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CSU-Spitze Söder, der Unaufhaltsame

Am Freitag wird Markus Söder zum bayerischen Ministerpräsidenten ernannt. Heute räumt Horst Seehofer seinen Stuhl – und macht den Weg frei für eben jenen Mann, dem er so manchen Stein in den Weg gelegt hat.

Markus Söder
„Ich bin sehr bereit“ – und das schon seit Jahren: Markus Söder am Aschermittwoch. Foto: dpa

An dem Tag, an dem es wirklich feststeht, schreitet Markus Söder über einen blauglitzernden Boden. Sterne sind darin eingelassen mit dem Namen von Berühmtheiten. „Walk of Fame“, heißt sowas, Weg des Ruhms. Wenige Stunden zuvor hat der wankelmütige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer das Datum seines Rücktritts bekannt gegeben. Die letzte Ungewissheit ist beseitigt: In wenigen Tagen ist Markus Söder der erste Mann im Staate Bayern. Ein Weg des Ruhms, das passt doch dazu. Auf den Sternen im Boden müssten die Namen anderer Ministerpräsidenten stehen: Franz Josef Strauß, Edmund Stoiber. Von einem hat er ein großes Poster im Kinderzimmer hängen gehabt, der andere hat ihn in der Politik angelernt. 

Ein Fernsehteam stürzt auf Söder zu.

Es gehört zu einem Comedysender. Auf den Sternen steht: Marilyn Monroe, James Dean, Angelina Jolie. Irgendwo in der Nähe des vierten Sterns hängt ein Filmplakat mit der Aufschrift: „Ghostland – Stell Dich Deiner Angst.“ Der blauglitzernde Boden liegt in einem Kino in Donauwörth, der Weg des Ruhms geht seltsame Wege.

Söder lächelt ein bisschen bemüht. Er blickt geradeaus, schnell vorbei an dieser Kamera. Er hat gerade keine Lust auf Comedy. Er hat es nach oben geschafft in der CSU und in Bayern, mühsam vorbei an allen Gegnern. Zum Schluss hat er auch Seehofer zur Seite geschoben, ein bisschen wie gerade das Fernsehteam. Vor ihm liegt jetzt seine Vorstellung. An diesem Tag erstmal in Donauwörth.

„Markus Söder“ steht dort in meterhohen Buchstaben auf einer Stellwand in Kinosaal Söders Silhouette ist eingebaut zwischen dem D und dem E, in James-Bond-Manier, nur ohne Pistole. Söder wird bayerischer Ministerpräsident. Es ist die Rolle seines Lebens, lange hat er darauf hingearbeitet. Gleichzeitig läuft seine eigene Neuerfindung: Söder, der Karrieremensch plus Söder, der Kumpeltyp gibt Söder, den Regierungschef, so ungefähr ist die Rechnung. Sein Auftritt im Kinosaal in Donauwörth läuft unter dem Klatsch- und Kuscheltitel: „Söder persönlich“.

Ein lauter Aufstieg

Bei seinem Aufstieg ist er ja laut gewesen, aggressiv, sehr wahrnehmbar. Als Chef der bayerischen Jungen Union, als Generalsekretär der CSU, dann als bayerischer Europa-, als Umwelt-, als Finanzminister. Er schimpfte aufs ZDF oder auf den EZB-Chef, immer ein bisschen provokanter als die anderen, eine Spur brutaler. Grenzüberschreitung bringt Aufmerksamkeit und Talkshowauftritte. Söder zählte, wer häufiger eingeladen wurde und freute sich, wenn er den ein oder anderen Parteichef überholte. Er achtete darauf, dass bei den Auftritten die Socken saßen. Bloß nicht zur Witzfigur werden wegen Nebensächlichkeiten. Selbst Söders Faschingskostüme hatten eine Botschaft: Als es hieß, die CSU sei reif für eine Frau an der Spitze, kam Söder als Marilyn Monroe. Als Seehofer zu sehr zögerte, verkleidete er sich als Ministerpräsident Edmund Stoiber. Auch so ein Ehrgeiziger, der aufgestiegen ist.

Söder wurde nicht zur Witzfigur, sondern zu einer Art dunkler Macht – nicht belächelt, sondern gefürchtet. Klug, intrigant, rücksichtslos, so war sein Ruf in der CSU. Es hält sich in der Partei die Geschichte, Söder sei es gewesen, der nach dem Sturz Stoibers eine Affäre Seehofers samt Nachwuchs-Folge öffentlich gemacht habe. Seehofer hat ihm vor ein paar Jahren öffentlich „Schmutzeleien“ vorgeworfen, also Intrigen zur Beförderung der eigenen Karriere. Damals ging es schon nicht mehr um ihn selber, sondern um Gerüchte über Ilse Aigner, die sich als Zukunftshoffnung der CSU vor Söder geschoben hatte.

Seehofer hat viel versucht, um Söders Aufstieg zu verhindern. Er testete Nachfolger um Nachfolger. Der ruhige Finanzminister Georg Fahrenschon aber strich die Segel und ging in die Wirtschaft. Söder übernahm seinen Job, den zentralen im Kabinett. Ilse Aigner kam aus dem Bundesagrarministerium nach München und wurde VIze-Regierungschefin. Das Söder-Lager streute, die Ilse sei nicht durchsetzungsfähig, Seehofer wandte sich enttäuscht ab. Im Landtagswahlkampf ließ Seehofer den gefallenen CSU-Star Karl-Theodor zu Guttenberg auftreten und umjubeln. Der Charmetest war bestanden, aber Seehofer hatte sich verrechnet: Selbst die Söder-Gegner hatten keine Lust auf einen von außen. Seehofer versuchte, Söder als Minister nach Berlin zu locken, mit dem durchschaubaren Hinweis, dort brauche die CSU ihre Besten. Der schlug aus. Als letzter zuckte dann im Herbst der bayerische Innenminister Joachim Herrmann zurück. Da war der Machtkampf schon offen entbrannt. Die CSU war bei der Bundestagswahl abgesackt, Söder blieb im Hintergrund. Aber er ließ einen nach dem anderen seiner Freunde aufmarschieren und Seehofers Rückzug fordern. „Erneuerung“ war das Code-Wort für den Wechsel von einem 68- auf einen 51-Jährigen.

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