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SPD Ein weiter Weg für Martin Schulz

Es sind viele kleine Deals, die Schulz sein Amt als Vorsitzender sicherten - mit immerhin knapp 82 Prozent. Doch vor dem SPD-Chef liegen schwere Aufgaben. Ein Kommentar.

Bundesparteitag der SPD
Nach der Wiederwahl gibt's Blumen: Martin Schulz strahlt auf dem Bundesparteitag der SPD in Berlin. Foto: dpa

Martin Schulz hat vor seiner Wiederwahl als SPD-Chef einige bemerkenswerte Sätze gesagt. „Ein Parteivorsitzender der SPD darf nie gewählt werden, nur weil es keine Alternativen zu geben scheint.“ Er dürfe auch nie gewählt werden, weil er erst vor wenigen Monaten mit 100 Prozent der Stimmen gewählt worden sei. Und auch nicht als Ergebnis irgendeines Deals. Das alles sind richtige Sätze.

Das Problem ist aber: Alle diese Zuschreibungen treffen auf die Wahl von Martin Schulz zu. Viele in Partei und Fraktion zweifeln an seinen Fähigkeiten – doch es fand sich niemand bereit, gegen ihn anzutreten. Keiner fand den Zeitpunkt für sich selbst günstig, den einstigen Mister 100 Prozent herauszufordern. Und der Parteivorsitzende hat bewiesen, dass er in der Lage ist, durch personalpolitische Entscheidungen Landesverbände zufriedenzustellen und so auf seine Seite zu holen. Es sind also auch viele kleine Deals, die ihm sein Amt als Vorsitzender sicherten. Das alles zusammen reicht in der aktuellen Lage natürlich nicht mehr für 100, aber für knapp 82 Prozent. Fürs Erste ist das genug, um weiterzumachen.

Paradoxerweise hat dem gescheiterten Kanzlerkandidaten gerade sein Schlingerkurs in Sachen Neuwahlen und große Koalition im Kampf um das eigene politische Überleben am Ende sogar geholfen. Denn auch unter potenziellen Konkurrenten herrschte die Einschätzung, dass Schulz jetzt gebraucht wird, um die Mitglieder dazu zu bewegen, am Ende einer großen Koalition zuzustimmen.

Und: Auch wenn auf dem Parteitag immer wieder von „ergebnisoffenen Gesprächen“ gesprochen wurde, ist es kein Geheimnis, dass die meisten Spitzengenossen eine Koalition mit der Union präferieren. Sie alle waren der Meinung: Nur derjenige, der die Partei auf die Barrikaden gegen ein neues Bündnis geholt hat, kann sie jetzt dort wieder herunterholen. Der Weg ist noch weit. Vor Schulz liegen schwere Aufgaben.

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