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FR-Serie Vor-Wahl „Keine Partei spiegelt wider, was ich will“

Marcus Krüger wünscht sich mehr Volksentscheide – auch bundesweit. Folge 18 der FR-Serie Vor-Wahl.

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Die Frankfurter Rundschau hat Wählerinnen und Wähler in ganz Deutschland angerufen, um zu erfahren, was sie von der Politik erwarten – und was sie von ihr halten. Foto: Imago

Marcus Krüger ist 35 Jahre alt und arbeitet bei einer niederbayerischen Bank in der Finanzbuchhaltung. Weil er den Einfluss geltend machen will, „den man ja wenigstens ein bisschen hat“, wird Krüger am 24. September seine Stimme abgeben. Wenigstens ein bisschen – genügt das Wahlrecht nicht? „Nun ja, es zählt zwar jede Stimme, aber den Ausschlag gibt sie nicht. Wenn alle anderen einer anderen Meinung sind als ich, dann hilft das wenig.“

Auch deshalb ist der Bankangestellte ein Freund von Bürgerentscheiden. „Die Möglichkeiten dafür haben zwar zugenommen. Aber sie sind noch nicht in dem Maß vorhanden, wie ich es mir vorstellen würde.“ Sollte es diese Möglichkeit also auch bundesweit stärker geben? Klare Antwort: „Ja.“

Gut gelaufen, fügt Krüger hinzu, sei es zum Beispiel in seinem Heimatort: „Als es darum ging, wie der Ortskern saniert werden soll, hat die Gemeinde Vorschläge eingeholt und die Bürger eingebunden. Aber wenn man ein paar Städte weiter schaut, passiert in dieser Hinsicht nichts.“

Von politischen Entscheidungen weniger betroffen

Den meisten Einfluss auf die Wahlentscheidung des Niederbayern werden Steuerthemen haben. „Ich finde es grundsätzlich gut, wenn diejenigen, die hart arbeiten, entlastet werden.“ Dafür sollten „diejenigen, die für ihr Geld nicht arbeiten müssen, mehr bezahlen – auch wenn sie es früher erarbeitet haben.“ Und Gleiches gelte für diejenigen, „für die es keine Rolle spielt, ob sie eine Million mehr oder weniger verdienen“.

Marcus Krüger erinnert sich sehr wohl, dass die Spitzensteuersätze schon einmal höher waren, „und sie wurden sukzessive gesenkt. Das fand ich prinzipiell falsch.“

Persönlich fühlt er sich von politischen Entscheidungen weniger betroffen. „Alles hat irgendwo seine Auswirkungen, aber die spürt man gar nicht so gravierend.“ Am ehesten noch, „wenn man am Rentenbescheid sieht, dass die Rente eher weniger wird“. Oder wenn es im Steuerbescheid wieder etwas Neues gibt.

Besonders wichtig wäre es auch, „dass Entscheidungen auf Bundesebene in den Kommunen umgesetzt werden müssen. Wenn sich da nichts tut, können die da oben machen, was sie wollen.“ So hänge doch vieles davon ab, „wie die Kommunalpolitiker ihr Amt ausüben“. Was in guten Unternehmen gang und gäbe sei, finde in der Politik kaum statt: „Dass man sich das Beste von anderen abschaut und die Dinge auch mal vereinheitlicht.“

Auch in seinem beruflichen Alltag macht der Mann von der Bank entsprechende Erfahrungen: „Ich habe zum Beispiel viel mit Gewerbesteuer zu tun. Und die Bescheide sehen von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich aus. Ich frage mich schon, warum man das nicht einheitlich macht, zum Beispiel bei den Software-Programmen. Warum gibt es da keine Vorgaben der Bundesregierung? Da wird nicht praktisch gedacht, und am Ende wird es schon schwierig, wenn ein Beamter in der Nachbargemeinde aushelfen soll.“

Gysi und Künast schätzt er

Den Politikbetrieb selbst sieht Marcus Krüger distanziert: „Es gibt ein paar Politiker, die mir sympathisch sind, weil sie hinter dem stehen, was sie sagen. Manche von denen sind leider schon ganz oder teilweise in Rente gegangen.“ Zum Beispiel: „Der Herr Gysi, das war einer, dem ich geglaubt habe, dass er meint, was er sagt. Oder früher auch Oskar Lafontaine. Und das Gleiche gilt für Renate Künast.“

Das macht die Wahlentscheidung allerdings auch nicht leichter. „Ich habe den Wahl-o-Mat ausprobiert. Bei der Partei, die an der Spitze lag, betrug die Übereinstimmung mit meinen Wünschen gerade mal 52 Prozent. Es gibt also keine Partei, die wirklich widerspiegelt, was ich will.“ Kein Wunder also: „Ich schwanke noch.“

Und der Zweikampf ums Kanzleramt hilft auch nicht weiter? „Es gibt schon Unterschiede. Aber echte Alternativen sehe ich kaum.“

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