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Demonstrationen in Köthen Deutschlandfahnen wehen in Köthen

4. UpdateRechtsgerichtete Gruppierungen halten auf dem Marktplatz in Köthen eine Kundgebung ab. Eine Gegendemo gegen rechte Hetze setzt sich zeitgleich in Bewegung. Die Polizei ist mit 1000 Einsatzkräften vor Ort.

16.09.2018 15:39
Demonstrationen in Köthen
Teilnehmer einer Demonstration von rechtsgerichteten Bündnissen zeigen in Köthen Flagge. Foto: (dpa)

Die Kundgebung rechtsgerichteter Gruppierungen in der Kleinstadt Köthen in Sachsen-Anhalt hat begonnen. Hunderte Menschen zog es am Sonntagnachmittag auf den Marktplatz, nach bisherigen Schätzungen waren es zu Beginn etwa 700 mit steigender Tendenz. Viele Deutschlandfahnen wehten, auf Plakaten standen Aufschriften wie: „Wir sind Chemnitz! Wir wollen keine Messermänner, auf einem Transparent war „Danke Herr Maaßen für die Wahrheit zu lesen. „Merkel-muss-weg-Rufe ertönten.

Unter anderem hatte das fremdenfeindliche Dresdner-Pegida-Bündnis und der rechtsgerichtete Verein „Zukunft Heimat aus Brandenburg zu der Demo aufgerufen, der auch in Cottbus aktiv ist. Auch AfD-Vertreter waren in Köthen, darunter Ex-Fraktionschef André Poggenburg. Am Rande sprach er von einer „Gewaltserie, die es in Deutschland gebe, und machte die Politik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dafür mitverantwortlich.

Etwa zeitgleich setzte sich am Bahnhof in Köthen eine Gegendemo gegen rechte Hetze in Bewegung, zuvor hatte es dort zunächst eine Kundgebung gegeben. Geschätzt waren dort 600 Demonstranten, der Veranstalter sprach von 700 bis 800.

Für diesen Sonntag erhöhte die Polizei die Zahl der Einsatzkräfte. Mehr als 1000 Kräfte seien zeitversetzt an Schwerpunkten im Einsatz, sagte eine Polizeisprecherin. Die Lage sei bislang ruhig, Auffälligkeiten gebe es derzeit nicht, hieß es am Nachmittag.

In Köthen hielt die Polizei am Sonntag für das Demonstrationsgeschehen auch Wasserwerfer und eine Reiterstaffel bereit, wie es weiter von der Polizei hieß. Personelle Unterstützung gebe es von Polizisten aus Niedersachsen, Sachsen, Brandenburg, Berlin, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Baden-Württemberg sowie aus anderen Regionen Sachsen-Anhalts. Auch die Bereitschaftspolizei des Landes und die Bundespolizei waren eingeplant.

Die Hochschule Anhalt in der Kleinstadt riet auf ihrer Internetseite zur Vorsicht wegen „potenziell gefährlicher Demonstrationen. Annähernd jeder vierte der fast 8000 Studenten kommt aus dem Ausland. Und Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sagte der „Mitteldeutschen Zeitung zu den Demonstrationen: „Mein Vorschlag wäre ja, dass die Bürger dann am Sonntag, wenn die Rechten demonstrieren, einfach in ihren Wohnungen bleiben und die Rollläden zumachen. Nicht, weil wir die Sicherheit nicht gewährleisten können, sondern um ein Zeichen zu setzen, dass man die nicht sehen will.

Vor den Demos feierten in der Köthener Jakobskirche am Sonntag Hunderte Menschen einen Friedensgottesdienst. „Die Stimmung in der Stadt ist ganz ohne Zweifel angespannt, sagte der Kirchenpräsident der Anhaltischen Landeskirche, Joachim Liebig, am Nachmittag. Er äußerte die Hoffnung, dass sich keine Köthener der Demonstration mehrerer rechter Gruppierungen anschließen.


Zu den Gottesdienstbesuchern gehörte der stellvertretende Landtagspräsident Wulf Gallert (Linke). Er sagte, die Demokratie müsse entschieden verteidigt werden. Köthen dürfe nicht zum Aufmarschplatz rechter Kräfte werden. Fremdenhass und Rassismus dürften nicht die Straßen erobern. Aus Protest gegen die anreisenden Demonstranten hatten die Köthener am Vortag ihren Marktplatz bunt angemalt mit Friedenszeichen.

In der gut 26 000 Einwohner zählenden Kleinstadt Köthen hatte es seit dem Tod eines 22 Jahre alten Deutschen vor einer Woche mehrere rechtsgerichtete Demos, zu denen es auch Rechtsextreme zog, gegeben. Nach Behördenangaben starb der schwer herzkranke 22-jährige Deutsche an einem Infarkt, nachdem er sich schlichtend in einen Streit zwischen mehreren afghanischen Staatsbürgern eingeschaltet hatte und ins Gesicht geschlagen wurde. Zwei 18 und 20 Jahre alte Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft. (dpa)

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