Lade Inhalte...

CDU Wahlkampf unter Freunden

1. UpdateAuf der CDU-Regionalkonferenz in Lübeck stellen sich Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn den Fragen der Basis.

Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn
Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn auf der CDU-Regionalkonferenz. Foto: rtr

Die erste Abstimmung erfolgt gleich am Anfang. Drei Kandidaten stehen auf der Bühne. Alle wollen sie den CDU-Vorsitz übernehmen. Es gibt großen Applaus bei Annegret Kramp-Karrenbauer, etwas mehr und begeisterte Pfiffe für Friedrich Merz, etwas weniger für Jens Spahn. Vorteil Merz also. „Fröhlich“, befindet, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther als Gastgeber des Abends. Der beginnt erst, genauso wie der Wettbewerb um den Parteivorsitz. Es ist die erste der acht Regionalkonferenzen der CDU, 800 Parteimitglieder sind dafür nach Lübeck gekommen, vor allem aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Schwarz-rot-gelb ist die Bühne. Anfang Dezember entscheidet ein Parteitag. Bis dahin müssen die Kandidaten versuchen einen Trend für sich aufzubauen.

In Lübeck gibt es erst Applaus. Dann gibt es ein Bild: Die Kandidaten losen die Reihenfolge für ihre Reden aus. Kramp-Karrenbauer zieht das Schild mit der Nummer 1 und hält es in die Höhe, Merz hat die Nummer 2. Spahn die Nummer drei. Bilder bleiben oft hängen. Vorteil Kramp-Karrenbauer.

Zehn Minuten hat dann jeder für seine Rede. Kramp-Karrenbauer sagt Dynamik, Erneuerung und neue Stärke. „Diese Partei lebt und sie will diskutieren“, ruft sie, verweist darauf, dass sie viel in der Partei unterwegs gewesen sei, sagt nicht: Anders als Friedrich Merz, aber das schwingt mit. Und macht dann doch noch einen inhaltlichen Punkt: „Seit September 2015 haben viele Zweifel, ob wir noch Partei der Sicherheit sind“, sagt Kramp-Karrenbauer mit Blick auf den Beginn der Flüchtlingsdebatte. Ihre Gegner werfen der Generalsekretärin vor, zu nah an Kanzlerin Merkel zu sein. Kramp-Karrenbauer nutzt ihre zehn Minuten, um sich abzugrenzen: Nach dem Parteitag müsse man sich zusammensetzen und „endgültig klären, wie wir den Herbst 2015 beurteilen“. Und auch, was daraus folge. „Wenn wir das schaffen, dann sind wir stark“, sagt Kramp-Karrenbauer. Merkels „Wir schaffen das“ hat ein neues Ziel.

Dann ist Merz an der Reihe und erntet erstmal Spott: „Es macht richtig Spaß, wieder dabei zu sein“, sagt er.  Er merke jetzt erst „was mir in den letzten Jahren ein bisschen gefehlt hat“. Der Saal antwortet ironisch mit einem kollektiven: „Oooh.“ Seine Ideen hat Merz durchnummeriert. An erster Stelle steht: „Die CDU ist eine Volkspartei der Mitte. Wir führen sie nicht nach links, nicht nach rechts.“ Er lobt Merkel, ein ums andere Mal, kluge Positionierung gegenüber USA, richtiger Ansatz da und die Aggression der CSU – eine Unverschämtheit, kein christlicher Umgang. Das Image des Neoliberalen, des Mannes, der Merkel stürzen will, soll an diesem Abend verschwinden, das wird klar. Wie Kramp-Karrenbauer fordert er mehr Beteiligung. Und auch er will etwas schaffen: „Wenn wir das schaffen, können wir 40 Prozent erreichen, dann traue ich mir zu, die Afd zu halbieren. Das geht“, ruft er. Der Saal jubelt.

Offenheit in Deutschland bewahren

Spahn wird gleich anmerken, es wäre schön gewesen, wenn Merz sich schon in den letzten Jahren mit eingebracht hätte in der CDU. Der Hinweis auf Merkel ist: Die CDU habe die AfD groß gemacht, könne sie aber auch wieder klein kriegen.

Spahn erwähnt, dass er in Schleswig-Holstein leckeren Labskaus gegessen habe, verspricht sich ausgerechnet beim Wort „konservativ“ und bringt dann noch seine Mutter ins Spiel. Die habe gefragt, warum er sich für dieses Amt bewerbe. „Mama, weißt Du noch, wie das war vor 20 Jahren?“ habe er zurückgefragt. Es gebe nun eine „wahnsinnig entspannte Gelassenheit und Offenheit“ in Deutschland. Die wolle er bewahren

Dann fragen die Zuhörer, zwei Stunden lang. Es geht um Fahrverbote, Wölfe, Plastikmüll in den Meeren, um Donald Trump und Wohnungsnot. Nur in einer Frage schwingt das Flüchtlingsthema mit.

Das CDU-Wehmuts-Thema Wehrpflicht klingt an: Keiner der Kandidaten befindet, die Wehrpflicht müsse wieder eingeführt werden. Der hessische Unternehmer Andreas Ritzenhoff, der sich auch um den CDU-Vorsitz kandidieren will, aber noch keine Unterstützer in der Partei gefunden haben, fragt nach Konzepten in der Chinapolitik.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Die CDU nach Merkel

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen