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Cambridge Analytica Wahlkampf mit Facebook-Daten

2. UpdateDer Marktforscher Cambridge Analytica steht unter Beschuss. Im britischen Unterhaus wird sogar die Aussage von Mark Zuckerberg erwartet. CA suspendiert seinen Chef Alexander Nix.

Alexander Nix
Sinn fürs Dramatische: Cambridge-Analytica-Boss Alexander Nix (grauer Mantel) am Dienstag auf dem Weg ins Büro. Foto: rtr

Ermittlungen rund um den Globus, ein Zerwürfnis mit dem Sicherheitschef und massive Kurseinbußen an der Börse – Facebook gerät im Zuge des jüngsten Datenskandals immer stärker unter Druck. Nachdem der kalifornische Konzern in der vergangenen Woche die illegale Weitergabe der Daten von 50 Millionen Kunden öffentlich gemacht hatte, steht außerdem die beschuldigte Marktforschungsfirma Cambridge Analytica (CA) im Kreuzfeuer. Im Gespräch mit britischen Undercoverreportern rühmte sich CA-Boss Alexander Nix dubioser Methoden zur Beeinflussung von Wahlkampagnen, nannte Erpressungsversuche bestimmter Kandidaten mit Prostituierten und korrupte Geschäftsangebote. Das Unternehmen hat Nix inzwischen für die Dauer der Ermittlungen suspendiert.

Die britische Datenschutzbeauftragte Elizabeth Denham hat nun einen richterlichen Durchsuchungsbefehl für die Firmenräume beantragt; der Medienausschuss des Unterhauses hat Nix sowie Facebook-Boss Mark Zuckerberg zu einer Anhörung vorgeladen. Bereits befragte Abteilungsleiter des Internetkonzerns hätten das Risiko von Datenleaks heruntergespielt und dadurch sein Komitee in die Irre geführt, schrieb der konservative Ausschussvorsitzende Damian Collins am Dienstag. Er verlange nun Informationen von einem Facebook-Manager „mit ausreichender Autorität“, teilte Collins Zuckerberg mit und erinnerte an dessen Neujahrsversprechen von größerer Transparenz: „Hoffentlich sind Sie dieser Manager.“

Zuckerberg kann sich drücken, Nix nicht

Die US-Aufsichtsbehörde FTC habe ebenfalls Ermittlungen zu dem Fall eingeleitet, berichtete der Finanzdienst Bloomberg. Sollte sie eine Verletzung der Datenschutzregeln feststellen, kann sie hohe Strafen verhängen. Anleger zeigten sich verunsichert. Sie befürchten schärfere Auflagen für Facebook, die es dem Konzern erschweren könnten, seine Werbemaschinerie am Laufen zu halten. Die Facebook-Aktie setzte am Dienstag ihre Talfahrt fort.

Facebook hat nach eigenen Angaben Prüfer der Firma Stroz Friedberg engagiert. Diese sollen untersuchen, ob Cambridge Analytica weiterhin im Besitz der Daten ist. Am Montag seien die Prüfer in deren Londoner Büro gewesen. Konzernintern gibt es ebenfalls Bewegung: Insidern zufolge muss sich Facebook einen neuen Sicherheitschef suchen. Alex Stamos will das Unternehmen wegen Unstimmigkeiten im Umgang mit der mutmaßlichen russischen Desinformationskampagne verlassen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person Reuters. Die „New York Times“ hatte zuerst darüber berichtet.

Während US-Bürger Zuckerberg der Einladung nicht Folge zu leisten braucht, wird der Brite Nix um die Teilnahme an der Anhörung nicht herumkommen. Bisher galt der 42-Jährige in der Welt des Onlinemarketings als Star. „Unsere revolutionäre Arbeitsweise hatte wesentlichen Anteil an Donald Trumps außergewöhnlichem Sieg“, prahlte Nix gern.

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