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Christen im Irak „Bitte helft uns, wir können nicht mehr“

Die Christen im Irak fühlen sich von Politik und Behörden im Stich gelassen. Der Bischof von Bagdad fleht im Interview die internationale Gemeinschaft an, etwas für seine Leute zu tun. Denn die können nirgendwo hin.

Der chaldäische Bischof Shlemon Warduni (re.) mit dem irakischen Premier Nuri al-Maliki und seinem katholischen Kollegen Matti Matoka. Foto: AFP

Innerhalb von zehn Tagen gab es drei schwere Angriffe von islamischen Terroristen auf Christen in Bagdad. Mehr als 50 wurden ermordet. Wie reagieren die Gläubigen?

Die Menschen sind total entsetzt und wissen nicht, was sie tun sollen. Alle Leute haben jetzt Angst, denn niemand unternimmt irgendetwas für uns Christen. Wir haben seit acht Monaten keine funktionierende Regierung, wird haben kein geltendes Recht. Die Lage ist einfach schrecklich.

Was sagen Sie Ihren Gläubigen?

Die Kirche möchte nicht, dass die Christen den Irak verlassen. Das ist keine gute Lösung und es ist nicht unsere Aufgabe, Christen zur Flucht zu raten. Wir wenden uns an alle Nationen der Welt. Helft uns, tut etwas für unsere jungen Leute hier vor Ort. Tragt endlich etwas dazu bei, das Frieden und Sicherheit im Irak einkehrt. Und betet für uns.

Was konkret können die anderen Nationen der Welt tun?

Die Staaten müssen viel enger kooperieren, um die Lage im Irak zu stabilisieren. Und sie müssen mehr tun, um Al-Kaida zu bekämpfen. Und manche Regierungen müssen aufhören, diese Terroristen zu unterstützen und ihnen Waffen zu verkaufen.

In den christlichen Vierteln von Bagdad gibt es zahlreiche Straßensperren. Trotzdem konnten die Attentäter praktisch ungehindert agieren. Warum schützen die irakischen Sicherheitskräfte die Christen nicht besser?

Wenn ich auf diese Frage eine Antwort wüsste, würde ich sie laut und in alle Richtungen ausrufen. Wir sind ratlos. Wenn wir die Polizisten fragen, warum sie uns nicht besser schützen, sagen sie jedes Mal, dass sie es in Zukunft besser machen wollen. Aber sie tun es einfach nicht – und dann passiert das nächste Attentat.

Wie sehen Sie die Zukunft der Christen im Irak?

Unsere Zukunft ist sehr düster. Ohne Frieden und Sicherheit können wir hier nicht weiter leben, sagen die Menschen. Die Leute können nicht mehr, sie fürchten um ihr Leben. Die Gefahr für sie und ihre Familien ist unerträglich geworden.

Was erwarten sie von der Weltkirche?

Papst Benedikt tut, was er kann. Er setzt sich für uns ein, er betet für uns. Auch andere Christen auf der Welt versichern uns nach Attentaten, dass sie mit uns fühlen. Aber nach drei, vier Tagen ist alles wieder vergessen. Wir wünschen uns, dass ihre Anteilnahme längerfristiger wird und nicht nur, wenn unsere Gläubigen Opfer von Gewalttaten geworden sind. Wir bitten die Regierung in Deutschland, kümmert euch um unsere Landsleute, kümmert euch um die Flüchtlinge aus dem Irak. Sie brauchen neue Hoffnung, sie brauchen Arbeit und sie brauchen eine Zukunft.

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