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DDR-Aufarbeitung Wendekinder erzählen von damals

„Dritte Generation Ost“ wendet sich mit Online-Plattform an Schulen

Es ist etwa fünf Jahre her, dass die „Dritte Generation Ost“ auf sich aufmerksam und von sich reden machte. Sie definierte sich selbst als die Generation jener, die zwischen 1975 und 1985 in der DDR geboren wurden – Menschen also, die zwar noch im real existierenden Sozialismus zur Welt kamen, aber in den Umbruchjahren des vereinigten Deutschland groß wurden. Dies sind etwa 2,4 Millionen Frauen und Männer. Ziel der „Dritten Generation Ost“ war, einerseits mit den eigenen Eltern über die Vergangenheit ins Gespräch zu kommen, andererseits aber auch einen neuen Akzent in der Ost-West-Debatte zu setzen – jenseits der Vergangenheitsfixierung und herrschender Klischees.

Nachdem es später ein wenig still geworden war um jene Gruppe, die aus der Sicht mancher so etwas sind wie die ostdeutschen 68er, ist sie nun mit einem Projekt online gegangen: Das virtuelle Lernportal Zeitenwende bietet Lehrerinnen und Lehrern die Möglichkeit, direkten Kontakt mit Angehörigen der „Dritten Generation Ost“ aufzunehmen, um sie zu Zeitzeugengesprächen einzuladen. Dabei berichten die aktuell 13 ehrenamtlichen Frauen und Männer, wie sie ihre Kindheit und Jugend in der DDR und in den Umbruchsjahren erlebt haben.

Über die Kontaktmöglichkeit hinaus bietet das Portal fünf Lernmodule und Arbeitsmaterialien zur Vorbereitung und Auswertung der Gespräche. Das Projekt, getragen von dem Verein „Perspektive hoch 3“, wird von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur ebenso gefördert wie von der brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung und dem Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg.

Heutige Schüler, so heißt es, sollten die Möglichkeit bekommen, die Geschichte der deutschen Teilung und Wiedervereinigung leichter mit den eigenen Erfahrungen in Beziehung zu setzen. Zudem werde das Spektrum der Zeitzeugenerzählungen, in denen bisher vor allem die Opfer der politischen Verfolgung zur Sprache kämen, um eine alltagsweltliche Perspektive ergänzt.

Sven Gatter, Pädagoge und verantwortlich für die Gesamtkonzeption des Lernportals, erklärte: „Dass im Kontext der Zeitzeugenarbeit die biografischen Erfahrungen der Dritten Generation Ostdeutschland in den Mittelpunkt gerückt werden, ist Novum und Chance zugleich. Für junge Menschen, die sich heute mit der Teilungs- und Wiedervereinigungsgeschichte beschäftigen, sind diese Kindheits- und Jugenderinnerungen besonders spannend.“

Kerstin Lorenz, Historikerin und verantwortlich für die pädagogischen Inhalte, fügte hinzu: „Bisher sind im Spektrum der Zeitzeugenerzählungen vor allem die Opfer der politischen Verfolgung vertreten. Da die Angehörigen der Dritten Generation Ostdeutschland damals noch Kinder und Jugendliche waren, entziehen sich ihre Erzählungen weitgehend den sonst schnell getroffenen Opfer-Täter-Zuschreibungen.“

Ein Gymnasium im brandenburgischen Treuenbrietzen hat das Webportal bereits getestet und für gut befunden. Und die Leiterin der dortigen Landeszentrale für politische Bildung, Martina Weyrauch, lobt das Angebot als nicht selbstverständlich. „Dazu gehören ein Wille zu gesellschaftspolitischem Engagement und der Mut, die eigenen Erinnerungen kritisch hinterfragen zu lassen“, sagte sie.

Die überparteiliche „Dritte Generation Ost“ wurde 2013 übrigens schon einmal gewürdigt. Damals erhielt sie den von der SPD gestifteten Gustav-Heinemann-Bürgerpreis.

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