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Chemnitz Entsetzen über „Pogromversuche“ in Chemnitz

Politiker und Organisation zeigen sich entsetzt über die rechtsradikalen Ausschreitungen in Chemnitz. Derweil beantragt die Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen zwei mutmaßliche Täter.

27.08.2018 14:32

Nach dem gewaltsamen Tod eines Manns auf dem Chemnitzer Stadtfest sind Haftbefehle gegen zwei Tatverdächtige beantragt worden. Wie die Staatsanwaltschaft Chemnitz am Montag mitteilte, wird einem 23-jährigen Syrer und einem 22-jährigen Iraker gemeinschaftlicher Totschlag vorgeworfen.

In der Nacht zum Sonntag war es am Rande des Chemnitzer Stadtfests zu einer Auseinandersetzung zwischen mehreren Menschen unterschiedlicher Nationalitäten gekommen. Dabei wurden drei Männer schwer verletzt. Ein 35-Jähriger starb später im Krankenhaus. Zwei Männer, die zunächst vom Tatort flüchteten, wurden anschließend vorläufig festgenommen.

Die 22 und 23 Jahre alten Männer seien aufgrund der bisherigen Ermittlungen „dringend verdächtig“, nach einem verbalen Streit ohne Grund mehrfach mit einem Messer auf den 35-jährigen Deutschen eingestochen zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie sollten dem Haftrichter am Amtsgericht Chemnitz vorgeführt werden, der über die Haftanträge entscheiden muss.

Das Tatmotiv sowie der genauer Ablauf der Tat blieben zunächst weiter im Dunkeln. Die Staatsanwaltschaft gab dazu mit Verweis auf die andauernden Ermittlungen nichts bekannt. Die Polizei dementierte Gerüchte, wonach es angeblich einen zweiten Todesfall gegeben habe. Zuvor hatte sie bereits Spekulationen zurückgewiesen, wonach der Auseinandersetzung die Belästigung einer Frau vorausgegangen sein soll. Nach der Gewalttat hatte sich die Situation in Chemnitz hochgeschaukelt, auch befeuert durch Gerüchte in den sozialen Netzwerken.

Michael Kretschmer verurteilt rechte Stimmungsmache

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat die rechte Stimmungsmache nach dem Tötungsdelikt an einem 35-Jährigen in Chemnitz verurteilt. „Es ist widerlich, wie Rechtsextreme im Netz Stimmung machen und zur Gewalt aufrufen“, schrieb Kretschmer am Montag im Kurzbotschaftendienst Twitter

Die Tat müsse umfassend aufgeklärt, und die Täter müssten zur Verantwortung gezogen werden, erklärte Kretschmer. Dazu brauche es „ein umfassendes Bild von den Geschehnissen und keine Mutmaßungen, Spekulationen und Gerüchte“. „Wir lassen nicht zu, dass das Bild unseres Landes durch Chaoten beschädigt wird“, fügte er hinzu.

Für die Grünen trägt dagegen die CDU-geführte Regierung unter Kretschmer Mitschuld an der Eskalation. Es fehle seit Jahren eine klare Haltung, und man habe jene gewähren lassen, die hetzten und zündelten, erklärte Parteichefin Christin Melcher am Montag in Dresden.

Vorfälle wie in Heidenau oder Clausnitz und das teils zögernde Eingreifen von Polizeibeamten dort hätten ein Signal gegeben, dass solche Gewaltexzesse nicht durchgreifend geahndet werden. „Nicht ohne Grund wurde immer wieder von dem Mob gebrüllt, Chemnitz sei seine Stadt.“ Die erschreckenden Bilder aus Chemnitz zeigten ein neues Ausmaß von Gewalt und Kontrollverlust.

Türkische Gemeinde empört über „Pogromversuche“

Bei Vertretern der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD) herrscht Entsetzen. „Ist es schon wieder soweit in diesem Land, dass Rassisten Jagd auf Menschen machen?“, fragte der TGD-Bundesvorsitzende Atila Karabörklü am Montag. Was in Chemnitz geschehen sei, sei nicht als „Proteste“ zu klassifizieren, sondern als „Pogromversuche“.

Der zweite TGD-Vorsitzende, Gökay Sofuoglu, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) auf, Stellung zu beziehen. Er sagte, sie „dürfen zu den rassistischen Übergriffen in Chemnitz nicht schweigen“. (FR/afp/dpa)

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