Lade Inhalte...

Damaskus 70 Tote bei Luftangriffen in Syrien

Bereits in den vergangenen Tagen flogen russische und syrische Jets heftige Luftangriffe auf Rebellengebiete. UN-Vertreter fordern eine Kampfpause, um Millionen notleidende Menschen versorgen zu können.

07.02.2018 06:21
Luftangriffe in Syrien
Zivilisten flüchten vor Luftangriffen in einem von Rebellen kontrollierten Vorort von Damaskus. Foto: Handout Weißhelme

Bei einer der heftigsten Serien von Luftangriffen seit Wochen sind in einem Rebellengebiet nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus nach Angaben von Aktivisten zahlreiche Zivilisten getötet worden.

Die Zahl der Opfer habe sich auf mindestens 70 erhöht, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag. Aktivisten berichteten von mindestens 82 Toten und zahlreichen Verletzten.

Die Vereinten Nationen zeigten sich angesichts der jüngsten Gewalt in dem Bürgerkriegsland alarmiert. UN-Vertreter beklagten, sie könnten tonnenweise bereitstehende humanitäre Hilfe wegen anhaltender Kämpfe und umständlicher Genehmigungsverfahren nicht verteilen. Mehr als 13 Millionen notleidende Menschen im Land brauchen solche Unterstützung.

Ost-Ghuta nahe Damaskus und die Provinz Idlib im Nordwesten Syriens gehören zu den letzten Gebieten Syriens unter Rebellenkontrolle. In den vergangenen Wochen war die Gewalt dort eskaliert. In Idlib haben die Kämpfe nach UN-Angaben fast 250 000 Menschen vertrieben. In Ost-Ghuta sind wegen einer Blockade der Regierung nach UN-Schätzungen rund 400 000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. Weil kaum Hilfe in das Gebiet kommt, spielt sich dort nach Angaben von Hilfsorganisationen eine humanitäre Katastrophe ab.

Die Menschenrechtsbeobachter erklärten, Jets der syrischen Luftwaffe hätten mehrere Orte in der von Regierungstruppen eingeschlossenen Region Ost-Ghuta nahe Damaskus bombardiert. Ihnen zufolge handelt es sich um die höchste Opferzahl an einem Tag in Ost-Ghuta seit Beginn der Eskalation Ende Dezember.

Bereits am Montag waren dort bei Bombardierungen nach Angaben der Menschenrechtler mehr als 30 Zivilisten gestorben. Syrische und russische Jets flogen in den vergangenen Tagen auch in der ebenfalls von Regierungsgegnern kontrollierten Provinz Idlib im Nordwesten Syriens heftige Luftangriffe mit Dutzenden zivilen Opfern. Moskau unterstützt in dem Bürgerkrieg die Truppen der Regierung.

Die UN-Ermittlungskommission für Syrien kündigte an, sie werde Berichte über einen Angriff mit Chemiewaffen auf die von Rebellen gehaltene Stadt Sarakib im Nordwesten des Landes untersuchen. Rettungshelfer und Aktivisten werfen der Regierung vor, sie habe dort am Montag eine Bombe mit Chlorgas abgeworfen. Nach Angaben der Rettungsorganisation Weißhelme wurden dabei zwölf Menschen verletzt.

Auch die US-Regierung äußerste schwere Bedenken wegen des erneuten Verdachts auf den Einsatz von Giftgas. „Dies ist nach Berichten der sechste Vorfall dieser Art in den vergangenen 30 Tagen“, heißt es in einer Stellungnahme der Sprecherin des US-Außenministeriums, Heather Nauert. Außenminister Rex Tillerson habe deutlich gemacht, dass am Ende Russland seit seiner Beteiligung an den Kämpfen für die Toten in Syrien Verantwortung zu tragen habe. „Indem Russland die syrische Regierung aus der Verantwortung nimmt, wird auch Russland seinen eigenen Verpflichtungen nicht gerecht“, schrieb Nauert weiter. „Die Menschen in Syrien leiden. Der Rest der Welt sieht zu.“

Ausmaß und Heftigkeit der Angriffe in Ost-Ghuta und in Idlib hätten „dramatisch zugenommen“, teilte die UN-Ermittlungskommission mit. Die Luftangriffe hätten Berichten zufolge auch drei Klinken getroffen. „Diese Berichte sind äußerst verstörend und verhöhnen die so genannten „De-Eskalationzonen““, erklärte der Leiter der Kommmission, Paulo Pinheiro. Russland und der Iran als Verbündete der syrischen Regierung und die Türkei als Unterstützer der Opposition hatten im vergangenen Jahr mehrere solcher Zonen errichtet.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Syrien

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen