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Christa Stewens CSU Platzhalterin für Ilse Aigner

Christa Stewens folgt Georg Schmid nach und wird CSU-Fraktionschefin im bayerischen Landtag. Horst Seehofer braucht Stewens, um wieder Regierungschef zu werden. Doch mehr als ein Platzhalter für Ilse Aigner wird sie wohl nicht sein.

Christa Stewens soll CSU-Fraktionsvorsitzende in Bayern werden und dem zurückgetretenen Georg Schmid nachfolgen. Foto: dpa

Wenn Not am Mann ist, müssen (oder dürfen) die Frauen ran: Christa Stewens ist zur neuen Fraktionschefin der CSU im bayerischen Landtag gewählt worden. Als er Ministerpräsident wurde, hat Horst Seehofer die erfahrene Sozialpolitikerin nicht mehr in seinem Kabinett gewollt. Zu alt. Nun braucht er die heute 67-jährige, um wieder Regierungschef zu werden – nach der Landtagswahl im September am liebsten wieder ohne den lästigen Koalitionspartner FDP.

Deshalb ist zügiges Krisenmanagement angesagt am Hof von König Horst I., damit die Leut‘ keine Gelegenheit haben, zu lange nachzudenken und womöglich auf unangenehme Fragen zu kommen. 23 Jahre Lang hat Georg Schmid, frisch zurück getretener Fraktionschef seine Ehefrau beschäftigt – für zuletzt 5000 Euro im Monat, bei eigenen Bezügen von rund 20.000. Außer ihm haben 16 weitere CDU-Politiker ihre Familienbande spielen lassen, aber auch vereinzelte aus der Opposition, wie zum Beispiel Hubert Aiwanger, der Boss der Freien Wähler. Aber keiner hat’s so toll getrieben wie der „Schorsch“.

Aufregung nach 23 Jahren

Die unangenehmste Frage, die Horst Seehofer verdrängen muss, lautet: 23 Jahre – warum regt das erst jetzt jemanden auf? Mag ja interessant sein, wann der Ministerpräsident sich über das Steuerproblem des Fußballkönigs Ulli Hoeneß hat unterrichten lassen. Aber hat er vom lukrativen Familiensinn des wichtigsten CSU-Politikers außerhalb der Landesregierung wirklich erst jetzt erfahren?

Deshalb schneller Wechsel. Christa Stewens ist eine schwarze Bilderbuchpolitikerin, katholisch, verheiratet, sechs Kinder – und keins davon arbeitet in ihrem Abgeordnetenbüro. Sie steht am Ende ihrer Laufbahn und hat wohl keine Ambitionen mehr, als ihrem Verein für ein paar Monate aus der Patsche zu helfen. Menschen mit politischer Zukunft hätten das Machtgefüge durcheinandergebracht.

Gerda Hasselfeldt ist keine Übergangslösung mehr

Horst Seehofer hat wirklich einen Faible für Frauen. Als die jüngeren Männer seiner Landesgruppe im Bundestag sich über die Nachfolge von Peter Ramsauer (nach der Wahl Verkehrsminister) verstritten, fiel ihm die Grande Dame der CSU in Berlin ein: Gerda Hasselfeldt (heute 62) kehrte aus dem Repräsentationsamt der Bundestagsvizepräsidentin an die Spitze der Landesgruppe zurück – und macht die Sache so gut, dass keine mehr sie für eine Übergangslösung hält. Sie führt die Landesliste der CSU zur Bundestagswahl an.

So eine Zukunft hat Christa Stewens sicher nicht. Aber sie hält den Platz besetzt für eine Frau mit noch größerer Zukunft: Ilse Aigner, derzeit noch als Landwirtschaftsministerin in Berlin beschäftigt. Aber Seehofer hat die 48-Jährige überredet, in den bayerischen Landtag zu wechseln. Noch ist es nicht sicher – aber der Fraktionsvorsitz bietet sich für sie geradezu an, wenn der Ministerpräsident im Amt bleiben und sie zur Nachfolgerin aufbauen möchte.  Das passt zwar dem ehrgeizigen Finanzminister Markus Söder nicht. Aber genau deshalb braucht Seehofer nun Stewens, damit der frühere Generalsekretär sich nicht auf dem Chefstuhl in der Fraktion breit macht.

So dürfte der CSU-Chef seine Personalprobleme wohl in den Griff bekommen. Aber ob’s auch mit den Wählern klappt? Die waren vor der vorigen Landtagswahl so stinkig auf die arrogante und selbstverliebte Dauerregierungspartei, dass sie ihr zum ersten Mal seit Menschengedenken die absolute Mehrheit verweigerten. In den Umfragen hat Seehofer sie wieder zu alten Höhen geführt. Die neusten Affären könnten der CSU und ihrem Vorsitzenden einen unangenehmen Absturz eintragen.

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