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Chemnitz Es wird geredet, es wird gepöbelt

Oberbürgermeisterin Ludwig ausgebuht +++ Ministerpräsident Kretschmer fordert Bekenntnis gegen Rechts +++ Bundespolizei in Chemnitz +++ Das Minutenprotokoll zum Donerstagabend in Chemnitz.

Chemnitz
Protest der Gruppierung "Pro Chemnitz" am Donnerstag. Foto: afp

In Chemnitz brodelt es. Nach den Ausschreitungen in Chemnitz besucht am Donnerstag Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer die Stadt, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. Auslöser war der gewaltsame Tod eines Mannes beim Stadtfest.

Als Reporter vor Ort in Chemnitz sind für uns Margarethe Gallersdörfer, Annika Leister und Julia Grass. Es folgen wichtige Entwicklungen des Abends im Live-Ticker:

21.20 Uhr -  Während es beim Gespräch noch hoch hergeht, zerstreuen sich die Demonstranten draußen langsam. Rund 900 Menschen folgten nach Polizeiangaben diesmal dem Aufruf der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz. Diese hatte bereits am Montag zu der Demonstration mobilisiert, die schließlich in teilweise Ausschreitungen mit mehreren Verletzten mündete.

20.20 Uhr - Beim „Sachsengespräch“ versprach Ministerpräsident Kretschmer vor rund 500 Zuhörern, es werde alles getan, um den Tod des 35-Jährigen aufzuklären. „Die Mühlen der Justiz mahlen manchmal etwas langsam, aber sie arbeiten sehr gründlich“, sagte Kretschmer.

Es müsse dafür gesorgt werden, dass nicht Halbwahrheiten, Stimmungsmache und Fake News die Oberhand gewinnen. Grundlage des Zusammenlebens seien Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Der sächsische Regierungschef sagte weiter, er wisse, dass nicht alle Chemnitzer rechtsradikal seien. Die Stimmung in der Stadt am Sonntag und Montag habe allerdings dazu geführt, „dass mancher außer Rand und Band“ geraten sei.

Oberbürgermeisterin Ludwig sagte, die Chemnitzer hätten in den zurückliegenden Jahren vieles erreicht: „Lassen Sie uns das nicht zerstören.“ Sachsens stellvertretender Ministerpräsident, Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD), mahnte mit Blick auf Beobachter und Medien von außerhalb: „Geht fair mit diesem Land und den Menschen um!“

19.23 Uhr - Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig wird für ihren Aufruf zur Mäßigung und friedlichem Zusammenleben heftig ausgebuht. Manche Teilnehmer des Bürgergesprächs rufen „Heuchelei“. Ludwig setzt ihre Ansprache fort und sagt: „Es gibt hier Regeln, an die man sich halten muss.“

19.14 Uhr - Ministerpräsident Kretschmer ruft die Chemnitzer auf, sich von Rechtsradikalen zu distanzieren. Wenn bei einer Kundgebung der Hitler-Gruß gezeigt werde, „dann ist es schlecht, dort dabei zu sei“. Er sei es Zeit zu gehen. „Jetzt wird jeder gebraucht, auch an dieser Stelle sich zu bekennen, sich einzumischen.“

19.06 Uhr - Ministerpräsident Kretschmer fordert zu Beginn des Bürgerdialoges zu einer Schweigeminute im Gedenken an den getöteten Deutschen auf. Danach appelliert er, ehrlich zu sagen, „was wir fühlen, was uns aufregt“. Er verspricht, dem Eindruck entgegenzutreten, alle Chemnitzer seien rechtsradikal.

18.55 Uhr - Kurz vor dem geplanten Eintreffen von Ministerpräsident Kretschmer zum Bürgerdialog haben sich einige hundert Demonstranten vor dem Stadion versammelt. Ihre Schreie sind bis in die Stadionräume zu hören, in denen sich Kretschmer und andere Mitglieder der Landesregierung den Fragen von Bürgern stellen wollen. Zu der Kundgebung vor dem Stadion hat die rechtsgerichtete Organisation „Pro Chemnitz“ aufgerufen.

Die Bundespolizei ist eingetroffen und unterstützt am Donnerstag mit eigenen Kräften die sächsische Landespolizei in der Stadt. (mit rtr, epd, afp)

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