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CSU-Parteitag München Die CSU sucht den Befreiungsschlag

1. UpdateGlaubt man den Umfragen, liegt die CSU in Bayern nur noch bei 35 Prozent. Auf dem Parteitag in München gibt man sich kämpferisch.

Markus Söder
Hält die Umfragen, in denen die CSU fällt und fällt, für überbewertet: Ministerpräsident Markus Söder nach seiner Parteitagsrede. Foto: afp

Markus Söder muss warten. Zwei Stunden muss er warten, an diesem Tag, der noch nicht der alles entscheidende ist für die CSU, aber bei dem es ihm gelingen muss, Stimmung zu erzeugen. An dem viel kaputt gehen kann. 

Vier Wochen sind es noch bis zur Landtagswahl, die CSU liegt in den Umfragen nur noch bei 35 Prozent, gerade ist sie noch weiter nach unten gerutscht. Weit entfernt scheint die gewohnte absolute Mehrheit der CSU. Nach derzeitiger Lage wären für eine Regierung sogar zwei Koalitionspartner nötig, weil dem Landtag nicht mehr nur vier sondern sieben Parteien angehören würden: Neben der CSU, SPD, Grünen und Freien Wählern auch wieder die FDP, dazu erstmals auch die Linkspartei und die AfD.

Söder geht zum Rednerpult, er hat einen breitbeinigen Gang. Er ist seit einem halben Jahr bayerischer MInisterpräsident und als solcher nun auch SPitzenkandidat, lange hat er darauf hingearbeitet. Ausgerechnet jetzt, in dieser schwierigen Lage, hat er das Ziel erreicht. Er will es sich nicht gleich wieder nehmen lassen. 

„Die CSU ist nicht verzagt“

Stimmung erzeugen also. Der Generalsekretär der Partei, Markus Blume, hat den Parteitag unter anderem mit diesem Satz eröffnet: “Die CSU ist nicht verzagt.” Es ist nicht gerade die Regel, dass die CSU so etwas versichert. Der Parteivorsitzende Horst Seehofer, den Söder aus dem Amt des Regierungschefs vertrieben hat, hat in einer halben Stunde gefühlt 75 Mal “den lieben Markus” gelobt und darauf hingewiesen, dass ein Regierungschef nur dann stark sein könne, wenn er einen starken Innenminister habe. Innenminister, das ist jetzt Seehofers Job in Berlin. Als solcher stand er im Zentrum der beiden schweren Koalitionskrisen der letzten Monate -dem erneuten Unions-Streit um die Flüchtlingspolitik vor der Sommerpause und der Koalitionsauseinandersetzung um Verfassungsschutzchef Maaßen. Seehofer sagt, die CSU müsse sich für nichts entschuldigen. Wenn er weiter Unterstützung habe, werde er eine richtig gutes Migrationskonzept umsetzen. Der Applaus ist spärlich. Lieber Markus, sagt Seehofer schon wieder und dann bekommt er doch stehenden Applaus. “Steht auf, wenn ihr für Bayern seid”, hat er die Delegierten zum Ende seiner Rede zugerufen. Ein kleiner effektiver Trick.

Und auch Theo Waigel und Edmund Stoiber kommen noch auf die Bühne. Vor 20 Jahren haben sie verbissen gegeneinander gekämpft um die Macht in die Partei, jetzt loben sie Söder einträchtig. In den Umfragen sind auch Söders persönliche Werte gesunken. 

Der Spitzenkandidat steht am Rednerpult. Er reckt sich und spannt die Schultern nach hinten. Anderthalb Stunden wird er gleich reden, er wird witzeln, und werben, er wird die die Delegierten duzen, er wird viel mit den Händen rudern, laut und bestimmt. Seine Erzählung ist: Die CSU kann die Demokratie retten. 

Söder gibt Berlin die Schuld

Die Lage in Bayern sei gut, sagt Söder erstmal. Super wirtschaftliche Entwicklung und die schönsten Feste, nur zum Beispiel. “Das ist echt zu schade, um es in andere Hände zu geben.” 100 Jahre existiere der Freistaat nun, und die längste Zeit habe die CSU die Geschicke bestimmt. Der Erfolg sei also CSU-gemacht. “Das waren wir”, befindet Söder und erwähnt nebenbei auch noch: “Überall in der Welt isst und trinkt man gerne bayerisch.” 

Aber wie ist das dann mit den Umfragen? “Kein Grund zu hyperventilieren”, befindet Söder. Die Hälfte der Wähler seien noch nicht entschieden und Umfrageinstitute hätten sich bei den meisten der letzten Wahlen verschätzt. Dennoch, einen “Weckruf” will Söder schon erkennen. Und wer so Schuld sein könnte an der Lage, lässt er auch einfließen: Kein Rückenwind aus Berlin  und er selbst sei halt auch erst sechs Monate im Amt. Trotz der anstehenden Wahl habe er übrigens “keinen Tag, keine Sekunde gezögert”, den Posten zu übernehmen. Es ist die Untertreibung des Tages. 

Die CSU, die die vergangenen Monate viel gegen sich selbst und gegen die CDU gekämpft hat, beschreibt Söder als eine Art Friedensmacht: “Es braucht einen, der ausgleicht. Es braucht einen, der das große Ganze sieht.” Das “aggressive Kleinklein”, sei etwas für die anderen Parteien. Söder zählt auf: Die FDP sei mutlos, die SPD trostlos und die Grünen spießig, die Freien Wähler eine Kopie der CSU und die Linkspartei Kommunisten.

Die schärfsten Worte findet Söder gegen die AfD: “Das sind keine braven verirrten Konservativen”, sagt er. Die AfD propagiere Bürgerwehren und Erleichterungen des Waffenrechts. Sie marschiere mittlerweile “Seit an Seit mit der NPD, mit Pegida, mit Hooligans”. Ein weites Netzwerk und “viel Geld” stecke dahinter - mit dem Ziel, den Staat zu destabilisieren.“Franz Josef Strauß würde diese AfD bekämpfen”, ruft Söder. Es ist einer der Stellen mit dem kräftigsten Applaus. 

 “Ja zu Bayern heißt Ja zur CSU”, ruft Söder nach anderthalb Stunden und atmet mehrfach tief aus.

Zum Abschied gibt Seehofer den Delegierten ein neues Ziel auf den Weg: Die CSU solle “die Nummer 1 in Bayern” bleiben. Das ist selbst bei den aktuellen Umfragen noch drin.

 

Lesen Sie dazu auch die Zusammenstellung der wichtigsten Fakten zur Landtagswahl in Bayern unserer Kollegen von merkur.de.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Landtagswahl Bayern

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