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Bundeswehr Zahl der minderjährigen Rekruten auf Höchststand

Die Zahl der minderjährigen Rekruten bei der Bundeswehr hat einen neuen Höchststand erreicht. Die Linksfraktion fordert ein Stopp der Rekrutierung von Minderjährigen.

10.11.2016 11:42
Jacqueline Rother
Rekruten auf dem Paradeplatz im Bendlerblock in Berlin. Foto: imago stock&people

Von der Schulbank hinters Gewehr – immer mehr Minderjährige fangen eine Ausbildung bei der Bundeswehr an. Mit über 1500 erreicht die Zahl einen neuen Höchstwert, wie das Verteidigungsministerium auf Anfrage der Linken mitteilt. Jugendliche können mit Einverständnis ihrer Eltern schon mit 17 Jahren bei der Truppe anfangen. Zu Auslandseinsätzen und Wachdiensten werden sie zwar erst mit 18 Jahren eingeteilt, aber an Waffenübungen nehmen sie im Rahmen der Grundausbildung bereits teil.

„Die Forderung nach einem Rekrutierungsstopp für Minderjährige ist aktueller denn je“, sagte die Sprecherin für Demografiepolitik der Grünen im Bundestag, Doris Wagner, der Frankfurter Rundschau. Sie fordert, die Rekrutierung von unter 18-Jährigen einzustellen. „Mit ihrer neuen Youtube-Serie wirbt die Bundeswehr derzeit ganz unverhohlen und offensiv um möglichst jugendlichen Nachwuchs. Aber Minderjährige haben in der Bundeswehr nichts verloren.“ Es sei absurd, dass man sich Sorgen darüber mache, welche Folgen Videospiele für die seelische Entwicklung von Jugendlichen hätten – und gleichzeitig Jugendliche bei der Bundeswehr an realen Waffen ausbilde.

Auch die Linke hält die Rekrutierung von Minderjährigen für einen „Skandal“, so der Abgeordnete Norbert Müller, kinder- und jugendpolitischer Sprecher der Partei im Bundestag, der Zeitung „Welt“. Das müsse aufhören, denn Schutzrechte von Kindern und Jugendlichen müssten Vorrang vor militärischen Interessen haben.

Praxis gegen UN-Protokoll

Die Linke verweist auf neuere Befunde der Hirnforschung, nach denen die Gehirnentwicklung junger Menschen erst zu Beginn der dritten Lebensdekade abgeschlossen sei. Die Linke will an diesem Donnerstag einen Antrag in den Bundestag einbringen, wonach die Rekrutierung von Minderjährigen sofort beendet werden soll.

Deutschland hat 2004 das Fakultativprotokoll „Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten“ zur UN-Kinderrechtskonvention miterarbeitet und ratifiziert. Die Forderungen des internationalen Bündnisses „Coalition to Stop the Use of Child Soldiers“, dass Jugendliche unter 18 nicht angeworben, zwangsrekrutiert oder in Feindseligkeiten eingesetzt werden sollen, wurden dabei berücksichtigt. Die Mehrheit der UN-Staaten hat erklärt, auf die Einbeziehung von Minderjährigen in ihre Streitkräfte zu verzichten.

Deutschland lässt aber immer noch Minderjährige zu. „Die Rekrutierung von Jugendlichen untergräbt den internationalen Kampf gegen den Einsatz von Kindersoldaten“, sagt Doris Wagner. „Wie können wir von anderen verlangen, nur Volljährige zu Soldaten zu machen, wenn wir selbst uns nicht daran halten? Mit minderjährigen Rekruten macht sich Deutschland bei diesem wichtigen Thema einfach unglaubwürdig.“ Deswegen hatten die Grünen bereits 2011 eine kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt, in der die Rekrutierung von unter 18-Jährigen in Deutschland kritisch hinterfragt wird.

Doppelt so viele Rekruten

Die Bundesregierung begründet die Zulassung von 17-Jährigen damit, dass die Einbeziehung freiwillig erfolge, die Eltern ihre eindeutige Zustimmung geben müssten und eine umfassende Aufklärung über die Pflichten im Militärdienst stattfinde.

Im vergangenen Jahr haben mehr als 21 000 Personen ihren Wehrdienst bei der Bundeswehr angetreten, eine Zahl für 2016 gibt es noch nicht. Die 1500 Minderjährigen machten unter den neuen Rekruten mehr als sieben Prozent ihres Jahrgangs aus. Vor fünf Jahren, als die verpflichtende Wehrpflicht auslief, waren es dagegen nur rund 690 Minderjährige, die eine Ausbildung bei der Bundeswehr begonnen hatten.

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