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„Die PARTEI“ Ganz realer Ärger

Wie die FR erfuhr, regt sich in der Satire-Partei „Die PARTEI“ ganz realer Unmut über den Vorsitzenden Martin Sonneborn. Leo Fischer, Ex-Titanic-Chefredakteur und Mitglied des Bundesvorstands, will Sonneborn entmachten.

Martin Sonneborn bekommt parteiinterne Konkurrenz. Foto: imago

Es ist ein symbolischer Ort: Leo Fischer, Mitglied des Bundesvorstands der „PARTEI“, hat die FR in die Kneipe „Henscheid“ im Frankfurter Stadtteil Bornheim gebeten. Das "Henscheid" und noch viel mehr dessen Vorgängerlokal „Klabunt“ sind die Stammkneipen der Frankfurter „PARTEI“-Mitglieder sowie der Titanic-Redaktion. Nun ist es im Vorstand der Partei zum Bruch gekommen und Fischer will Sonneborn als Bundesvorsitzenden entthronen. Wo ließe sich das besser verkünden als hier, im "Henscheid"?

Weil Fischer mit seinem „GröVaz“ (Größter Vorsitzender aller Zeiten), wie die Mitglieder den Vorsitzenden Sonneborn nennen, zunehmend unzufrieden geworden ist, sagt er nun erst einmal Sätze wie: "Es ist ja gerade bei kleinen Parteien sehr beliebt, sich zu zerlegen." Und: "Wir machen uns wirklich Sorgen um Martin."

Das klingt lustig. Der Hintergrund ist allerdings sehr viel ernster und realer als man es sich bei einem Satireprojekt hätte ausmalen können. Und es schien ja alles so gut zu laufen: Mittlerweile hat die Partei nach Angaben Fischers etwa 17 000 Mitglieder. Im Mai 2014 errang sie mit Lichtgestalt und Aushängeschild Sonneborn gar einen Sitz im EU-Parlament. Zudem sitzt mittlerweile eine beträchtliche Anzahl von "PARTEI"-Leuten in kommunalen Parlamenten. Mit den Mandaten kam allerdings auch der Ärger.

"Zunächst hieß es, dass in Brüssel rotiert wird", erklärt Fischer. Das Mandat sollte alle vier Wochen seinen Träger wechseln. Doch wegen juristischer Bedenken habe Sonneborn von seiner Ankündigung schnell Abstand genommen. "Obwohl unser Parteijurist der Ansicht war, dass man es darauf ankommen lassen sollte", wie Fischer sagt. Doch Sonneborn setzte sich im Bundesvorstand durch. Dann habe es geheißen, dass Parteileute ein gut dotiertes Praktikum in Brüssel absolvieren könnten. So sollte die juristische Hürde umgangen werden. Doch am Ende standen nur 1500 Euro monatlich. "Für ein Praktikum zwar gut, aber Brüssel ist teuer und anfangs war ja die Rede von deutlich mehr."

Sonneborn agiere total abgehoben

Als sich Sonneborn noch einige Mitarbeiter zur Seite stellte, war für Fischer und einige andere Mitglieder des Bundesvorstands das Fass übergelaufen. "Wir kommen überhaupt nicht mehr an Martin heran", sagt Fischer. Mit der Begründung des erhöhten bürokratischen Aufwands habe Sonneborn Leute aus seinem "Berliner Umfeld" um sich geschart. "Es gab keine Ausschreibung und Martin hat sich irgendwelche Kumpel ausgesucht." Statisten aus seinen Filmen und aus dem Berliner Landesverband seien zum Zuge gekommen. "Die anderen Landesverbände gingen völlig leer aus." Fischer wünscht sich, dass die zur Verfügung stehenden Gelder zu gleichen Teilen an die Landesverbände gingen. Denn: "Den Erfolg eines Parlamentssitzes in Brüssel haben wir allen Mitgliedern gleichrangig zu verdanken, und nicht nur Berlin." Konfrontiert mit dem Unmut habe Sonneborn entgegnet: "Ich brauche nur Berlin."

Nun reicht es Fischer. Auf dem nächsten Bundesparteitag, am 3. Oktober in Frankfurt, will er zur Wahl antreten. Es wäre das erste Mal, dass Sonneborn einen Gegenkandidaten hätte. Zu diesem Zweck hat Fischer die Kampagne "Chance 5000" ins Leben gerufen. Auf der gleichnamigen Homepage schreibt Fischer: "JEDES PARTEI-Mitglied könnte SOFORT um 5000 Euro reicher sein!" Und weiter: "Der bisherige Bundesvorsitzende M. Sonneborn ist leider vor kurzem verrückt geworden (wg. Europa) und rückt das Geld nicht raus. Hunderte Verbände warten auf Geld, Tausende Mitglieder leben in Armut. Statt für die eigenen Landsleute zu schaffen, trifft sich der Vorsitzende mit Pleite-Koreanern, verbrüdert sich mit Systemmedien und Gutpolitikern. Das eigene Land, bürgerliche Werte und Kopfrechnen zählen nicht mehr." Das Geld sei da, sagt Fischer. Es werde im Moment aber intransparent verteilt. Um seinem Anliegen noch mehr Druck zu verleihen, hat Fischer Anzeigen in der Titanic, die am Donnerstag erscheint, geschaltet.

Und wie findet Sonneborn all das? Wir erreichen ihn auf der Rückreise aus dem Sommerurlaub. Er will nur so viel sagen: "Das ist gut, das ist doch Demokratie." Er finde es schön, wenn es junge Männer gebe, die nach oben wollen. Und vielsagend schiebt er nach: "Das ist eine Art Röhm-Putsch, mal sehen wie das ausgeht."

Fischer lässt noch wissen, dass er menschlich enttäuscht sei. Mittlerweile habe nichts mehr, was Sonneborn mache, etwas mit der "PARTEI" zu tun. Es scheint als sei die Satire-Partei vollends in der Realität angekommen.

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