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SPD-Kanzlerkandidat Die Talfahrt des Martin Schulz

150 Tage lang begleitete der Spiegel-Journalist Feldenkirchen Martin Schulz. Das Ergebnis ist eine Nahaufnahme des SPD-Kanzlerkandidaten - und die Chronologie einer Talfahrt.

Martin Schulz
Abgehängt: Wahlplakat von Martin Schulz. Foto: dpa

Es sind Szenen und Sätze wie diese: „Vielleicht bin auch der falsche Kandidat“, sagt Merkelherausforderer Martin Schulz Anfang Juli. Lethargisch und leise die Stimme. Und weiter: „Die Leute sind nett zu mir, aber sie sind es aus Mitleid. Das spüre ich schon seit einiger Zeit.“  Er habe nicht den Hauch einer Chance, befürchtet Schulz.

Rund drei Monate vor der Bundestagswahl war Schulz am Tiefpunkt seines Wahlkampfs angelangt: Niedergeschlagen, antriebslos, der freie Fall der Sozialdemokraten nach Wochen der Euphorie kaum mehr aufzuhalten.

Der Spiegel-Journalist Markus Feldenkirchen hat diese Eindrücke gesammelt und nun im aktuellen Magazin als Langzeit-Reportage veröffentlicht. 150 Tage hat er den SPD-Kanzlerkandidat begleitet: Bei 50 Terminen, bei Besprechungen, im Taxi, im Flugzeug. Einzige Absprache: Der Text durfte erst nach der Bundestagswahl veröffentlicht werden.

Entstanden ist nicht nur eine Chronologie der Talfahrt des Kanzlerkandidaten, sondern auch eine Nahaufnahme von Schulz: Vom Glückstaumel der guten Umfragewerte, als ein Bundeskanzler Martin Schulz möglich erschien, bis zum Ergebnis der Bundestagswahl, als die SPD mit 20,5 Prozent  ihr miserabelstes Ergebnis der Nachkriegszeit einholte. Momente des Frusts, der Euphorie, des Kämpfergeistes – aus dem Innenleben einer Kampagne zwischen Currywurst und Wahlreden, zwischen innerparteilichen Kontroversen und TV-Duell.

„Ich hab genug Niederlagen kommentiert“, sagt Schulz im Mai. Gerade haben Wähler in Nordrhein-Westfalen bei der Landtagswahl Rot-Grün abgewählt. Sie Sozialdemokraten kommen auf das schlechteste Ergebnis bei einer Landtagswahl in NRW. „Ich bin nur noch am Niederlagen-Kommentieren. Ich hab die Schnauze voll davon“, sagt Schulz, schüttelt den Kopf, läuft ziellos durch sein Büro, heißt es in dem Bericht.  Als ein Moderator hämisch über den „völlig verpufften Schulz-Effekt“ räsoniert, ruft Schulz: „Dieser Drecksack. Dem fehlt jeglicher Anstand.“

Ende  August, als längst klar ist, dass es mit der Kanzlerschaft nichts wird und es nur noch darum geht,  die schlechten Umfragewerte zumindest um wenige Prozente zu steigern, fallen Sätze wie diese: „Die Lage ist beschissen. Da kommen Tausende Leute gestern nach Essen, und dann kriegst du solche Umfragewerte serviert. Ich stehe vor einem Rätsel.“ Die SPD kommt da in den Umfragen gerade noch auf 22 Prozent, eine Partei im Sinkflug.

Der Text gibt auch einen Einblick in die Fehler und Pannen während des Wahlkampfes: Abgesagte Touren, verschobene Pressegespräche, wo es später hieß: „Die SPD versteckt Schulz.“

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