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Wahlmanipulation Die Invasion der Meinungs-Roboter

Seit Wochen warnen Vertreter von Sicherheitsbehörden vor digitalen Beeinflussungskampagnen vor der Bundestagswahl. „Hybride Bedrohung“ nennt sich das. Wie groß ist die Gefahr?

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Hacker können Viren einschleusen und sich so Informationen beschaffen, mit denen sie Nachrichtenfeeds beeinflussen. Foto: the-lightwriter (iStockphoto)

Unsichtbar und lautlos schlichen sich die Hacker an. Ihre Spur führte nach Russland, heißt es. Ein „Advanced Persistent Threat“ – eine ausgefuchste Bedrohung durch Hacker, mutmaßlich von einer Regierung gesteuert. 16 Abgeordnetenbüros des Bundestages nahm dieser „APT28“ im Mai 2015 ins Visier, 16 Gigabyte Daten flossen ab. Nach dieser Cyberattacke folgte eine weitere Angriffswelle im August 2016. „Mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl 2017 könnten auch deutsche Parteien oder Politiker das Ziel russischer Einflussnahme werden“, heißt es dazu im Bericht der Verfassungsschützer.

Seit Wochen warnen Vertreter von Sicherheitsbehörden vor digitalen Beeinflussungskampagnen, die mit erbeuteten Informationen angeheizt werden könnten. Flankiert von Fake News und Armeen von Software-Robotern, die bei Twitter und Facebook automatisiert Propaganda erzeugen. „Hybride Bedrohung“ nennt sich das. Doch drohen tatsächlich „erhebliche Auswirkungen auf die innenpolitischen Verhältnisse“ durch den russischen Geheimdienst, wie deutsche Agenten nahelegen?

Nach dem Motiv fragen

Wer Antworten finden will, kann in einem herrschaftlichen Altbau in Berlin-Charlottenburg mit der Suche beginnen. Im Innern des sandsteinfarbenen Gebäudes gelten erhöhte Schutzvorkehrungen. Durch eine Glastür die Treppe hinauf, einen Gang mit Sicherheitsschleusen entlang – hier befindet sich das Büro von Marcel Dickow, Chef für Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik. Auf einem Sofa ihm gegenüber sitzt Matthias Schulze, ein Kollege, der den Bereich Cyber-Sicherheit aufbaut. Die Stiftung, die zu einem großen Teil aus dem Etat des Kanzleramtes finanziert wird, berät Regierungsmitglieder, Abgeordnete des Bundestages oder auch Militärs der Nato in außenpolitischen Fragen.

Marcel Dickow ist ein schlanker Physiker mit Kinnbärtchen, der sich mit autonomen Militärrobotern, Raumfahrt und Geheimdiensten befasst. Er ist der Technikexperte des Think Tanks, Anfang 40. Er meint, es müsse zunächst „nach dem Motiv gefragt werden“, das die Regierung in Moskau verfolgen könnte.

„Selbst wenn alles auf den russischen Geheimdienst hindeuten würde, können wir immer noch nicht beweisen, dass es die Russen waren“, sagt Dickow.

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