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Wahlausgang Die Jungen wählen FDP

Erstwähler kürten die FDP zur stärksten Kraft - die AfD konnte bei den unter 30-Jährigen kaum zum Zug kommen.

Junge Wähler
Junge Wähler wählen anders. Foto: Imago

Keine 50 Follower hatte die junge Twitter-Nutzerin, die sich „sabsi“ nennt und anscheinend die Volljährigkeit noch nicht erreicht hat, als sie in der Wahlnacht eine Feststellung in die Welt schickte, die seitdem rasante Zustimmung und Verbreitung findet. Sie twitterte zwei Infografiken mit Wahlergebnissen, „links die ‚Erwachsenen‘, rechts die Minderjährigen“, schrieb sie dazu – und stellte den Ausgang der Bundestagswahl neben den der „Juniorwahl“ für Schüler ab der siebten Klasse. „Aber Jugendliche haben ja keine Ahnung von Politik“, kommentierte sie dazu sarkastisch – und erhielt dafür binnen zweier Tage mehr als 7200 Zustimmungs-Herzchen und wurde fast 3000 Mal weiterverbreitet.

Tatsächlich rückt das, was die Grafiken zeigten, die Debatte um eine Senkung des Wahlalters in ein anderes Licht. Nach jahrelangen Forderungen von Kinder- und Jugendverbänden, die ohnehin wenigen Jungwähler nicht erst ab 18 an die Urnen zu lassen, haben bis heute nur vier Bundesländer das Wahlalter für Landtagswahlen auf 16 Jahre gesenkt: Brandenburg, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein.

Doch anders als man ihnen gern unterstellt, votierten die Minderjährigen in ihrer Testwahl deutlich weniger für die Parteien an den Rändern, etwa nur zu sechs Prozent für die AfD und nur zu 7,3 Prozent für die Linke. Auch die FDP lag knapp unter ihrem echten Bundestagswahlergebnis, und sogar für die „sonstigen“ Kleinparteien hatten 2013 mehr Erwachsene gestimmt als nun die Schüler. Besser als bei den echten Wahlen schnitten dagegen die Grünen ab, die 17,9 Prozent schafften. Auch CDU und SPD sind etwas schwächer, aber nicht viel.

Auch wenn die echten Wahlentscheidungen, die die Erst- und Jungwähler unter 30 Jahren am Sonntag trafen, über den neuen Bundestag bestimmt hätten, wäre der Republik die Aufregung um die große AfD-Fraktion erspart geblieben.

Die AfD ist bei den U30-Wählern die kleinste Fraktion, vorne lagen unter anderen die Grünen. Weniger Rechtspopulisten und mehr Umweltschutz – das ist die eindeutige Tendenz der Gruppe, die angeblich politisch uninteressiert ist.

Damit ist das AfD-Ergebnis auch die größte Diskrepanz zwischen Jung und Alt. Während die Alternative für Deutschland mit 12,6 Prozent insgesamt die drittstärkste Kraft wurde, lag sie bei 18- bis 30-Jährigen zwar auch bei 11 Prozent, aber auf dem letzten Platz oberhalb der Einzugshürde. Allerdings ist in Ostdeutschland die AfD keine Seniorenpartei: Hier wählten sie auch 17 Prozent der jungen Bevölkerung, während sie im Westen unter Jüngeren nur etwa sieben Prozent erreichte.

Die Volksparteien stehen bei den unter 30-Jährigen zwar noch schlechter da als bei der gesamten Wählerschaft: Die Christdemokraten erreichten 25 Prozent, die SPD 19 Prozent. Dafür überzeugten offenbar kleinere Parteien wie FDP und Grüne mit ihren inhaltlich schärferen Profilen – und womöglich auch der jugendlicheren und moderneren Wahlkampf-Anmutung, besonders der FDP. So wurden die Freien Demokraten mit 13 Prozent die drittstärkste Partei. Unter den Erstwählern hatten sie sogar den größten Zuspruch.

Die Grünen waren bei den jungen Wählern mit zwölf Prozent die viertstärkste Partei, im Vergleich zu unter neun Prozent im Gesamtergebnis. Auch die Linke holte unter den Erstwählern auf: Sie verbesserte sich von acht Prozent im Jahr 2013 auf elf Prozent bei der aktuellen Wahl.

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