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Sondierungsgespräche Die Rollen der Sondierer

Anstacheln, beruhigen, kommentieren: Bei den Verhandlungen hat jeder eine Aufgabe.

Angela Merkel
Angela Merkel (CDU). Foto: rtr

Die Scharfmacher
Wer ihnen zuhört, ist überzeugt: Jamaika kann nicht funktionieren. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer erklärt einen Grünen-Politiker für schizophren. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, der sich seit langem verbissen an den Grünen abarbeitet, verkündet, es werde nie und nimmer Kompromisse geben in der Flüchtlingspolitik.

FDP-Chef Christian Lindner wirft den Grünen vor, mit ihrer Haltung die AfD zu fördern.

Sein Vize Wolfgang Kubicki erklärt, Neuwahlen seien doch nicht so schlimm und Fraktionsmanager Marco Buschmann stichelt in der Klimapolitik. Die Grünen kontern in Person von Jürgen Trittin und Anton Hofreiter, die bei den Verhandlungspartnern ohnehin als personifiziertes Feindbild gelten.

Die CDU hat in dieser Kategorie ein bisschen weniger zu bieten, hier geben sich alle eher staatstragend. Einzig Präsidiumsmitglied Jens Spahn hat sich mit Forderungen zur Rentenpolitik aus der Deckung gewagt. Die Funktion: Bedenkenträgern in den eigenen Reihen eine Identifikationsmöglichkeit bieten und schrittweise auf Kompromisse vorbereiten.

Die Brückenbauer
Sie verbreiten Zuversicht und moderate Töne, finden, man solle vor allem das Einende und die Chancen sehen und nicht das Trennende und die Risiken. Bei allen vier Parteien nehmen diese Rolle vor allem die Parteichefs ein. CSU-Chef Horst Seehofer etwa besuchte die Grünen und die FDP in deren Parteizentralen und ruft auch mal die eigenen Leute zur Ordnung: Man solle in der politischen Auseinandersetzung auf persönliche Beleidigungen verzichten. Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel sagt draußen besonders wenig, hört drinnen viel zu.

Aufgefallen ist Teilnehmern bislang vor allem ihr Appell zur Mäßigung bei öffentlichen Scharmützeln. Bei FDP-Chef Christian Lindner ist der Kommunikationsdrang größer und er schafft es, den Wahlkampf-Eindruck einer Ein-Mann-Partei zu verstärken: Er ist sowohl als Moderator als auch als Scharfmacher unterwegs. Seine Vize Katja Suding wirkt konzilianter. Bei den Grünen bemühen sich Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt um Vermittlung. Die Aufgabe der Brückenbauer: Wenn man zusammenarbeiten will, braucht es etwas Optimismus.

Die Sprecher
Die Generalsekretäre der vier Parteien treten nach den Verhandlungsrunden vor die Mikrofone, mit ein paar Sätzen zu Verlauf und Ergebnissen. Zu Beginn waren es noch getrennte Auftritte, mittlerweile stellen sich alle gleichzeitig vor die Mikrofone.

Der Wettbewerb um die schönste Jamaika-Metapher bestimmte die ersten Auftritte des Kleeblatts, als es noch nicht recht viel zu erzählen gab. Mittlerweile verlaufen die Statements nach dem Muster: Feststellen des Schwierigkeitsgrads des Themas („guter Tag“, „noch viel Diskussionsbedarf“).

Dann verweisen die Parteienvertreter meist auf Punkte, die sie in die Papiere hineinverhandelt haben. Interessant sind dabei Ton, Körpersprache und Zwischentöne. Michael Kellner (Grüne) und Andreas Scheuer (CSU) stehen immer außen und damit möglichst weit voneinander entfernt. Sie rahmen Peter Tauber (CDU) und Nicola Beer (FDP) ein. Weil Tauber erkrankt ist, hat seine Rolle derzeit Unions-Fraktionsmanager Michael Grosse-Brömer übernommen. Die Funktion: mit dem prägnantesten Zitat die Präsenz der Partei in den Medien sichern.

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