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Der Fall Mesut Özil Reinhard Grindel wird noch gebraucht

Der DFB benötigt seinen Präsidenten Reinhard Grindel im Wahlkampf um die EM 2024.

Reinhard Grindel
Muss für sein Amt jetzt was reißen: DFB-Präsident Grindel. Foto: Andreas Arnold (dpa)

An öffentlichen Ratschlägen zu seiner beruflichen Zukunft mangelt es Reinhard Grindel dieser Tage nicht, und würde er sich all die Ratschläge zu Herzen nehmen, er würde sich flugs zurückziehen von seinem Präsidentenamt beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Grindel, 56, schwer unter Druck geraten im Fall des zurückgetretenen Nationalspielers Mesut Özil, der ihm persönlich „Inkompetenz und Unfähigkeit“ und rassistische Tendenzen unterstellte, solle sein Amt niederlegen, hatten die Bundestagsabgeordneten Renate Künast, Omid Nouripour (beide Grüne) und Frank Schwabe (SPD) gefordert. Grünen-Politiker Cem Özdemir forderte den DFB-Boss auf, „sich kritisch zu hinterfragen, ob er noch der richtige Mann für dieses Amt ist“.

Grindel wird all die Stimmen hören, während er mit der DFB-internen Aufarbeitung des hochexplosiven Falls Özil beschäftigt ist, der längst auch ein Fall Grindel ist. Wahrscheinlich ist, dass der Fußballfunktionär sich dann in Bälde mit einem persönlichen Statement äußern wird zu seinem umstrittenen Umgang mit der Diskussion um die Özil-Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Bislang hat sich der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete hinter dem Statement des DFB versteckt, mit dem das Verbandspräsidium am Montag Özils Rücktritt bedauerte und Rassismus-Vorwürfe von sich wies. Grünen-Chef Robert Habeck („Dass der DFB im Moment sich nicht vor Spieler mit türkischem Hintergrund stellt, sondern die Beschimpfung zulässt, das ist offensichtlich.“) forderte eine persönliche Entschuldigung Grindels: „Wenn das unterbleibt, dann ist er der falsche Präsident, dann muss er den Stuhl freimachen.“

Doch dass ein schneller Rücktritt Grindels unwahrscheinlich ist und nicht im DFB-Interesse, hat einen einfachen Grund: Die Europameisterschaft 2024. Am 27. September wird im schweizerischen Nyon das Exekutivkomitee des Europäischen Fußballbundes (Uefa) zusammenkommen, um zu entscheiden, wo das prestigeträchtige Turnier ausgetragen wird: In Deutschland oder – ausgerechnet – in der Türkei. Grindel ist seit kurzem Mitglied des Gremiums, und selbst abstimmen darf er in neun Wochen als Vertreter eines Bewerberverbandes zwar nicht; aber er hat wichtige Lobbyarbeit zu leisten, Gespräche und Verhandlungen zu führen mit den 14 stimmberechtigten Komiteemitgliedern. Bei der WM in Russland sah man den DFB-Mann zuletzt gut gelaunt mit dem schwedischen Uefa-Kollegen Karl-Erik Nilsson – Wimpeltausch und Stimmenfang.

Die EM in sechs Jahren ist ein Prestigeprojekt, für den DFB, für Grindel. „Das sind Perspektiven für die Zukunft“, hat Grindel einmal gesagt, „das wäre eine fantastische Geschichte, wenn wir das hinbekämen.“ So kurz vor der Abstimmung hätte ein Rücktritt oder ein Rausschmiss des DFB-Präsidenten wohl fatale Folgen. Auch ohne das Amt würde er zwar Mitglied im Exekutivkomitee bleiben, dann allerdings ein denkbar schwaches. Ohnehin gilt der gebürtige Hamburger und Quereinsteiger im Fußballgeschäft auf internationaler Ebene – er ist auch Mitglied des Fifa-Rates – eher als Leichtgewicht. Eines, auf das der DFB in diesem Sommer nicht verzichten kann. (mit dpa)

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