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CDU/CSU Und wieder geistert Kreuth

Geschichte wiederholt sich vielleicht doch. November 1976 löste die CSU den Bund mit der CDU.

Franz-Josef Strauß und Helmut Kohl
Die Rivalen aus Kreuth: Franz-Josef Strauß und Helmut Kohl (Archivbild). Foto: imago

Das kennen sie in der CDU zur Genüge. Immer dann, wenn der Schwesterpartei CSU eigenem Empfinden nach das Wasser bis zum Hals steht, kommt der „Geist von Kreuth“ ins Spiel. So ist es auch jetzt, da sich CDU-Chefin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer einen erbitterten Streit um die Flüchtlingspolitik liefern. Was steckt dahinter?

Es war im November 1976, als dem damaligen CSU-Chef Franz Josef Strauß der Kragen platzte. Wenige Wochen zuvor hatte die Union aus CDU und CSU zwar die Bundestagswahl vor der SPD gewonnen. Zur absoluten Mehrheit reichte es aber wieder nicht, Helmut Schmidts SPD regierte weiter mit der FDP. Strauß, der ein erbitterter Rivale des damaligen CDU-Chefs Helmut Kohl war, rief also die Mitglieder der CSU-Landesgruppe im Bundestag in Wildbad Kreuth zusammen. Dort fiel am 19. November 1976 dann eine Entscheidung, die seither als „Geist von Kreuth“ bezeichnet wird.

Die CSU kündigte ihre Fraktionsgemeinschaft mit der CDU auf und drohte, bei künftigen Bundestagswahlen im gesamten Bundesgebiet anzutreten. Das wäre das Ende einer geschwisterlichen Beziehung zwischen der CDU und der bayerischen Regionalpartei gewesen, die seit Bestehen des Bundestages 1949 zu einer Konstante im konservativen Parteienspektrum geworden war. 

Doch die Trennungsphase war von kurzer Dauer. Helmut Kohl schlug zurück und drohte, einen CDU-Landesverband in Bayern zu gründen. Der Druck auf Strauß stieg, und schon 23 Tage später hob die CSU den Trennungsbeschluss wieder auf. Indirekt führte das Aufbegehren der CSU zwar dazu, dass Strauß 1980 zum Kanzlerkandidaten der Union gekürt wurde. Doch auch er verlor die Wahl gegen Helmut Schmidt.

Politisch hat die Trennung der CSU nichts gebracht. Das sagte auch der frühere Parteichef Theo Waigel 2016, als er den 40. Geburtstag des „Geistes von Kreuth“ kommentieren sollte. Waigel, Gegner des damaligen Trennungsbeschlusses, sagte: „Zwei Unionsparteien nebeneinander, mit fast deckungsgleichen Inhalten und Zielen, das funktioniert nicht. Die Theorie vom getrennten Marschieren und gemeinsamen Schlagen ist in der Praxis nicht möglich.“

Für die Vergangenheit mag das zutreffen. Als in vergangenen Tagen jedoch der „Geist von Kreuth“ wieder durch den Bundestag spukte, war schnell zu erkennen: Es kann keine Rede mehr von „fast deckungsgleichen Inhalten und Zielen“ zwischen der CDU-Chefin und dem CSU-Chef. Und weil das so ist, ist auch nicht ausgeschlossen, dass Horst Seehofer am Montag wieder einmal den „Geist von Kreuth“ aus der Flasche lässt. Die Folgen wären dann aber möglicherweise dramatischer als vor 42 Jahren.

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