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Datenskandal bei Facebook Politik hat genug vom System Facebook

Der Internet-Gigant hat zugelassen, dass die Daten von 50 Millionen Usern weitergegeben wurden. Jetzt ermitteln die Behörden wegen des Verstoßes gegen Datenschutzgesetze.

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Facebook und sein Chef Mark Zuckerberg stehen derzeit stark in der Kritik. Foto: afp

Im Facebook-Datenskandal hat die britische Regierung am Mittwoch den Druck auf die im Zwielicht stehenden britischen Firmen erhöht. Sie erwarte vom Marktforscher SCL und dessen Tochterfirma Cambridge Analytica (CA) „vollständige Kooperation“ mit der Untersuchung durch die Datenschutzbeauftragte, sagte Premier Theresa May im Unterhaus. CA steht im Verdacht, sich illegal die Daten von rund 50 Millionen Kunden des Internet-Giganten Facebook angeeignet zu haben. Außerdem hat sich der mittlerweile suspendierte CA-Chef Alexander Nix allerlei schmutziger Tricks gerühmt, mit der sein Unternehmen Wahlkampagnen wie US-Präsident Donald Trumps Sieg 2016 beeinflusst habe.

Die britische Datenschutzbeauftragte Elizabeth Denham ermittelt gegen Facebook und CA wegen Verstößen gegen das Datenschutzgesetz. Zu Wochenbeginn hatte die Kanadierin der US-Firma untersagt, weiterhin in Firmenräumen von CA und SCL nach dem Leck zu suchen, das die Weitergabe der Daten ermöglicht hatte.

Aktionäre verklagen Facebook

Unterdessen haben Facebook-Aktionäre in San Francisco eine Klage gegen Mark Zuckerbergs Unternehmen eingereicht, dessen Börsenwert zu Wochenbeginn nach den Enthüllungen um rund 50 Milliarden Dollar gefallen war. Facebook habe „falsche und irreführende Mitteilungen“ über die Datensicherheit seiner Kunden gemacht, glauben Aktionär Fan Yuan und seine Unterstützer.

Facebook selbst sieht sich als Opfer eines Betrugs – doch es ist alles andere als Sympathie, die dem weltgrößten Online-Netzwerk entgegenschlägt. Nicht nur die Politik, auch Medien und Internetpioniere stellten zur Diskussion, ob der Facebook-Skandal nicht grundsätzlich das Geschäftsmodell vermeintlich kostenloser Kommunikation in Frage stelle. Es sei „Zeit, die Privatsphäre ernstzunehmen“, teilte Whatsapp-Mitgründer Brian Acton mit – ironischerweise auf Twitter – und machte sich die Kampagne #deleteFacebook (lösche Facebook) zu eigen. Vor drei Jahren hatte Facebook Actons Firma gekauft.

„Besser dran, wenn wir Facebook verlassen“

Die in London erscheinende „Financial Times“ verurteilte „die Kosten für die Gesellschaft“, die durch die sogenannten sozialen Netzwerke entstehen: „ideologische Echoräume, Desinformation, Manipulation“. Es könne sein, „dass wir kollektiv besser dran sind, wenn wir Facebook verlassen“.

Alle drei Unternehmen – Facebook, SCL und CA – hatten einen russisch-stämmigen Wissenschaftler der Universität Cambridge, Aleksandr Kogan, als Abschöpfer der Daten jener 270.000 Facebook-Kunden und ihres durchschnittlich je 185 Menschen umfassenden Kreises sogenannter Freunde bezeichnet. Im Gespräch mit dem Sender BBC beteuerte Kogan nun, er werde „zum Sündenbock gemacht“. In Wirklichkeit sei er 2014 Auftragnehmer von CA gewesen und habe alle damals bestehenden Facebook-Vorschriften eingehalten. Gegen das Abschöpfen der Daten sogenannter Freunde hat der kalifornische Konzern mittlerweile schärfere Regeln erlassen.

Unzählige Daten ausgespäht 

Kogan nannte als seinen Auftrag das Erstellen sogenannter „Persönlichkeitstests“. Tatsächlich hat sich CA lang vor dem jetzt aufgekommenen Skandal damit gerühmt, bis zu 5000 separate Daten von mehr als 220 Millionen Amerikanern gesammelt zu haben, von Alter, Geschlecht und Beruf bis hin zu Kauf- und Konsumverhalten.

Die Psychologen und Informatiker von CA gruppieren die Befragten nach der sogenannten Ocean-Methode in fünf Gruppen mit jeweils herausragenden Charaktereigenschaften: offene, gewissenhafte, extrovertierte, angepasste und neurotische Menschen, wobei natürlich Überschneidungen die Regel sind. Die „psychographische“ Methode ermöglicht CA und seinen Auftraggebern eine exakt auf die jeweilige Konsumentengruppe zugeschnittene Werbung.

Facebook Deutschland möchte sich zu dem aktuellen Skandal und seiner Tragweite für deutsche Nutzer nicht äußern. Dabei hatte das Berliner Büro für Mittwoch zu einem Pressegespräch in kleiner Runde in seine Räume im siebten Stock eines Hochhauses am Potsdamer Platz gebeten – allerdings bereits eine Woche bevor der Datenmissbrauch bekannt wurde.

Eigentlich sollte es bei dem Gespräch um die neue Datenschutzverordnung der EU gehen, die im Mai in Kraft tritt. Der aus Großbritannien stammende Datenschutzbeauftragte des Konzerns war extra angereist. Er wäre auch der perfekte Gesprächspartner, um Licht ins Dunkel um die Daten-Affäre zu bringen. Doch die Pressesprecher winkten sofort ab: Man werde keinerlei Fragen zu diesem Thema zulassen oder beantworten.

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