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Wahlkampf Merkel kann sich bei der AfD bedanken

Buh-Rufe, Pfiffe, Hassparolen: Wenn Angela Merkel in Torgau oder Finsterwalde auftritt, hat sie es nicht leicht. Aber sie kann sich trösten: Die rechten Dumpfköpfe sind ihr eine große Hilfe. Ein Kommentar.

Wahlkampf CDU
Kanzlerin Merkel wird von Rechten niedergebrüllt - davon profitiert sie. Foto: dpa

Das Wutgeschrei von rechts, das der Bundeskanzlerin am Mittwochabend entgegenschallte, übertönt jeden Hauch von politischer Debatte. Es entspricht insofern sicher dem Geisteszustand der Pegidisten und sonstigen Rechtsextremisten, die in Torgau oder Finsterwalde oder sonstwo pfeifen und brüllen.

Erst recht entspricht es ihrem Geisteszustand, dass sie etwas Entscheidendes übersehen: Bessere Wahlkampfhelfer als diese Leute könnte sich Angela Merkel nicht wünschen.

Wie das? Ganz einfach: Deutschland erlebt eine Kanzlerin und Kandidatin, die sich den protestierenden Pfeifen souverän entgegenstellt. Eine Verteidigerin des demokratischen und weltoffenen Deutschlands gegen Freiheitsverweigerer und Abschottungsfanatiker.

Kanzlerin Merkel als Verteidigerin der Weltoffenheit

Das Problem: Wir erleben hier die gleiche Konstellation, wie sie die öffentliche Wahrnehmung auch im Weltmaßstab prägt. Auf der einen Seite der neurechte Antiliberalismus, angeführt von Donald Trump und global präsent von Washington über Warschau bis Finsterwalde. Auf der anderen Seite das Reich der Freiheit, der Offenheit und der Liberalität, angeführt und verteidigt von Angela Merkel.

Was dabei untergeht, sind die fatalen Fehler, die im liberalen Lager gemacht worden sind und werden. Man erinnere sich nur an Freihandels-Abkommen wie TTIP: Die Einwände dagegen sind zahlreich, sie reichen von Sonderrechten für Konzerne bis zum Abbau der öffentlichen Daseinsvorsorge. Aber wie will sich diese berechtigte Kritik Gehör verschaffen, wenn auch ein Donald Trump – allerdings aus keineswegs überzeugenden Gründen – TTIP und Co. ablehnt?

Drehbuch „Merkel gegen die Bösen“

So ähnlich ist es auch in der Innenpolitik: Im Drehbuch „Merkel gegen die Bösen“ ist kein Platz mehr für diejenigen, die einerseits den Rassismus bekämpfen, aber andererseits Zweifel hegen an der Weisheit von Merkels Politik. Gerade auch in der Flüchtlingsfrage.

So wird sich auch das liberale Deutschland am 24. September zum großen Teil hinter der Kanzlerin versammeln. Der Hass von rechts und sein bürgerlicher Flügel namens AfD haben schon jetzt dafür gesorgt, dass von demokratischen und sozialen Alternativen zu Angela Merkel so gut wie nichts mehr zu hören ist. Sie kann sich bei ihnen bedanken.

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