidenten Friedrich Schorlemmer.

Arne Lietz’ Biografie ähnelt der von Heiko Lietz. Der engagierte sich nach 1989 bei den Grünen. Der Vater wird im nächsten Jahr 70. Der Sohn hat den längeren Weg noch vor sich.

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