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Bundeswehr Die Panzerprobleme der Bundeswehr

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will wegen der Spannungen mit Russland ein zusätzliches Panzerbataillon im niedersächsischen Bergen aufstellen lassen. Die Bundeswehr weiß anscheinend aber nicht genau, wie viele Kampfpanzer sie besitzt.

Ein Bundeswehr Kampfpanzer des Typs Leopard 2 A6. Wie viele davon die Bundeswehr besitzt, ist unklar. Foto: dpa

Zuerst scheint es ganz einfach: Die Bundeswehr will in ihrem Bestand 225 Panzer vom Typ Leopard II vorhalten. Wegen der Spannungen mit Russland will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ein zusätzliches Panzerbataillon im niedersächsischen Bergen aufstellen. Das heißt: 44 Panzer mehr. Da die Truppe noch 2011 über 668 „Leo II“ verfügte, sollte es kein Problem sein, die zusätzlichen 44 zu mobilisieren. Ist es aber.

Denn Leopard ist erstens nicht gleich Leopard. Zweitens ist nicht klar, über wie viele Kampfpanzer die Deutschen wirklich verfügen können. Drittens hat die Bundeswehr möglicherweise noch ein weiteres – paneuropäisches – Panzerproblem.

Jens Flosdorff, Sprecher der Verteidigungsministerin, blieb in der Frage der verfügbaren Zahl eher vage: Es gebe „viele Panzer“, die entweder bei der Bundeswehr oder bei den Herstellerfirmen in Deutschland seien, wahrscheinlich eine dreistellige Zahl. Der Berliner Sicherheitsexperte Otfried Nassauer kommt auf Grundlage offizieller Zahlen auf rund 350 Leopard II von der Variante A5 an aufwärts bei der Truppe. Die A5-Leos könnten „mit vertretbarem Aufwand“ weiter modernisiert werden.

Der Großteil dieser Panzer soll bereits modernisiert worden sein, einige darunter sollen auch schon den neuesten Minenschutz haben. 20 Panzer, Variante A6, sollen unter anderem mit neuer Seitenpanzerung und Bordelektronik zum Typ A7 werden. Der erste dieser A7 wurde laut Nassauer im Dezember 2014 ausgeliefert. In den Depots stehen knapp 290 modernste Leoparden – einige davon werden getestet, andere ausgeschlachtet, um Ersatzteile zu sparen. Nach Nassauers Schätzung bleiben nur 20 Leos frei zur Verwendung im neuen Bergener Bataillon. Es fehlen also 24.

Vage Aussagen aus dem Ministerium

Und dann ist da Polen. Dem östlichen Partner sind offenbar 44 moderne Leo II versprochen. Das Versprechen will – auch hier dräuen die Spannungen mit Russland – eingehalten sein. Durch Modernisierung älterer Leoparden könnten diese Engpässe überwunden werden. Einen Leopard aufzurüsten, kostet allerdings mehrere Millionen Euro. Für Ministerialsprecher Flosdorff ist das „kein Projekt für die nächsten Wochen, für die nächsten Monate oder für das nächste Jahr“, sondern wird „mittelfristig betrieben“.

Das Vage an dieser Aussage ist nicht verwunderlich: Das Ministerium braucht dafür keine zusätzlichen Mittel im Haushalt zu beantragen. Da es immer wieder eingeplante Mittel wegen der Lieferschwierigkeiten der Industrie nicht abrufen kann, darf es sie zwischenzeitlich anders verwenden, etwa zur Modernisierung.

Von der Leyen will aber offenbar die Panzerlücke kurzfristig ganz anders schließen. Sie will aber derzeit noch diplomatisch bleiben und nicht zu viel verraten. So wird in ihrem Haus darüber nachgedacht, Polen weniger Exemplare des neuesten Leo-Typs zu liefern, plus zusätzliche ältere Panzer obendrauf. Wenn Warschau das akzeptiert.

Dann sind da die Niederlande. Die haben zwar ihre Panzertruppe aufgelöst, aber es stehen noch 14 Leopard II A6 dort herum. Die soll die niederländische Armee samt Besatzungen in das Bergener Bataillon einbringen. Falls das Parlament in Den Haag sein Okay gibt.

Bleibt immer noch das größte potenzielle Problem: Es ist nicht klar, ob die insgesamt 269 Leoparden überhaupt genug sind. Denn als Reaktion auf die neue (Un-)Sicherheitslage will die Nato eine „Schnelle Eingreiftruppe“. Diese „Speerspitze“ muss laut Bundesverteidigungsministerium innerhalb von höchstens sieben Tagen einsatzfähig sein. Nicht auszuschließen, dass die Bundeswehr dafür zusätzliche Panzer bereithalten muss.

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