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David Davis Der loyale Abtrünnige

Der zurückgetretene Brexit-Minister David Davis steht auch nach seiner Demission zu Theresa May – ein Porträt.

David Davis
David Davis ist als Brexit-Minister zurückgetreten. Foto: dpa

Für seinen Job brauche er weder besonders schlau noch ausgesprochen fleißig zu sein, ließ David Davis die ob solcher Worte dann doch einigermaßen überraschte Öffentlichkeit Großbritanniens kürzlich wissen. Gelassenheit hingegen sei von wirklich essenzieller Bedeutung, fuhr er fort.

Ganz ruhig hat der britische Brexit-Minister, 69, vergangenen Freitag der Klausurtagung des Kabinetts beigewohnt, völlig entspannt beriet er sich am Wochenende mit seiner Frau und engen politischen Vertrauten, ganz gelassen reichte er Sonntagabend seinen Rücktritt ein. Vielleicht habe Premierministerin Theresa May mit ihrem neuen weicheren Brexit-Kurs ja recht und er selbst liege falsch, schrieb David konziliant in seinem Abschiedsbrief. Auf jeden Fall aber könne er den Kurs nicht mehr vertreten, weder in der skeptischen Tory-Fraktion noch gegenüber den Verhandlungspartnern in Brüssel.

Dort hatte man sich in den vergangenen Monaten ohnehin daran gewöhnt, Davis weitgehend links liegen zu lassen. Seit May ihren Europaberater Oliver Robbins aus Davis’ Brexit-Ministerium zu sich in die Downing Street versetzte, war sein Einfluss stetig gesunken. Manchmal wirkte Davis, als nehme er sich selbst nicht mehr so richtig ernst. Die seriöse „Times“ jedenfalls beschrieb die Auftritte des Brexit-Ministers spöttisch als Gesamtkunstwerk und setzte konsequent „David Davis“ in Anführungszeichen.

Nach knapp zwei Jahren im Amt kehrt Davis nun auf die Hinterbänke des Parlaments zurück, wo er sich in seinen 31 Jahren Unterhauskarriere stets am wohlsten zu fühlen schien. Der Politiker kam 1948 unehelich zur Welt, wurde von den Großeltern aufgezogen, lebte später mit Mutter und Stiefvater im Londoner Viertel Wandsworth, das er als „Slum“ bezeichnete. Da sein Schulabschluss nicht für einen Studienplatz ausreichte, diente er in der Armee, um Geld für nochmalige Prüfungen zu verdienen; später studierte er Informationstechnik und Management und arbeitete für den Nahrungsmittelkonzern Tate&Lyle, ehe er ins Parlament einzog.

Für Tory-Premier John Major (1990–1997) sicherte der Mann mit dem zerknautschten Boxer-Gesicht die arg knappen Mehrheiten zur Verabschiedung des EU-Vertrags von Maastricht, war auch Europa-Staatssekretär. Später aber schlug die stets skeptische Haltung des verheirateten Vaters von drei Kindern gegenüber der EU in offene Feindschaft um.

Von Brüssel fühlte sich Davis auch als Brexit-Minister schlecht behandelt. Mays neuer Plan werde nicht lang halten, prophezeite er am Montag in der BBC. „Ich fürchte, dass die EU die alte Taktik anwendet: Alle unsere Zugeständnisse werden entgegengenommen, und dann fordert man mehr.“ An Mays Sturz hingegen will sich der Veteran nicht beteiligen. Nicht nur habe er persönliche Sympathie für sie, sagt Davis. „Ich finde auch, dass sie eine gute Premierministerin ist.“

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Brexit

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