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Themencheck Wie die Parteien die Einkommen regeln wollen

Die Einkommensunterschiede in Deutschland nehmen seit Jahren zu. Jede Partei verfolgt eigene Ansätze, die Lohnschere zu schließen. Der FR-Wahl-Check zum Thema Einkommen.

Wahl
Der FR-Themencheck: Wir vergleichen die Positionen der Parteien zu den wichtigsten Themen.

Im Jahr 2016 erhielt Bill McDermott für seine Vorstandstätigkeit 11,9 Millionen Euro. Damit nahm der SAP-Chef ziemlich genau 321 Mal so viel ein wie der deutsche Normalverdiener. Das mittlere Einkommen eines Beschäftigten in Vollzeit betrug nach Angaben der Bundesregierung rund 37 000 Euro. Anders gesagt: An jedem Arbeitstag des Jahres 2016 erfreute sich McDermott einer Vergütung, die dem mittleren Jahreslohn der arbeitenden Bevölkerung entspricht. Solche Zahlen werfen die Frage auf, ob Leistung in Deutschland angemessen – um nicht zu sagen: gerecht – vergolten wird. Und sie verweisen auf eine Entwicklung, die in den 90er Jahren einsetzte und bis heute anhält: Die Einkommensunterschiede nehmen zu, die Mittelschicht schrumpft und selbst Arbeit schützt oft nicht mehr vor Armut. 

Zahlreiche Untersuchungen belegen diesen Befund. Einer Studie der staatlichen Förderbank KfW zufolge verdienten Haushalte, die vom Einkommen her zum obersten Fünftel zählten, im Jahr 2000 das 3,5-fache des Haushaltseinkommens, das die unteren 20 Prozent zur Verfügung hatten. 2014 war dieser Faktor auf das Fünffache gestiegen. 40 Prozent aller Haushalte mussten reale Verluste hinnehmen: Ihre Einkommen waren zwischen 2000 und 2014 weniger stark gestiegen als die Inflationsrate. In Euro und Cent, also nicht inflationsbereinigt, stiegen die Einkommen des unteren Zehntels im genannten Jahrzehnt um sechs Prozent, die der Gutverdiener am anderen Ende der Skala aber um fast 39 Prozent. Die Einkommensschere zwischen oben und unten hat sich mithin beträchtlich geöffnet.

Und nicht nur das: Neben den Einkommensunterschieden wächst auch die Zahl jener, die sehr viel oder sehr wenig verdienen. Nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nahm der Anteil der Haushalte, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) zur Verfügung haben und damit als arm gelten, von 10,9 Prozent in den Jahren 1995 bis 1999 auf 14,5 Prozent in 2014 und 2015 zu. Auch die Zahl der Haushalte mit mehr als 169 Prozent des Medianeinkommens stieg an. Ihr Anteil wuchs von 11,8 auf 13,9 Prozent. Währenddessen wurde die Mittelschicht immer dünner. Der Bevölkerungsanteil, der zwischen 77 und 130 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens zur Verfügung hat, ging im Vergleichszeitraum von 48 auf 41 Prozent zurück. Diese Entwicklung hat sich in den zurückliegenden Jahren zwar verlangsamt, zum Stillstand gekommen ist sie aber nicht.

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