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CSU Neue Details im Fall Haderthauer

Ein Wachmann erhebt Vorwürfe gegen die bayerische Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer. Ein Überblick über die Protagonisten der Affäre.

Christine Haderthauer erlebt einen stürmischen Sommer. Foto: dpa

Die bayerische Staatsregierung macht offiziell Urlaub. Zur Ruhe kommt sie nicht. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wird mit immer neuen Details zur Modellbau-Affäre seiner Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer (ebenfalls CSU) konfrontiert. Zuletzt hat sich nun ein Wachmann zu frühen Sicherheitsbedenken geäußert, die es im Umgang mit dem Modellbauer, einem inhaftierten Mörder, gegeben habe. Ein Überblick über die Protagonisten der Affäre.

Die Ministerin: Um ihre berufliche Zukunft geht es. Die Chefin der bayerischen Staatskanzlei war in den 90er Jahren bis zu ihrem Einstieg in die Politik 2003 Teilhaberin einer Firma, die von Strafgefangenen Modellautos bauen ließ. Das holt sie nun ein: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugsverdacht, auch ein Steuerhinterziehungsverfahren läuft. In der CSU findet man ihre früheren Geschäfte unmoralisch. Die Juristin Haderthauer mit dem Fachgebiet Arbeitsrecht hat versichert, sie könne alle Vorwürfe entkräften. Bei der Firma habe sie nur auf dem Papier mitgewirkt. Bei allen Geschäften habe der Idealismus im Vordergrund gestanden.

Der Ehemann: Hubert Haderthauer kümmerte sich als Landgerichtsarzt um die medizinische Betreuung von Gefangenen. Als Teilhaber der Modellbau-Firma verkaufte er von Häftlingen gefertigte Auto-Nachbauten. Bekannt geworden sind Briefe, in denen er den Wert einzelner Modelle auf damals über 20 000 D-Mark schätzte. Auch gegen ihn ermittelt der Staatsanwalt. Außerdem läuft ein Disziplinarverfahren, weil er seine Nebentätigkeit offenbar nicht korrekt angemeldet hat.

Der Häftling: Roland S. ist Mitte 70, wegen dreier Morde sitzt der psychisch Kranke seit langem in Haft, zunächst in Ansbach, mittlerweile in Straubing. Mit einigen Mithäftlingen hat er Modellautos gebaut, Liebhaberstücke mit vielen Details. Roland S. war der Leiter der Bastelgruppe, die als „Modellbau-Therapie“ bezeichnet wurde. S. sagt, das Autobauen sei besser gewesen als das in Gefängnissen übliche Tütenkleben. Hubert Haderthauer soll ihn mehrfach außerhalb des Gefängnisses zum Essen getroffen haben. S. hat erzählt, er sei einmal auf einer Spielzeugmesse gewesen und habe Museen besucht, um sich Anregungen für Modelle zu holen. Andere Häftlinge sagten aus, sie hätten für ihre Arbeit pro Monat etwa 240 Euro bekommen.

Die Geschäftspartner: Sie haben die Affäre befeuert: Roger Ponton, ein 84-jähriger französischer Waffenfabrikant, und sein Bekannter Fritz Sager. Aus den Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen machten sie Sapor, den Namen der Modellbaufirma. Ponton sagt, Hubert Haderthauer habe sich einst in die Firma hineingedrängt. Er ist von den Haderthauers mit 20 000 Euro abgefunden worden, es gab dazu auch eine Vereinbarung. Ponton fühlt sich betrogen. Ihm stehe deutlich mehr zu, schließlich seien 125 Autos gebaut worden. Ponton widerspricht der Ministerin an vielen Stellen: Sie habe aktiv an der Firma mitgewirkt. Und um Idealismus sei es nie gegangen, sondern nur ums Geld.

Der Wachmann: Schwere Vorwürfe kommen von einem ehemaligen Wachmann der Bezirksklinik Ansbach, den die ARD-Sendung „Report Mainz“ ausfindig gemacht haben will. Kontrollen des Modellbauers S. seien verhindert worden, berichtet der anonym bleibende Sicherheitsmann. S. habe Hafterleichterungen wie Ausflüge bekommen. Von denen sei nicht nur der Häftling, sondern auch der ihn begleitende Polizist alkoholisiert zurückgekommen. Der Sicherheitsdienst warnte auch vor einem „nicht kalkulierbaren Sicherheitsrisiko“ durch die Werkzeuge, mit denen die inhaftierten Modellbauer ihre Autos fertigten.

Der Ministerpräsident: Horst Seehofer steckt in einem Dilemma. Die Staatskanzlei-Chefin ist eine seiner wichtigsten Mitarbeiterinnen und noch dazu Abgeordnete seines Heimat-Wahlkreises. Ist es ein größerer Imageschaden, wenn er Haderthauer behält oder wenn er sie rausschmeißt? Seehofer sagt, er wolle abwarten, ob die Staatsanwaltschaft Anklage erhebt. Oder ob schwerwiegende neue Erkenntnisse auftauchen. Letzteres ist eine dehnbare Formulierung.

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