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Diesel-Fahrverbote Mehr Busse, billigere Tickets

Fünf Modellstädte testen mit Geld aus Berlin, wie die Verkehrswende gelingen könnte.

Nahverkehr in Mannheim
Die Modellkommune Mannheim verdichtet das Busnetz und hat ein Konzept für den innerstädtischen Lieferverkehr entwickelt. Foto: imago

Ein toller Titel. „Sofortprogramm saubere Luft“ nannte die Bundesregierung im letzten November ihr Maßnahmenpaket, mit dem in den Städten die Belastung mit Stickoxiden und Feinstaub gesenkt werden soll.

Eine Milliarde Euro stellte sie dafür zur Verfügung, was viele Experten freilich für viel zu wenig halten, um flächendeckend in den von Diesel-Fahrverboten bedrohten Städten einen echten Umschwung herbeizuführen – und das auch noch „sofort“. Besser sieht es in den fünf „Modellkommunen“ aus, die der Bund im Rahmen des Programms speziell mit rund 130 Millionen Euro fördert. Hier könnte die überfällige „Verkehrswende“ tatsächlich in Schwung kommen.

Die Modellstädte sind Herrenberg, Reutlingen, Mannheim, Bonn und Essen – es geht also von der baden-württembergischen Kreisstadt mit ihren 31 000-Einwohnern bis zur NRW-Großstadt im Ruhrgebiet, in der fast 600 000 Menschen leben. Hauptziel in allen fünf Kommunen ist es, Busse und Bahnen attraktiver zu machen und so die Autofahrer dazu zu bringen, ihren Pkw stehen zu lassen. Sie wollen die Preise senken und das Fahrten-Angebot ausbauen. Doch es gibt noch eine Reihe weiterer Projekte vom neuen Radschnellweg bis zur Verkehrs-App, die das Nutzen der Verkehrsalternativen vereinfachen soll. Der Bund übernimmt dabei jeweils 95 Prozent der Kosten.

In der Kleinstadt Herrenberg, 30 Kilometer südwestlich von Stuttgart gelegen, sollen vor allem neue Busspuren an den Hauptverkehrsstraßen den ÖPNV schneller und attraktiver machen. Dafür müssen an mehreren Stellen auch Auto-Parkplätze weichen. Weitere Projekte, für die Herrenberg vier Millionen Euro Fördermittel des Bundes erhält, sind unter anderem ein dritter City-Bus und eine intelligente Verkehrslenkung, die das Tempo auf den zentralen Achsen auf 20 bis 40 Stundenkilometer herunterregelt. Damit soll das übliche „Stop-and-Go“ vermieden werden.

Die Kreisstadt Reutlingen, ebenfalls im Zentrum von Baden-Württemberg gelegen, steckt einen Großteil der Fördergelder von 19,2 Millionen Euro in eine neues, verdichtetes Stadtbusnetz – mit zehn neuen Buslinien und mehr als 100 zusätzlichen Haltestellen. Außerdem werden die ÖPNV-Preise verbilligt. Das Jahresticket soll künftig nur noch 365 Euro kosten, also nur einen Euro pro Tag; bisher sind 524 Euro fällig. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Verbesserung des Radverkehrs. So soll auf einer stillgelegten Bahnstrecke ein Fahrradweg gebaut werden. Diesel-Fahrer, die ihr Auto stehen lassen sollen gratis ein Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr bekommen.

Auch die Großstadt Mannheim im Nordwesten von Baden-Württemberg steckt den Großteil der Fördermittel von 28 Millionen Euro in Busse und Bahnen. So wird das Angebot an Buslinien auf einen Zehn-Minuten-Takt verdichtet, allerdings bewusst nicht auf Strecken, die durch die bereits hoch belastete Innenstadt, sondern direkt zu den großen Arbeitgebern wie der BASF führen.

Dies und eine „Job-Ticket-Initiative“ soll Autopendler zum Umsteigen bringen. Außerdem hat Mannheim ein neues Konzept für den innerstädtischen Lieferverkehr entwickelt – es sollen „Micro-Hubs“ entstehen, Umschlagplätze, von dem aus angelieferte Pakete mit elektrischen Lastenfahrrädern an den Kunden gebracht werden.

Erste Bilanz zum Jahresende

Bonn erhält mit 39 Millionen Euro den größten Anteil aus dem Fördertopf. Die Stadt arbeitet mit großen Arbeitgebern in der Regionen an einem „betrieblichen Mobilitätsmanagement“, damit mehr Fahrgemeinschaften gebildet werden oder Pendler ganz aufs Fahrrad oder in Busse und Bahnen umsteigen. Wie in Reutlingen wird auch hier das ÖPNV-Jahresticket nur noch 365 Euro kosten. Außerdem soll es künftig Fahrscheine für Familien zum Preis von Einzeltickets geben. Um den erwarteten Zustrom in Busse und Bahnen aufzufangen, verdichtet Bonn die Fahrtakte.

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