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TV-Duell Angela Merkel in der Bredouille

2. UpdateBeim TV-Duell treibt Herausforderer Martin Schulz die Kanzlerin vor sich her. Beim Thema Türkei kann er klar punkten.

TV-Duell
Kanzlerin Angela Merkel im TV-Duell gegen SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Foto: afp

Das sitzt. Martin Schulz landet einen Überraschungspunkt. Eigentlich wird gerade darüber gesprochen, wie Deutschland mit Imamen umgehen soll, die Hass predigen – oder aber zumindest Desintegration. Wenn er Bundeskanzler sei, dann wolle er dafür eintreten, dass Europäische Union die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abbricht. „Hier sind alle Linien überschritten“, sagt der SPD-Kanzlerkandidat. Die Bundeskanzlerin möchte eigentlich noch etwas entgegnen. Doch sie lässt sich von den Moderatoren vertrösten, das Thema komme später dran.

Der Druck auf Martin Schulz vor dem TV-Duell war riesengroß. Doch der SPD-Kanzlerkandidat hat seine Chancen genutzt. Und klar gepunktet. Das hat auch damit zu tun, dass die Bundeskanzlerin vergleichsweise müde wirkt. Und sich von Schulz im Duell mehrfach inhaltlich treiben lässt.

In der Türkei-Frage sieht das so aus: Als das Thema wieder zur Sprache kommt, sagt Merkel, die Frage der Beitrittsverhandlungen müsse ohnehin gemeinsam mit den anderen in der EU entschieden werden. Es gehe jetzt darum, Druck auf die Türkei und den Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aufzubauen, aber gleichzeitig im Gespräch zu bleiben. Auch zum Wohl der deutschen Bürger, die gerade in der Türkei inhaftiert sind. Es könne jetzt nicht darum gehen, sich vor der Wahl einen Wettkampf zu liefern, wer die härtere Linie vertrete.

Angela Merkel eiert

Doch Schulz insistiert: „Die Sprache, die Herr Erdogan versteht, ist die, die ich vorschlage.“ Der Schlagabtausch zieht sich, es geht hin und her. Und, siehe da, die Bundeskanzlerin sagt schließlich, sie könne ja doch noch mal mit den Kolleginnen und Kollegen in der EU darüber reden, ob man sich auf einen Abbruch der Verhandlungen verständigen könne. Der Eindruck, der bleibt: Die Kanzlerin, die eigentlich mit der realen Macht der Staatsfrau punkten müsste, eiert. Der Kandidat, von dem seit Wochen eigentlich keiner mehr glaubt, er könne Kanzler werden, präsentiert sich als Mann klarer Entscheidungen.

Auch da, wo Schulz angreifbar wäre, präsentiert er sich stark. Ob er mit sozialer Gerechtigkeit nicht auf das falsche Thema gesetzt habe, wird er gefragt. Es gehe dem Land doch ziemlich gut. Schulz bringt hier alle Punkte unter, die für ihn wichtig sind für die Wählermobilisierung – vom Versprechen sicherer Renten bis hin zu dem, er werde Frauen ein Rückkehrrecht von Teilzeit in Vollzeit verschaffen. Merkel hingegen verzettelt sich in einem Debatte über die Rente mit 70, die einige in ihrer Partei fordern. Sie stellt klar, sie will das nicht. „Toll“, befindet Schulz. Und erinnert daran, sie habe im letzten TV-Duell auch gesagt, die Pkw-Maut komme nicht.

Die Körpersprache in diesem Duell spricht für sich. Der Kanzlerkandidat lächelt viel, die Bundeskanzlerin blickt häufig mit verhärmten Mundwinkeln drein, als sei sie gerade Zeugin von etwas, was ihr nicht so recht gefalle. Und wo sie lieber nicht dabei wäre. Es ist hoch erstaunlich, dass es so läuft. Denn die Ausgangssituation für Schulz vor dem Duell ist geradezu jämmerlich. In der Kandidatenfrage liegt er vor dem Duell scheinbar uneinholbar weit hinten. Und auch der Abstand zwischen Union und SPD ist in den Wochen vor dem Duell wie zementiert. 15 Prozent und mehr liegen die Sozialdemokraten bei der Sonntagsfrage zurück.

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