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Vor-Wahl-Serie „Wenn die CDU an der Regierung bleibt, ändert sich nichts“

Christoph Schönberger ärgert sich über das Flüchtlingsthema und sympathisiert mit der AfD. Folge 20 der FR-Vor-Wahl-Serie.

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Die Frankfurter Rundschau hat Wählerinnen und Wähler in ganz Deutschland angerufen, um zu erfahren, was sie von der Politik erwarten – und was sie von ihr halten. Foto: Imago

Christoph Schönberger ist 65 Jahre alt und lebt in Aachen. Bis er in Pension ging, hat der Jurist bei einer Wirtschaftsorganisation gearbeitet. Er hat drei Kinder und sechs Enkel.

Zur Wahl geht Schönberger „natürlich immer, seit meinem 18. Lebensjahr“. Das sei seine „Verantwortung als Bürger in der Demokratie“. Obschon in Zeiten der großen Koalition eher Nichtwähler, da alles zu einem Einheitsbrei mutiere, werde er seine Stimme abgeben.

Schönberger fühlt sich „politisch gut informiert“, und viel diskutierte Themen wie „Flüchtlingskrise, Euro oder Energiewende“ beschäftigen auch ihn.

Das sind zugleich die Themen, „die mich maßlos ärgern, weil sie argumentativ falsch unterlegt sind“, sagt der Jurist. „Ich halte es für Unfug, die Energiewende mit Fukushima zu begründen. Schließlich sind wir kein Erdbebengebiet, und Tsunamis gibt es hier auch nicht.“ Dass Merkel „am Tag nach der japanischen Katastrophe erklärt, das hätte ihr die Augen geöffnet und die Atomkraft sei nicht mehr tragbar, das ist für eine Physikerin ein Armutszeugnis“.

Oder das Flüchtlingsthema: „Merkel hat ja im Herbst 2015 gesagt, man könne 3000 Kilometer Grenze nicht schützen und müsse deshalb alle hereinlassen“, sagt Schönberger. „Aber das ist Unsinn. Jeder Hauseigentümer schützt sein Grundstück. Und wenn er bedroht wird oder Gefahr sieht, wird er notfalls auch Gewalt anwenden. Das muss doch wohl auch an einer Landesgrenze möglich sein.“

Heißt das, die Flüchtlinge sind eine Bedrohung? Der Pensionär zitiert den Philosophen Peter Sloterdijk sinngemäß: „Es gibt keine moralische Verpflichtung, sich quasi selbst zu ruinieren.“ Am Anfang habe es geheißen, „es kämen nur Chefärzte und Ingenieure“. Aber heute wisse man, „dass die meisten Migranten keine Flüchtlinge im Sinne der Menschenrechtskonvention sind, sondern Wirtschaftsflüchtlinge, die an der Grenze ,Asyl‘ hauchen und sich damit einen Aufenthaltsstatus erschleichen“. Dies empfänden viele, wenn nicht die meisten als Bedrohung für unser System.

Hinzu kämen die finanziellen Lasten: „Es gibt ja Schätzungen, wonach jetzt 30 Milliarden und mehr pro Jahr für die Flüchtlinge aufgebracht werden müssen. Und schauen Sie sich mal die Infrastruktur hier in Nordrhein-Westfalen an, Straßen und Schulen sind in einem desolaten Zustand.“ Und „effizienter wäre es allemal, Hilfsgelder in die Herkunftsländer zu schaffen. Dafür würde ein Bruchteil der Summe reichen.“

Schönberger ärgert sich auch darüber, „wie mit der Kriminalität mancher Flüchtlinge, aber nicht nur derjenigen, umgegangen wird. Wenn Sie falsch parken, haben Sie gleich ein Protokoll im Briefkasten. Aber wenn einer 30 Straftaten begeht, läuft er immer noch frei herum und wird nicht einmal abgeschoben. Das unterhöhlt die Glaubwürdigkeit unseres Rechtsstaats.“

Der 65-Jährige bekennt: „Man muss die AfD nicht unbedingt mögen, aber sie ist für meinen Geschmack die einzige Partei, die wirkliche Opposition betreibt jenseits der rot-grünen Melange des öffentlichen Diskurses und der Diktatur der political correctness.“

Welchen Politikern vertraut der Familienvater? „In die Kanzlerin und auch in Wolfgang Schäuble oder die Verteidigungsministerin habe ich kein Vertrauen mehr. Wenn ein Mann wie Friedrich Merz noch dabei wäre oder auch Roland Koch – mit denen könnte ich mich identifizieren.“ Auch die Positionen von Thilo Sarrazin findet er „richtig und unterstützenswert“.

Was bedeutet das nun alles für die Wahl? „Wenn die CDU an der Regierung bleibt, wird sich nichts ändern. Und Schwarz-Grün wäre ein Desaster.“ In der Union müsse „von innen heraus eine Opposition wachsen, die für eine Umkehr sorgt“. Er habe, sagt Schönberger, „lange Zeit mit CDU oder FDP sympathisiert , aber ich kann damit nichts mehr anfangen. Nicht unter Merkel.“

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