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Bundeswehr Immer mehr minderjährige Soldaten

SPD, Linke und Grüne kritisieren, dass die Bundeswehr zunehmend 17-Jährige ausbildet.

Feierliches Gelöbnis neuer Rekruten
Die Zahl der minderjährigen Soldaten in der Truppe hat sich verdreifacht. Foto: dpa

Noch nie hatte die Bundeswehr so viele Minderjährige in ihren Reihen wie 2017. Bis Ende vergangenen Jahres traten 2128 Rekruten, die unter 18 Jahren alt sind, ihren Dienst an. Darunter waren 448 junge Frauen. 90 Soldaten waren auch nach Ablauf der sechsmonatigen Probezeit noch minderjährig. Das geht aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag hervor, die der FR vorliegt.

Die Zahl der Minderjährigen ist seit Abschaffung der Wehrpflicht 2011 kontinuierlich gestiegen: Während 2011 noch 689 Minderjährige von der Bundeswehr ausgebildet wurden, waren es im Jahr 2016 bereits 1576.

Als Grund für die höheren Zahlen nennt die Bundeswehr vor allem das geringe Durchschnittsalter deutscher Schulabgänger: „Circa 75 Prozent der Schulabgänger waren 2016 noch minderjährig“, sagte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums. Die Bundeswehr stelle geeignete Bewerber mit frühestens 17 Jahren an – „und nur mit Zustimmung der Eltern“. An Minderjährige werden bei der Bundeswehr nicht in allen Bereichen dieselben Anforderungen gestellt wie an Erwachsene: Sie dürfen zum Beispiel nicht an Auslands- und Wachdiensten teilnehmen, Umgang mit der Waffe dürfen sie nur zu Ausbildungszwecken und unter strenger Aufsicht haben.

Der SPD-Abgeordnete Fritz Felgentreu sieht die hohe Zahl jugendlicher Rekruten dennoch als „Trend, der dringend gestoppt werden muss“. Minderjährige an der Waffe auszubilden, entspreche nicht seinen Vorstellungen von Jugendschutz.

„Wer bestimmte Computerspiele aus Altersgründen noch nicht benutzen darf, soll auch nicht lernen, wie man ein Sturmgewehr bedient“, sagt Felgentreu. Damit die um Personal ringende Bundeswehr „geeignete und motivierte Siebzehnjährige“ nicht abweisen müsse, fordert der SPD-Abgeordnete die Einrichtung eines zivilen Vorbereitungsdienstes. In dreimonatigen Ausbildungsmodulen sollen die Rekruten, die noch keine 18 Jahre alt sind, nach Vorstellung der SPD in Bereichen geschult werden, die sie später als Soldaten „sinnvoll nutzen“ könnten, zum Beispiel in NATO-Englisch oder politischer Bildung. Erst mit Erreichen des 18. Lebensjahrs sollten sie dann aus dem zivilen Bereich in den Dienst in Uniform wechseln, fordert Felgentreu.

Die Linke hingegen lehnt eine Ausbildung von Minderjährigen bei den Streitkräften generell ab. Die Bundeswehr verstoße mit der Anwerbung von Jugendlichen gegen die Bestimmungen der UN-Kinderrechtskonvention, teilt Linke-Abgeordnete Helin Evrim Sommer mit. „Junge Heranwachsende dürfen nicht als Kanonenfutter bei Auslandseinsätzen verheizt werden, sobald sie volljährig geworden sind.“ Die Bundesregierung gefährde außerdem ihre eigenen Bemühungen zur internationalen Ächtung des Einsatzes von Kindersoldaten.

Auch die Grünen äußern scharfe Kritik: „Die Zuwächse deuten darauf hin, dass massiv und gezielt bei Minderjährigen geworben wird“, sagt Grünen-Abgeordnete Agnieszka Brugger, die im Verteidigungsausschuss des Bundestags sitzt. „Ursula von der Leyen sollte endlich aufhören, ihre völlig unrealistischen Personalversprechen mit immer mehr Minderjährigen erreichen zu wollen.“ Der Dienst bei der Bundeswehr sei nicht vergleichbar mit einem Job in irgendeinem beliebigen Unternehmen.

Von der Leyen hatte im Frühjahr 2017 angekündigt, die Streitkräfte bis zum Jahr 2024 auf 198 000 Soldaten aufzustocken. Dazu fehlen weiterhin rund 19.000 Rekruten.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Bundeswehr

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