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Bundeswehr De Maizière kennt G36-Mängel seit Jahren

Über die Probleme der Bundeswehr mit dem Sturmgewehr G36 wurde Medienberichten zufolge bereits vor drei Jahren der damalige Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) informiert.

22.04.2015 07:39
Soldaten mit Gewehren vom Typ G36. Foto: dpa

De Maizière sei bereits im März 2012 in einer Vorlage an ihn persönlich detailliert über erhebliche Präzisionsprobleme des G36 unterrichtet worden, berichteten "Spiegel Online" und die "Süddeutsche Zeitung" am Mittwoch unter Berufung auf interne Dokumente.

"Spiegel Online" schrieb, die Vorlage vom 23. März 2012, die de Maizière mit seiner Paraphe abgezeichnet habe, decke sich mit den Ergebnissen der gerade vorgestellten Untersuchung verschiedener Institute über die gravierenden Probleme des G36, wenn es heiß geschossen ist.

Das Phänomen der Ausweitung des Streukreises und der abnehmenden Trefferwahrscheinlichkeit bei einer heiß geschossenen G36-Waffe stelle "aus militärischer Sicht einen erheblichen Mangel" dar, zitierten beide Medien aus dem internen Papier. Die Probleme seien von "erheblicher Einsatzrelevanz", da Soldaten im Gefecht den Gegner auf 200 Meter nicht mehr sicher bekämpfen könnten.

Kaum Konsequenzen gezogen

Trotz der Warnung seien bis zum Ende von de Maizières Amtszeit kaum Konsequenzen gezogen worden, schrieb "Spiegel Online". Der weitere Ankauf von G36-Gewehren sei nicht gestoppt oder zumindest angehalten worden. Vielmehr wurden nach Informationen von "Spiegel Online" im April 2012, also kurz nach der Warnung an den Minister, 3770 neue G36-Modelle bestellt.

Die "SZ" schreibt, der damalige Verteidigungs- und heutige Innenminister de Maizière habe in einer Anmerkung auf dem Dokument eine neue Vorlage mitsamt einer Chronologie der Ereignisse verlangt. Diese Vorlage habe ihn Mitte April erreicht. Darin sei das Sturmgewehr G36 "als grundsätzlich tauglich für die Erfordernisse der laufenden Einsätze bewertet" worden. Einschränkungen der Treffleistung bei heißgeschossener Waffe seien "Gegenstand von laufenden Untersuchungen".

Die Ausweitung des Streukreises der Waffe durch Überhitzung sei in der "heutigen Einsatzrealität" "nicht auszuschließen", heißt es laut "SZ" in der Vorlage. Dennoch gebe es "keine belastbaren Erkenntnisse", die Anlass gäben, "die Bewertung des Sturmgewehrs G36 als grundsätzlich einsatztauglich zu revidieren". Eine "belastbare Aussage" zur Einsatzfähigkeit der Waffe sei allerdings erst nach dem Abschluss weiterer Untersuchungen möglich.

Soldaten gewarnt

Laut "Spiegel Online" waren die Soldaten in Afghanistan zuvor allerdings vor dem G36 gewarnt worden. Am 20. März 2012 habe das Einsatzführungskommando eine geheime Order verschickt: Bei heiß geschossenen G36-Gewehren werde das "zuverlässige Bekämpfen" von Gegnern wegen "einer erheblich größeren Streuung" "erschwert", die Trefferquote sinke sogar auf "ca. ein Drittel". Ähnliche Werte ergaben dem Bericht zufolge auch die neuesten Tests.

Dem Bundestag verschwieg das Verteidigungsministerium laut "Spiegel Online" die Probleme. Noch im November 2012, acht Monate nach dem Warnschreiben, habe der Verteidigungsstaatssekretär Thomas Kossendey dem zuständigen Ausschuss mitgeteilt, am G36 sei "kein Mangel" festgestellt worden. Das Ministerium habe damals auf Nachfrage von "Spiegel Online" außerdem erklärt, die Voraussetzungen für die Nutzung im Auslandseinsatz seien "nach wie vor gegeben".

Die Bundeswehr hat bereits massive Probleme bei der Treffsicherheit des G36 eingeräumt. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte im vergangenen Sommer eine technische Prüfung in Auftrag gegeben, die mittlerweile abgeschlossen ist. Nun will sie Konsequenzen für den Einsatz der Waffe prüfen. (AFP)

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