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Burkina Faso Militär übernimmt die Macht

Den neuen Machthaber kennt kaum jemand in Burkina Faso. Der Armeeoffizier im Präsidentenpalast verspricht einen demokratischen Übergang. Doch die Menschen trauen ihm nicht – international wird der Ruf nach demokratischen Wahlen lauter.

02.11.2014 23:22
Isaac Zida ist Übergangspräsident in Burkina Faso. Foto: AFP

Bei Protesten gegen die Machtübernahme des Militärs in Burkina Faso ist ein Mensch getötet worden. Das bestätigte ein Sprecher des Vize-Kommandeurs der Präsidialgarde, Isaac Zida, der das westafrikanische Land als Übergangspräsident führen soll.

Angesichts der unübersichtlichen Lage riet das Auswärtige Amt am Sonntag von Reisen in das westafrikanische Land ab. Die Bundesregierung appellierte zudem an die Armee, die Macht unverzüglich an die verfassungsmäßigen Staatsorgane zurückzugeben.

Die USA forderten umgehend freie und faire Präsidentwahlen. Der nach Massenprotesten abgetretene Langzeit-Herrscher Blaise Compaoré hat sich in die benachbarte Elfenbeinküste abgesetzt.

Soldaten gaben laut Medienberichten am Sonntag Warnschüsse ab, um tausende Demonstranten in der Hauptstadt Ouagadougou auseinanderzutreiben. Die Kundgebungsteilnehmer forderten, dass auch Zivilisten an der Macht im Land beteiligt werden müssten.

Demonstranten stürmten das Gebäude des staatlichen Fernsehens. Dort wollten sich der ehemalige Verteidigungsminister und Armeechef Kouame Lougue und Oppositionsführer Saran Sereme jeweils selbst zum Präsidenten erklären. Kouame wurde nach einem kurzen TV-Statement von Soldaten abgeführt; bevor Sereme zu Wort kommen konnte, wurde die Ausstrahlung beendet.

8 Millionen unter der Armutsgrenze

Das Militär nannte die Proteste unverantwortlich. Aktionen dieser Art würden mit aller Härte unterbunden. Ein Armeesprecher sagte, Ziel der Militärs sei es, Chaos im Land zu verhindern. Zida bezog den Präsidentenpalast, versprach einen „friedlichen, demokratischen Übergang“ und kündigte Wahlen innerhalb von drei Monaten an.

Auch Armeechef Honoré Traoré sagte Zida seine Unterstützung zu. Traoré hatte zunächst selbst Anspruch auf die Staatsführung erhoben. Allerdings gab es in den Reihen der Opposition starken Widerstand gegen ihn, da Traoré als Gefolgsmann der alten Staatsführung gilt.

Der bisherige Präsident Compaoré hatte sich am Freitag den Protesten gegen seine geplante Amtszeitverlängerung beugen müssen. Der 63-Jährige war vor fast 30 Jahren mit einem Putsch in der früheren französischen Kolonie Obervolta an die Macht gelangt.

Von den 17 Millionen Einwohnern in Burkina Faso lebt die Hälfte unter der absoluten Armutsschwelle. Das Land ist fast ausschließlich auf die Landwirtschaft angewiesen. Jugendarbeitslosigkeit und Analphabetismus sind weit verbreitet. Im „Human Development Index 2013“ rangiert Burkina Faso auf Platz 181 von insgesamt 187 Ländern.

Die Opposition hatte ihre Proteste gegen Compaoré in Anlehnung an den Arabischen Frühling hoffnungsvoll als „Schwarzen Frühling“ gefeiert. Im Zuge der Demonstrationen war unter anderem das Parlamentsgebäude angezündet worden und abgebrannt. (dpa)

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