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China Peking verachtet sozial Schwache

Die Volksrepublik China geht menschenverachtend mit den sozial Schwachen um. Künstler begehren unter Einsatz ihrer Freiheit gegen die Ungerechtigkeit auf.

China
Eine Wanderarbeiterin schafft noch Brauchbares aus den Trümmern einer nicht mehr geduldeten Arbeitersiedlung am Rande Pekings fort. Foto: rtr

Sie wühlen sich durch den Schutt, auf der Suche nach Sachen, die sie noch brauchen können. „Hier“, sagt Yang Hongwei und stützt sich auf seine Schaufel, „stand das Haus, wo wir gewohnt haben. Und hier drüben war ein kleiner Hof, wo ich manchmal eine Zigarette geraucht habe.“ Yang, 37 Jahre alt, trägt die Arbeitskleidung, die er auch auf der Arbeit trägt. Die dicken Arbeitshandschuhe helfen mit den Scharfen Kanten der Trümmerstücke. Es stehen auch verbogene und verdreht Metallteile hervor, und die Bruchkanten von Glasscheiben. „Die Zerstörung ist ungeheuerlich“, sagt Yang. „Hier war ein ganz normales Wohnhaus.“

Peking hat innerhalb von nur anderthalb Monaten die Stadtviertel abgerissen, in denen der ärmere Teil der Bevölkerung wohnt. Chinas Hauptstadt wolle „eine lebenswerte, moderne Weltmetropole werden“, hat die Stadtverwaltung vorgegeben. „Einwohner niedrigster Klasse“ störten da nur, so die Beamten. Der Satz ist bereits zu einem spöttischen Internet-Mem geworden und hat einen Wikipedia-Eintrag: „niedrigklassige Einwohner von Peking“. Jetzt wühlen sich diese Menschen durch die Reste ihrer Heimstätten. Ohne Übergangsfristen, ohne Sozialplan, ohne Nachzudenken hat die Stadt die Abrissbagger geschickt.

Nicht nur ihre Behausungen, das ganze Leben der Wanderarbeiter liegt in Trümmern. „Wir hatten vor, uns in Peking etwas aufzubauen, haben davon geträumt, dass unser Sohn als Pekinger aufwächst“, sagt Yang. „Es war hier ja nicht alles perfekt. Aber wir das auf uns genommen. Wir haben sogar geglaubt, hier gebraucht zu werden.“ Schließlich funktioniert der gigantische Billiglohnsektor, auf dem sich Pekings „höherklassige“ Elite ausruht, nur dank der Arbeitskraft von Leuten wie Yang und seiner Frau. Sie arbeitet als Kellnerin in einem Imbiss. Er arbeitet in einer Wohnanlage als Handlanger der Hausverwaltung. Das Ehepaar will nun samt Kind noch bis zum Frühlingsfest Mitte Februar bleiben und schauen, ob sie eine neue Bleibe finden. Sonst müssen sie Peking verlassen.

Die Aussicht darauf, dass das eigenen Kind einmal als Pekinger aufwächst – das war für viele der Ansporn, in die große Stadt zu ziehen. Offiziell war der Zuzug nicht erlaubt, aber es wurde geduldet. Die Bevölkerung der chinesischen Hauptstadt schwoll so von sechs Millionen Menschen Mitte der 80er Jahr auf heute 22 Millionen an.

Die Wanderarbeiter haben den schnellen Umbau der grauen sozialistischen Hauptstadt zur modernen Metropole erst möglich gemacht. Doch ihr Zustrom, getrieben von der Hoffnung auf sozialen Aufstieg, wurde auch zum Problem. Denn Peking hat nicht genug Wasser, Straßen und Wohnraum für alle. Und den begehrten Status als offizieller gemeldeter Hauptstädter gibt es nur für eine hochqualifizierte Minderheit.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier China

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