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CDU-Vorsitz „Friedrich, wir brauchen dich“

Im Lager der Merz-Unterstützer herrscht großer Frust. So manch einer wünscht ihn sich in Merkels Kabinett - doch das ist unwahrscheinlich.

Friedrich Merz
Wenn es nach seinen Anhängern geht, soll Friedrich Merz als Minister in Merkels Kabinett berufen werden. Foto: rtr

Annegret Kramp-Karrenbauer ist neue CDU-Vorsitzende und der eine Sprecher des Wirtschaftsflügels ist weg. Christian von Stetten, Bundestagsabgeordneter aus Baden-Württemberg, Chef des Parlamentskreises Mittelstand (PKM) und einer der vehementesten Unterstützer von Friedrich Merz, ist nicht aufzufinden. Von Stetten wird ans Rednerpult gerufen an diesem zweiten Tag des Parteitags in Hamburg in einer Debatte, zu der er sich gemeldet hat. Das Pult bleibt leer.

Der zweite Sprecher des Wirtschaftsflügels geht nach vorne. Carsten Linnemann, Präsident der Mittelstandvereinigung von CDU und CSU (MIT), er tritt meist bedächtig auf. Dieses Mal schreit er fast ins Mikrophon: Es sei kein Geheimnis, dass seine Vereinigung Merz unterstützt habe. Aber: „Das war ein demokratisches Verfahren und ich bitte alle, jetzt mitzumachen.“ Das geht an die Anhänger von Merz. An seinen Favoriten richtet er ein Flehen: „Lieber Friedrich, bleib bitte bei uns. Friedrich, wir brauchen dich.“

Noch ist er da anwesend, der „liebe Friedrich“. Er sitzt weiter ganz vorne im Saal, mit gutem Blick auf den Platz des Parteichefs links neben dem Rednerpult. Nach seiner Niederlage hat der Wirtschaftsanwalt seine Mithilfe in der CDU erklärt, aber offen gelassen, wie diese aussehen könne. Wahlkampfauftritte könnten das sein für die kommenden Landtags- und Europawahlen. In NRW arbeitet er in einer Brexit-Kommission mit. Unter seinen Unterstützern machen Überlegungen die Runde, Merz als Minister ins Kabinett Merkel zu holen. „Für die Stimmung wäre das gut“, sagt ein Bezirksvorsitzender aus Baden-Württemberg. „Damit könnte man das Lager der Enttäuschten wieder aufbauen.“ Er setzt aber gleich hinzu: „Dass das passiert, ist eher unwahrscheinlich.“ Merkel werde sich nicht ihren Widersacher ins Kabinett holen. 

Es gibt sowieso einige, die bezweifeln, dass Merz bereit sein würde, unter Merkel zu arbeiten. Vor 15 Jahren, als sie ihn vom Fraktionsvorsitz verdrängte, hat er es jedenfalls nicht lange ausgehalten auf dem Vize-Posten.

Und wie lässt sich das Merz-Lager sonst erreichen? Verletzt, verbittert bis beleidigt sind dort so manche Protagonisten. Nur 17 Stimmen haben Merz zu einem Sieg gefehlt. Auch wenn ein knappes Ergebnis erwartet worden war – es ist ein Ausgang, das aus der Niederlage fast einen Zufall macht. 

Ein zentraler Mann des Merz-Lagers spricht von unfairen Wettbewerbsbedingungen: Die Delegiertennamen seien nicht weitergegeben worden – wie habe man da vernünftig Wahlkampf machen sollen? An die Kanzlerin geht von diesen Leuten der Vorwurf der Parteilichkeit: Sie habe Merz nicht vor dem Vorwurf des Lobbyistentums in Schutz genommen. Und dann geht da – laut Spiegel-Online – noch das Gerücht um, die Parteitagsregie habe bei Merz‘ Rede dessen Mikrophon leiser gedreht. Und was macht Merz? Der Kanzlerkandidat der CDU ist noch nicht bestimmt. Vielleicht ist das sein nächstes Projekt.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Die CDU nach Merkel

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