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Deutsche Bahn Mehr als ein Dutzend Kabelbrände

3. Update In der Nacht zum Montag brennen an 13 Stellen in mehreren Bundesländern Steuerungskabel der Bahn. Die Polizei spricht von Anschlägen und blickt ins „extremistische Spektrum“. Inzwischen liegt ein Bekennerschreiben vor.

Deutsche Bahn
Kabelbrände behindern den Fernverkehr der Bahn. Foto: rtr

Der Fernverkehr der Deutschen Bahn startet mit vielen Verspätungen und vollen Zügen in die neue Woche. Der Grund: An vielen Gleisen in Deutschland brannten in der Nacht wichtige Kabel zur Steuerung der Strecken. Die Berliner Polizei berichtet von 13 Stellen in mehreren Bundesländern.

Die Ermittler gehen von Brandanschlägen aus. Sie suchen die Täter im „extremistischen Spektrum“. In vielen Fällen übernahm der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz der jeweiligen Kriminalpolizei die Untersuchungen.

Auf der Webseite Indymedia.org reklamiert eine Gruppe mit dem Namen „Shutdown G20 – Hamburg vom Netz nehmen!“ die Urheberschaft für sich. Am 7. und 8. Juli treffen sich in Hamburg die Staats- und Regierungschefs aus den führenden Industrie- und Schwellenländern sowie Vertreter der EU, kurz G20.

In der Stellungnahme heißt es: „Heute Morgen haben wir die Kabelstränge entlang mehrere Hauptstrecken der Bahn in Brand gesetzt.“ Die Bahn nutze die Kabelkanäle neben den Gleisen nicht nur für die interne Signalübermittlung, sondern vermiete die Schächte auch an andere Datennetz-Betreiber. „Wir unterbrechen die alles umfassende wirtschaftliche Verwertung.“

Die Berliner Polizei sagte, das Schreiben sei ihr bekannt. Es werde jetzt geprüft. Noch sei es zu früh zu sagen, ob die Stellungnahme authentisch sei. Aus Sicherheitskreisen hieß es, das mutmaßliche Bekennerschreiben passe ins Raster. Indymedia versteht sich als offene Plattform zur freien Verbreitung von Informationen. In der Vergangenheit waren dort im Zusammenhang mit Bekennerschreiben zu Straftaten aber auch Fälschungen aufgetaucht.

Gebrannt hat es unter anderem in Berlin, Hamburg, Köln, Dortmund, Leipzig und Bad Bevensen in Niedersachsen. Besonders betroffen ist der Zugverkehr bei Leipzig, Hamburg und zwischen Bochum und Dortmund. Auch in Bremen habe es eine mutmaßliche Brandstiftung gegeben, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Hannover.

Im Raum Leipzig wurden nach Angaben der Bundespolizei seit 2.40 Uhr Brandanschläge auf Kabelschächte und elektronische Stellwerke verübt. „In einigen Fällen konnten Brandvorrichtungen unschädlich gemacht werden, bevor sie Schaden anrichteten“, sagte ein Sprecher. Zudem sei mit einem Hubschrauber aus der Luft nach weiteren Brandorten gesucht worden. 

In Hamburg gab es zwei Brände an Zuggleisen, im Stadtteil Eidelstedt und im Bereich Höltigbaum brannten Kabel neben den Gleisen. Der Zugverkehr auf der Strecke Hamburg-Lübeck war unterbrochen. Die Störung werde vermutlich den ganzen Tag dauern.

Auswirkungen sind nahezu bundesweit zu spüren. Am ICE-Knoten Mannheim beispielsweise waren am Morgen Fernzüge bis zu zwei Stunden später, die verkehrenden Züge überfüllt. Auf den Bahnsteigen warteten teils so viele Menschen, dass folgende Reisende am Ende der Rolltreppen nicht mehr wussten wohin.

Beschäftigte der Bahn zeigten in Mannheim exzellentes Krisenmanagement: Sie dirigierten die Wartenden laut rufend und heftig gestikulierend über den Bahnsteig und riefen den Kunden, viele mit Koffern auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen, hilfreiche Hinweise zu den aktuell nächsten Zügen zu. (mit Agenturen)

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Deutsche Bahn

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