Lade Inhalte...

Diktator Karimow Neuer Staatschef in Usbekistan gesucht

Diktator Karimow, der das Land vor 25 Jahren in die Unabhängigkeit führte, ist laut Medienberichten gestorben. Trotz der ungeklärten Nachfolge erwarten Beobachter keine Instabilität.

Der usbekische Präsident Islam Karimow bei einem Interview am 30.03.2016 in Taschkent, Usbekistan. Foto: dpa

Diesen Donnerstag feiert Usbekistan ein großes Fest: seinen 25. Geburtstag als Nationalstaat. Am 1. September 1991 hatte die zentralasiatische Sowjetrepublik ihre Unabhängigkeit verkündet. Man wird die Feiern auch im Ausland gespannt verfolgen. Denn der Mann, der Usbekistan 1991 in die Unabhängigkeit führte und seither diktatorisch regierte, wird nicht mehr auf der Tribüne stehen und tanzen wie all die Jahre davor. Wer wird – wenn die Feier nicht ganz ausfällt – an seine Stelle treten?

Präsident Islam Karimow ist am Montag im Alter von 78 Jahren verstorben – so jedenfalls behauptet es die Nachrichtenagentur „Fergana.ru“ unter Berufung auf ungenannte Quellen. Eine offizielle Bestätigung fehlt. Eingestanden wurde aber, dass Karimow auf der Intensivstation liegt. Es ist das erste Mal überhaupt, dass eine Krankheit des Diktators bestätigt wurde.

Wie Karimows Tochter Lola in ihrem Instagram-Blog schrieb, hat Karimow am Samstag eine Hirnblutung erlitten. Zuvor hatte er nach Angaben der Exil-Gruppe „Volksbewegung Usbekistans“ an einem Empfang zu Ehren usbekischer Sportler teilgenommen, die von den Olympischen Spielen in Rio zurückkehrten.

Kein Machtkampf in Sicht

Trotz seines vorgerückten Alters hatte Karimow die Nachfolgefrage nicht geklärt. Als mögliche Kandidaten gelten Premierminister Schawkat Mirsijojew und Finanzminister Rustam Asimow. Söhne hinterlässt Karimow nicht. Seine ältere Tochter Gulnara – die als Glamour-Girl, Mode-Designerin und Pop-Sängerin auftrat und politische Ambitionen entwickelte – wurde 2014 vom Geheimdienst unter Hausarrest genommen. Die jüngere Tochter Lola lebt in Genf, wo sie das Land bei der Unesco vertritt.

Trotz der ungeklärten Nachfolge erwarten Beobachter keine Instabilität. „Ich sehe keine Anzeichen für eine Spaltung der Elite“, sagte der Moskauer Zentralasien-Experte Arkadi Dubnow der Frankfurter Rundschau. Eine organisierte Opposition gebe es wegen der harten Verfolgung ohnehin nicht. „Allerdings gab es im letzten halben Jahr mehr als zwei Dutzend Tote nach Vorstößen von Islamisten aus dem benachbarten Afghanistan.“

Auch Daniil Kislow von der Agentur „Fergana.ru“ glaubt nicht an einen Kampf der Clans nach Karimows Abgang. „Alle Macht im Staat gehört faktisch einem Geheimdienst, dem SNB“, kommentierte er im Moskauer Sender Life. „Er hat seine Wurzeln in alle Ebenen des Staates und der Wirtschaft getrieben.“ Premierminister Mirsijojew habe die besten Chancen auf die Nachfolge, weil er mit Geheimdienstchef Rustam Inojatow – einem 70 Jahre alten Freund des Präsidenten – sowie mit der mächtigen Ehefrau Karimows verbunden sei. Finanzminister Asimow, der als prowestlich gilt, habe weniger Chancen.

Grenzkonflikt mit Kirgistan

Karimow hatte Moskau gegenüber Distanz bewahrt. Anders als die Nachbarn Kasachstan und Kirgistan trat Usbekistan weder der von Putin propagierten Eurasischen Wirtschaftsunion noch der Organisation des Vertrags für Kollektive Sicherheit bei. Karimow suchte die Nähe zu China, dessen Präsident Xi Jinping im Juni im Taschkenter Parlament sprach. Außerdem stellte Usbekistan den Vereinigten Staaten und der Bundeswehr Stützpunkte für die Versorgung der Nato-Truppen in Afghanistan zu Verfügung.

Die Zusammenarbeit mit den USA brach Karimow ab, als Washington es wagte, ein Massaker seiner Sicherheitskräfte zu kritisieren; 2005 waren Hunderte Demonstranten in der Stadt Andischan erschossen worden. Die Menschenrechtslage ist katastrophal. Die Organisation Human Rights Watch zählt mehrere Tausend aus politischen oder religiösen Gründen Inhaftierte; Folter sei weit verbreitet.

Kompliziert wird die Nachfolgefrage durch wirtschaftliche Not und Spannungen in der Region. Die Überweisungen usbekischer Migranten aus Russland – neben Erdgas und Baumwolle die wichtigste Einnahmequelle des Landes – sind eingebrochen. Mit dem Nachbarn Kirgistan herrscht ein Grenzkonflikt. Und Kasachstan plagt das gleiche Probleme wie Usbekistan: Auch Präsident Nursultan – er ist zwei Jahre jünger als Karimow – hat seine Nachfolge nicht geklärt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen