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China und Japan Viele Rohstoffe, viel Stress

Zwischen den Militärmächten Japan, USA, Russland und China entwickelt sich ein Kampf um die Dominanz in Asien. Washington verlegt Teile seiner Marine in die Region, Japan und China rüsten auf.

Japanische Küstenwache vor Uotsuri – der Streit um die Inseln mit China spitzt sich zu. Foto: REUTERS

Aus einem Unfall wurde beinahe ein Krieg. Am 1. April 2001 stießen in der Nähe der Insel Hainan im Südchinesischen Meer ein US-Spionageflugzeug und ein chinesischer Kampfjet aufeinander. 24 US-Soldaten wurden von den Chinesen in Gewahrsam genommen. Erst als die US-Regierung in Peking um Entschuldigung bat, kamen die Soldaten frei. Die Krise war nach einigen Tagen beendet.

Solche Zwischenfälle, die sich in den folgenden Jahren immer wieder in ähnlicher Form wiederholt haben, müssen nicht zwangsläufig gut ausgehen. Denn im Pazifik stehen sich mit den USA und China zwei Mächte gegenüber, deren Rivalität das 21. Jahrhundert prägen dürfte. Und seit sich vor einigen Wochen die Spannungen zwischen China und Japan wegen des Streits um Überflugrechte über eine umstrittene geografische Lage dramatisch erhöht haben, sprechen Kenner der Region bereits von der Möglichkeit, dass der Kalte Krieg wiederkehren könnte – an anderer Stelle der Welt, aber mit mindestens demselben Gefahrenpotenzial wie der Blockkonfrontation zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Die USA sind schließlich seit Jahrzehnten Schutzmacht von Japan, Taiwan und Südkorea, die allesamt Chinas strategische Expansion fürchten.

Mehr Marines im Pazifik

US-Präsident Barack Obama erklärte bereits zu Beginn seiner Amtszeit, dass die Pazifik-Anrainerstaaten noch mehr als bisher mit den USA zu rechnen hätten. Während eines Besuchs in Australien vor gut zwei Jahren bekräftigte er: „Wir sind hier, und wir werden hier bleiben. Ich habe eine strategische Entscheidung getroffen: Als Pazifiknation werden die USA eine größere und langfristigere Rolle in der Gestaltung dieser Region und ihrer Zukunft spielen.“ Sprach’s und ordnete an, zusätzlich Soldaten und militärisches Material in die Pazifik-Region zu verlegen.

2500 Marines etwa sollen bis zum Jahr 2016 in Darwin im Norden Australiens stationiert werden, um den Anspruch der USA zu untermauern, im Zweifel in südostasiatische Tumulte eingreifen zu können. Schon heute sind 320 000 US-Militärangehörige in der Region stationiert. Vom Jahr 2020 an sollen 60 Prozent aller Kriegsschiffe der US-Marine im Pazifik patrouillieren.

Bislang ist die Marine nach dem Fifty-fifty-Prinzip gerecht auf Atlantik und Pazifik verteilt. Auch sollen die US-Streitkräfte mehr als bisher gemeinsam mit den Armeen der südost- und ostasiatischen Staaten üben.

Zwar ist in Washington nicht mehr ganz so laut wie noch vor der Wiederwahl Obamas im Herbst 2012 von einer „Schwerpunktsetzung“ Richtung Asien die Rede, sondern nur von „Rebalancierung“ der Asien-Strategie. Doch sind das allenfalls semantische Verrenkungen, die wenig daran ändern, dass sich die US-Außenpolitik langfristig auf einen neuen Kurs begeben hat. Längst stehen in Washington die Transatlantiker in einem Wettbewerb mit den Transpazifikern.

Streit um Militärstrategie

Das hat Gründe. In Asien lebt etwa die Hälfte der Weltbevölkerung. Dort liegen in enger Nachbarschaft zueinander vier Atommächte oder Möchtegern-Atommächte – Pakistan, Indien, China, Nordkorea. Im Südchinesischen Meer, einer der wichtigsten Handelsrouten Asiens, werden gewaltige Rohstoffvorkommen vermutet. China ist zugleich zum wichtigsten Handelspartner aller ostasiatischen Staaten außer den Philippinen geworden. Der Konkurrenzkampf ist also ein handfester wirtschaftlicher Konflikt.

Den Transpazifikern in Washington hat aber gerade das vergangene Jahr einen Rückschlag beschert. Wegen des Streits um den US-Haushalt und wegen des Verwaltungsstillstandes musste Präsident Obama im Herbst eine wichtige Reise nach Asien absagen. In Staaten wie den Philippinen und Indonesien machte sich Enttäuschung breit. „Wie können die USA ein verlässlicher Partner sein, wenn Präsident Obama sein eigenes Haus nicht in Ordnung halten kann?“, hieß es in der philippinischen Hauptstadt Manila.

Einige Wochen später zeigte Obama Muskeln, auch um diese Skeptiker zu beruhigen. Als China einseitig eine sogenannte Luftraumüberwachungszone über dem Ostchinesischen Meer ausrief, die von ausländischen Flugzeugen nur noch nach Voranmeldung gekreuzt werden durfte, ließ der US-Präsident unbewaffnete B-52-Bomber durch die Zone fliegen – ohne eine Anmeldung.

Asien-Experten in den USA glauben, dass sich Washington, Tokio und Seoul mit Peking auf klare Spielregeln einigen müssen, damit aus dem Konflikt kein Krieg wird. Wann immer sich Schiffe und Flugzeuge beider Lager begegnen, sollen sie – ähnlich wie früher Amerikaner und Sowjets – wissen, wie weit sie gehen dürfen.

Andererseits könnten sich Pekings anhaltende Provokationen auch positiv für die USA auswirken, schreibt etwa Professor Victor Cha von der Georgetown University in Washington. Seine These: Je mehr China versuche, den US-Führungsanspruch in Ostasien zu delegitimieren, desto mehr erinnerten sich die asiatischen Regierungen daran, dass ihnen nur Amerika Schutz bieten könne.

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