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Bundeswehr „Der Saustall gehört endlich ausgemistet“

Aktivist Jakob Knab spricht über das Idealisieren der NS-Historie, die Feigheit von Ausbildern der Bundeswehr - und wie die Streitkräfte das alles überwinden können.

Bundesverteidigungsministerin von der Leyen  in Illkirch
Nazi-Deko in einem Kasernenraum in Illkirch. Foto: Patrick Seeger (dpa)

Herr Knab, waren Sie überrascht, als Sie von dem mutmaßlichen rechtsextremistischen Netzwerk rund um den Bundeswehr-Offizier Franco A. erfuhren?
Nein, überrascht war ich nicht. Das ist ein extremer Fall. Aber die Glorifizierung der Wehrmacht ist bei den Traditionalisten in der Bundeswehr leider immer noch sehr weit verbreitet.

Aber es gibt doch einen Traditionserlass aus dem Jahr 1982, der die Verherrlichung der Armee aus Nazi-Zeiten verbietet …
Das stimmt, und dafür müssen wir dem damaligen Verteidigungsminister Hans Apel dankbar sein. Aber an solche Erlasse muss man sich halt halten und man muss die Einhaltung solcher Erlasse auch kontrollieren, sonst sind sie das Papier nicht wert, auf dem sie stehen.

Wie kann das gehen?
Es braucht, wenn Sie so wollen, eine Bildungs- und Aufklärungsoffensive. Die Mehrheit der Bundeswehrsoldaten kennt die Geschichte. Das stelle ich überhaupt nicht in Frage. Aber es geht darum, jene Soldaten zu erreichen, die Gefallen finden am völkischen Gedankengut und die glänzende Augen bekommen, wenn sie von den hochdekorierten Fliegerassen und Kriegshelden der Wehrmacht reden. Die Ausbilder in der Bundeswehr müssen also noch besser informieren über die Untaten der Wehrmacht und über das Selbstbild der Bundeswehr als demokratische Armee, in der das Recht, die Freiheit und die Menschenwürde verteidigt werden.

Aber wird das nicht getan?
Doch, das geschieht natürlich. Aber die staatsbürgerliche und historische Bildungsarbeit muss verbessert werden. Man muss klare Vorgaben machen und den Verstoß dagegen auch ahnden. Es ist ja völlig bizarr, wenn – wie vor kurzem noch in der Lent-Kaserne in Rotenburg (Wümme) – Bilder von Wehrmachtsoffizieren mit Hakenkreuzen hängen oder Soldaten im Auslandseinsatz Symbole von Rommels Afrika-Korps auf ihre Fahrzeuge kleben. Entschuldigen Sie meine Wortwahl: Aber diesen Dumpfbacken müssen wir etwas entgegensetzen. Es gibt auch immer noch Soldaten, die sich nicht trauen, solche Vorgänge zu melden, weil sie fürchten, als Kameradenschweine beschimpft zu werden. Das muss sich ändern.

Liegt es auch an diesem Korpsgeist, dass es keine Folgen hatte, dass Franco A. in seiner Examensarbeit rechtsextreme Thesen aufschrieb?
Ich habe einigen Kontakt zu aktiven Offizieren. Die sagen mir häufig: Natürlich sind die Rechtsausleger in der Truppe ein Problem. Aber diese Leute seien auch besonders einsatzfreudig und tüchtig. Deshalb werden offenbar alle Augen zugedrückt. Wo ist denn die Dienstaufsicht, die es in jeder Kaserne gibt? In der Bundeswehr gibt es für jede einzelne Schraube an einem Waffensystem eine detaillierte Vorschrift, nur in der Traditionspflege wird Wildwuchs geduldet. Um es in schlichten, bayerischen Worten zu sagen: Dieser Saustall, in dem die Wehrmacht glorifiziert wird, muss endlich ausgemistet werden.

Das beseitigt Symbole, aber nicht unbedingt das Gedankengut.
Sie haben recht. Das ist leider eine Aufgabe, die auch mehr als 70 Jahre nach dem Ende der Nazi-Zeit nicht gelöst ist. Letztlich brauchen wir einen langen Atem, und die Ausbilder in der Bundeswehr müssen noch mehr als bisher mit gutem Beispiel vorangehen.

Hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf den Vorfall richtig und früh genug reagiert?
Ich finde, Frau von der Leyen hat das Richtige gesagt. Vor allem hat sie auf mich gewirkt, als sei sie ehrlich betroffen und meine es ernst. Sie kann nicht alles wissen, sondern muss sich darauf verlassen, dass ihr alle Informationen auch tatsächlich gegeben werden. Ich habe den Eindruck, dass da in der Bundeswehrführung teilweise auch eine Atmosphäre herrscht, in der Unangenehmes gerne mal unter der Decke verschwindet. Die Schuld liegt an den Hofschranzen, die müssen die Ministerin ungeschminkt über die Lage informieren.

Interview: Damir Fras und Daniela Vates

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Bundeswehr

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